Free Willy-Mythos: Kann man Wale und Delfine auswildern?
Wale und Delfine leiden in Gefangenschaft, doch wenn sich eine Einrichtung entscheidet ihre Haltung zu beenden, ist es nicht einfach, eine Lösung für diese Individuen zu finden. Am liebsten würde man ihnen die Freiheit schenken, wie beim Film "Free Willy". Warum das in den meisten Fällen aber keine Lösung ist, welche Fall-Beispiele es bisher gab und welche Herangehensweise WDC verfolgt, um der Delfinarien-Industrie auf nachhaltige Art und Weise ein Ende zu setzen, erfahren Sie in diesem Blog.
Die Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen dient hauptsächlich der menschlichen Unterhaltung und bringt viel seelisches und körperliches Leid für die betroffenen Individuen. Über 3.700 Wale und Delfine werden weltweit in trostlosen Betonbecken gehalten, um zahlenden Besucher:innen unnatürliche Kunststücke vorzuführen. Dafür werden sie riskanten Transporten ausgesetzt, mit fremden Artgenossen in zu kleinen Becken vergesellschaftet und in Zuchtprogramme eingebunden. All das nur, damit wir Menschen sie aus nächster Nähe beobachten und uns unterhalten lassen können.
Das Bewusstsein für das Leid von Walen und Delfinen in Gefangenschaft wächst in der Öffentlichkeit und in manchen Regierungen immer weiter an, was unter anderem dazu führt, dass mehr und mehr Delfinarien schließen (müssen) − eine sehr positive Entwicklung. Doch eine wichtige Frage bleibt: Wohin sollen die betroffenen Wale und Delfine?
Die Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen endet deshalb nicht mit der Schließung von Delfinarien, sondern muss im Sinne der betroffenen Individuen bis zum letzten Schritt durchdacht werden. Aus rechtlicher Sicht "gehören" die Wale und Delfine den Einrichtungen – sie sind in der Verantwortung die Individuen zu betreuen und zu pflegen, und im Falle einer Schließung eine Lösung für ihren weiteren Verbleib zu finden. Es wäre natürlich am schönsten, diese Wale und Delfine in Freiheit schwimmen zu sehen − zumal viele von ihnen den Großteil ihres Lebens in Gefangenschaft verbringen mussten. Doch genau hier liegt das Problem. Eine Auswilderung ist, vor allem im Sinne der betroffenen Individuen, mit Vorsicht zu genießen und kommt immer auf den individuellen Fall an.
Free Willy – der Ruf der Freiheit?
Viele kennen den Film "Free Willy", in dem der Junge Jesse alles dafür tut, damit der in Gefangenschaft lebende Orca Willy zurück in die Freiheit und zu seiner Familie kann. Es ist in der Tat eine sehr emotionale, hoffnungsvolle und wundervolle Szene. Doch die Realität, abseits von Hollywood, sah anders aus: Keiko, der den Orca Willy "spielte", schwamm auch nach Erscheinen des Films (1993) weiter allein und in schlechtem Zustand seine Runden in einem Becken im Freizeitpark Reino Aventura (heute Six Flags), Mexiko. Aber nachdem die Proteste von Free-Willy-Fans immer lauter wurden, auch Keiko die Freiheit zu schenken, beschloss man ihn in ein größeres Becken nach Oregon umzusiedeln, damit sich zunächst sein Gesundheitszustand wieder verbessern konnte.
1998 wurde Keiko nach Island in seinen ursprünglichen Lebensraum transportiert, wo er in den 70er Jahren für die Delfinarien-Industrie von seiner Familie getrennt und gefangen wurde. Dort wurde er erst einmal in einem mit Netzen abgetrennten Buchtabschnitt gehalten, damit er sich langsam an die Bedingungen des Meeres gewöhnen und lernen konnte, wieder selbst Fische zu jagen. Doch Keiko fiel es schwer sich anzupassen und er benötigte weiterhin eine intensive und kostspielige Betreuung. Ab 2000 konnte Keiko in Begleitung von seinen Pfleger:innen die Küste und lokale Orca-Gruppen kennenlernen − bis er schließlich so weit war, wirklich frei sein zu können. Er schwamm vor allem um Island herum und wurde sogar einmal in Norwegen gesichtet. Doch seine jahrelange Gefangenschaft hinterließ Spuren: Obwohl Keiko in Freiheit geboren wurde, hatte er eine stärkere Bindung zu Menschen als zu seinen Artgenossen und so schloss er sich keiner Orca-Gruppe für längere Zeit an, sondern suchte immer wieder die Nähe zu Menschen. Seine Pfleger:innen übernahmen schließlich wieder die Fütterung, weil Keiko nicht eigenständig jagte. Drei Mal wöchentlich nahmen sie ihn zu einem Bootsausflug mit, um ihn in Form zu halten. Ende 2003 erkrankte Keiko an einer Lungenentzündung, verweigerte die Nahrungsaufnahme und konnte auch trotz Antibiotikatherapie nicht gerettet werden. Er starb am 12. Dezember 2003 mit 27 Jahren an der Küste nahe Halsa in Norwegen.
Keikos Geschichte zeigt uns, dass es schnell geht, Walen und Delfinen die Freiheit in traumatischen Fangaktionen zu nehmen. Doch es ist ein sehr schwieriger und langjähriger Prozess, diese Individuen wieder auszuwildern − wenn es überhaupt möglich ist.
Ein Leben in Gefangenschaft – auswildern möglich?
Ob ein Wal oder Delfin in Gefangenschaft oder in Freiheit geboren wurde, ist ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob eine Auswilderung möglich ist. So oder so wäre ein authentisches Meeresrefugium der erste Schritt, um Wale und Delfine aus dem Show-Business und Zuchtprogrammen zu holen. Dort können sie sich in naturnaher Umgebung bewegen und haben so die Möglichkeit, ihrem natürlichen Verhalten nachzukommen und werden nicht mehr zu Unterhaltungszwecken ausgebeutet. Der Bau eines solchen Meeresrefugiums, sowie die Umsiedlung von Walen und Delfinen, bedeutet jedoch intensive Planung, langwieriges Training und Geduld – denn ob und wie schnell sich die betroffenen Individuen an die Bedingungen der Umwelt und die Unabhängigkeit von Pfleger:innen gewöhnen, bestimmen nicht wir Menschen, sondern die Wale und Delfine. Außerdem sind extrem hohe Kosten mit einem solchen Projekt verbunden – für den Auswilderungsversuch von Keiko hatte die "Free Willy Keiko Foundation" rund 16,3 Millionen Euro aufgewandt. Für die meisten Delfinarien sind dies unbezahlbare Summen und auch wenn sie in der Verantwortung stehen, wird zusätzliche finanzielle Unterstützung, beispielsweise durch die Regierungen, Stiftungen oder Spenden, benötigt.
Auswildern: in Gefangenschaft geboren
Für Wale und Delfine, die in Gefangenschaft geboren wurden, ist ein Meeresrefugium in den meisten Fällen die beste und einzige langfristige Lösung. Denn diese Individuen haben nie gelernt, wie sie in freier Natur überleben können. Sie haben noch nie das Meer mit all ihrer Vielseitigkeit, aber auch Gefahren kennengelernt. Sie haben nie gelernt, lebendigen Fisch zu jagen, und sie gehören in den meisten Fällen genetisch keiner Population an, der sie sich wieder anschließen könnten. Denn in Gefangenschaft werden oft Individuen aus unterschiedlichen Populationen miteinander gepaart, wodurch Hybride entstehen, die keiner der ursprünglichen Populationen zugehörig oder an bestimmte Lebensbedingungen angepasst sind. Von Dialekten, über Wanderrouten, bis hin zu Jagdstrategien und Beutepräferenzen spielt über Generationen hinweg weitergegebenes Wissen und Kultur bei Walen und Delfinen eine sehr große, teilweise überlebenswichtige Rolle. Die Überlebenschancen für Individuen, die in Gefangenschaft geboren wurden, sind in freier Wildbahn – ohne Familien, denen sie sich anschließen können oder von deren Erfahrungsschatz sie profitieren – äußerst gering. Eine Auswilderung wäre ihnen gegenüber verantwortungslos und würde im Fall einer Verpaarung auch ein Risiko für die in Freiheit lebenden Populationen darstellen. Aus diesem Grund ist auch die Argumentation der Delfinarien-Industrie (oder Zoos allgemein) widersprüchlich, dass die Haltung von Walen und Delfinen (oder anderen Tieren) in Gefangenschaft der Arterhaltung dient.
In Meeresrefugien können diese Individuen zumindest abseits von kahlen Betonbecken und den Shows der Unterhaltungsindustrie den Rest ihres Lebens in einer naturnahen Umgebung verbringen. Eine lebenslange Unterbringung in einem Meeresrefugium wäre beispielsweise im Fall der beiden Orcas Wikie und Keijo aus dem Marineland Antibes in Frankreich die beste Lösung.
Auswildern: in Freiheit geboren
Für in Freiheit geborene Individuen ist es theoretisch möglich, sie nach einer Rehabilitierungsphase im Meeresrefugium auszuwildern. Ob dies sinnvoll ist und gelingt, hängt jedoch letztlich von der Anpassungsfähigkeit des Individuums ab; davon, wie lange es in Gefangenschaft gehalten wurde, ob es der Gesundheitszustand langfristig zulässt (in manchen Fällen ist eine lebenslange medizinische Betreuung nötig), und ob es sich in freier Wildbahn in eine Wal- oder Delfin-Gruppe eingliedern lässt. Denn kaum ein Wal oder Delfin kann auf lange Sicht ohne Familie überleben. Für einige Individuen kann es somit das Beste sein, den Rest des Lebens in einem geschützten und naturnahen Meeresrefugium – fernab des Show-Geschäfts – zu verbringen, auch wenn sie eigentlich in Freiheit geboren wurden. Deswegen sollte ein in Gefangenschaft lebender Wal oder Delfin niemals einfach so ins Meer ausgesetzt werden, wie bei Free Willy – es ist und bleibt ein Film. Die Hauptsache ist, dass im Wohle des Wals oder Delfins gehandelt wird, denn jede Geschichte ist individuell.
Wale und Delfine haben die besten Chancen auf eine erfolgreiche Auswilderung, je kürzer sie in Gefangenschaft waren. In Südkorea wurden zum Beispiel fünf Indopazifische Große Tümmler nach verhältnismäßig wenigen Jahren in Gefangenschaft und einem recht kurzen Aufenthalt in einem Meeresrefugium wieder ausgewildert. Einige von ihnen wurden später sogar mit Nachwuchs gesichtet, womit auch den zukünftigen Generationen ein Leben in Freiheit bevorsteht. Auch der letzte in Gefangenschaft gehaltene Tümmler wurde nach fast zwei Jahrzehnten und einem Aufenthalt im Meeresrefugium erfolgreich ausgewildert. Das Projekt war Teil eines Auswilderungsprogramms der südkoreanischen Regierung, im Anschluss wurde ein Delfinarien-Verbot erlassen. Ein sehr schönes Beispiel, wie die Gefangenschaftshaltung erfolgreich und im Sinne der Delfine beendet werden konnte.
Die Belugas Little White und Little Grey
Ein Beispiel, bei dem eine Umgewöhnung nicht auf Anhieb klappt, ist das isländische SEA LIFE Trust Beluga Whale Sanctuary, an dessen Gründung auch WDC beteiligt war.
Die beiden Beluga-Weibchen Little White und Little Grey wurden 2008 vor Russland gefangen und an das Arctic Circle Dive Center in Karelia, Russland verkauft. 2011 wurden sie nach Changfeng Ocean World in Shanghai, China, gebracht, wo sie ein Leben in Gefangenschaft fristeten, bis sie, dank des Engagements von Merlin Entertainment, die Show-Industrie verlassen und nach Island reisen durften. In derselben Bucht, in der zwei Jahrzehnte zuvor Keiko schwamm, wurde nach jahrelanger Planung und Vorbereitung das erste Meeresrefugium für Belugas errichtet. 2019 begrüßte das Team Little White und Little Grey, die durch ihre Vorgeschichte als vielversprechende Individuen für eine langfristige Auswilderung angesehen wurden, als erste Belugas im Refugium.
Im Rahmen des "little steps"-Programms stand nach dem aufwendigen Transport per LKW, Fähre und Flugzeug zuerst eine Eingewöhnung in Pflegebecken an Land an. Im August 2020 durften Little White und Little Grey während der Sommermonate erstmals den Pflegebereich der Bucht und einen Monat später das gesamte Meeresrefugium erkunden. Dabei zeigten die beiden Belugas unterschiedliche Reaktionen auf die neuen Umweltbedingungen. Während Little Grey sich in der Bucht schnell wohlzufühlen schien, war die Umstellung für Little White ein größerer Schritt als ursprünglich gedacht. Obwohl die beiden in Freiheit geboren wurden, schien Little White, nach über zehn Jahren in Gefangenschaft, mehr Zeit zu brauchen, um sich anzupassen. In Voraussicht auf extreme Wetterbedingungen in der Anfangsphase ihrer Umgewöhnung wurden sie für den Winter wieder zurück in die Pflegepools gebracht. Für den nächsten Sommer wurde beschlossen, ein Zwischenhabitat in der Bucht zu installieren, um den Belugas einen sicheren Bereich zwischen den Pflegebecken und der Hauptbucht zu bieten. So konnten sie selbst entscheiden, wann sie bereit waren, in die Bucht zu schwimmen.
Leider konnten die geplanten Baumaßnahmen für 2021 aufgrund von Versorgungslücken durch die Corona Pandemie nicht abgeschlossen werden und so wurde das Zwischenhabitat erst 2022 erfolgreich eingerichtet. Doch aufgrund eines Zwischenfalls, bei dem ein Boot für Service- und Taucharbeiten im Refugium gesunken war, konnten die Belugas aufgrund der anschließenden Reinigungs- und Reparaturarbeiten auch in diesem Jahr nicht in die Bucht zurückkehren.
Im Sommer 2023 war es schließlich so weit, dass Little White und Little Grey erstmals ihr Zwischenhabitat erkunden konnten. Doch bereits nach kurzer Zeit zeigte Little Grey Verhaltensänderungen und Untersuchungen offenbarten, dass sie ein Magengeschwür entwickelt hatte. Für ihre medizinische Behandlung wurden beide Belugas wieder zurück in die Pflegebecken gebracht und konnten in dem Jahr leider nicht wieder in die Bucht zurück. 2024 und 2025 beschloss das Team des Beluga Whale Sanctuary Verbesserungen am Refugium durchzuführen, sodass die Wale in einem erneuten Krankheitsfall direkt in der Bucht behandelt werden können, statt sie in die Pflegepools zurück bringen zu müssen. Eine Rückkehr der Belugas in die Bucht ist laut dem Team für das Frühjahr 2026 geplant.
Meeresrefugien – Megaprojekte mit wenigen Erfahrungswerten
Meeresrefugien sind ein neues Konzept, mit wenigen Beispielen und Erfahrungswerten – es gibt noch einiges zu lernen und viele Hürden zu überwinden. Wie man am Beispiel von Little White und Little Grey sehen kann, ist allein die Umgewöhnung von ehemals gefangenen Walen und Delfinen zurück zu natürlicheren Lebensbedingungen nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Umso wichtiger ist es, bei solchen Projekten das Wohlbefinden und die Gesundheit der Wale und Delfine zu priorisieren. Ziel ist nicht, die Individuen so schnell wie möglich wieder in Freiheit zu sehen, sondern den Individuen so viel Zeit zu geben, wie sie für die Umstellung benötigen. Von der Findung einer geeigneten Bucht, über die konkrete Planung und Baumaßnahmen, dem Training der Individuen, ihrem Transport und der schrittweisen (teils zeitlich schwer vorhersehbaren) Heranführung an die neue Umgebung, sowie der langfristigen Finanzierung, sind Meeresrefugien Megaprojekte, die sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte ziehen können.
Weltweit gibt es aber leider noch so viele Delfinarien und Wale und Delfine in Gefangenschaft, dass nicht für alle ein Meeresrefugium errichtet werden kann – geschweige denn bereitsteht. Erst in den letzten Jahren begann das Umdenken in der Öffentlichkeit und den Regierungen, was nach und nach zu abrupten Schließungen von Delfinarien ohne Lösungen für den Verbleib der Wale und Delfine geführt hat. Um die Delfinarien-Industrie "verantwortungsbewusst" auslaufen lassen zu können, ist es deshalb essenziel, Zuchtprogramme einzustellen, um weitere Generationen von Walen und Delfinen in Gefangenschaft zu verhindern.
Außerdem ist es wichtig, Einrichtungen vorausschauend zu schließen, indem Meeresrefugien für geeignete Individuen bereits jetzt geplant werden. Ein Beispiel hierfür ist das Meeresrefugium für Orca Corky in Double Bay auf Hanson Island, auf der gegenüberliegenden Seite des Northern Resident Orca-Forschungsprojekts OrcaLab. Corky wurde den Gewässern in British Columbia und ihrer Familie mit nur vier Jahren entrissen und lebt inzwischen seit über 50 Jahren in Gefangenschaft in SeaWorld San Diego. Ein Refugium in Corkys ursprünglichem Lebensraum, mit der Chance sie wieder mit ihrer Familie zu vereinen, steht bereit. Doch was fehlt ist die Zustimmung und Kooperation durch SeaWorld – denn der Park will Corky trotz weltweiter Petitionen und Proteste nicht aus dem Show-Geschäft entbehren.
Wer trägt die Verantwortung und Kosten?
Aber was tun, wenn es (noch) kein passendes Meeresrefugium gibt? Kurz gesagt: Dann sind die Einrichtungen in der Pflicht, sich um eine langfristige und bestmögliche Versorgung der Wale und Delfine zu kümmern. Man würde meinen, dass die Delfinarien, die Generationen von Walen und Delfinen zum eigenen Profit ausgebeutet haben, ihrer Verantwortung nachkommen und im Sinne der ehemaligen "Publikums-Lieblinge" die bestmögliche Lösung suchen.
Doch die Realität zeigt: Wenn Einrichtungen ihre Meeressäuger nicht mehr halten wollen oder können, gehen sie meistens den einfachsten und für sie profitabelsten Weg und geben sie an andere Einrichtungen ab. Dadurch hat sich für die betroffenen Individuen nichts geändert: Der Teufelskreis von Transportstress, fremden Artgenossen, kleinen Becken, Züchtungen und Shows geht weiter. Besonders schlimm sind Exporte nach China, denn dort boomt die Delfinarien-Industrie nach wie vor – die Tierschutzstandards sind jedoch deutlich geringer als in Europa. Während die Schließung eines Delfinariums anfangs nach einer positiven Entwicklung klingt, kann der Ausgang für die Individuen somit schlimmer sein als je zuvor. Beispielsweise wurden in den letzten drei Jahren insgesamt 26 Große Tümmler nach der Schließung von drei spanischen Tierparks nach China exportiert.
Unter vielen schwarzen Schafen gibt es aber auch Parkbetreiber, die nach Schließung Verantwortung übernehmen: Das Delfinarium im Stockholmer Zoo Kolmården in Schweden hatte sich 2022 dazu entschlossen, die Delfin-Haltung zu beenden. Doch für die verbleibenden zwölf Großen Tümmler, die als Gruppe zusammenbleiben sollten, konnte kein Platz in anderen Delfinarien mit ähnlichen oder höheren Tierschutzstandards gefunden werden. Somit wurde die Zucht mit den Meeressäugern eingestellt und der Zoo entschied sich dazu, sich so lange um die Individuen zu kümmern, bis eine Lösung im Sinne der Delfine gefunden wird. Das ist bis heute der Fall – der Zoo kümmert sich bestmöglich um die verbliebebenen Delfine. 2024 starb die in Freiheit geborene circa 40-jährige Nephele und 2025 die in Gefangenschaft geborene 13-jährige Pärla. Der Stockholmer Zoo wird auf diese Weise seiner Verantwortung für die Delfine gerecht und sorgt durch ein Zuchtverbot dafür, dass keine weiteren Generationen in Gefangenschaft leiden müssen.
Fazit: Zusammen lassen wir die Delfinarien-Industrie auslaufen
Auch wenn der Film Free Willy in unseren Herzen den Wunsch entfacht, die Gefangenschaft für alle Wale und Delfine zu beenden und sie in die Freiheit zu entlassen, bleibt es bei einem Mythos. Denn sie einfach ans Meer zu fahren, auszusetzen und sich selbst zu überlassen stellt keine realistische Lösung dar; und eine Auswilderung ist nur in seltenen Fällen überhaupt möglich. WDC spricht daher ganz bewusst vom "Auslaufen lassen" der Delfinarien-Industrie.
Die traurige Wahrheit ist, dass wir vielen Walen und Delfinen, die derzeit in Gefangenschaft leben, nur begrenzt helfen können. WDC fordert von schließenden Einrichtungen, dass sie sich bestmöglich um die Meeressäuger kümmern, bis sie eine gleichwertige oder bessere Unterbringung für sie gefunden haben. Eine ideale Unterbringung beziehungsweise ein erster Schritt wäre ein Meeresrefugium; weshalb weiter, intensiver und kooperativ an ihnen gearbeitet werden muss. Idealerweise entstehen diese Projekte vorausschauend, schon weit vor der Schließung von Einrichtungen und mit der Beteiligung und Finanzierung der Delfinarien-Industrie selbst – die all die Jahrzehnte von der Ausbeutung der Wale und Delfine profitiert hat. Schließlich ziehen wir auch Großkonzerne, die jahrzehntelang zur Plastikverschmutzung der Meere beigetragen haben zur Rechenschaft, wenn es um die Reinigung der Umwelt oder die Entwicklung alternativer Verpackungen geht.
Unser größter Hebel besteht jedoch darin, zu verhindern, dass es zukünftige Generationen von in Gefangenschaft lebenden Walen und Delfinen gibt. Deswegen setzt sich WDC vor allem dafür ein, dass Einrichtungen ihre Zucht einstellen und Regierungen weltweit ein Zuchtverbot und Wildfangverbot durchsetzen. Dafür braucht es aber vor allem ein Umdenken – und wie in jeder Industrie, ist die Nachfrage aus der Bevölkerung dabei ein wichtiger Taktgeber. Solange die Menschen Delfin- und Orca-Shows besuchen wollen, werden die meisten Einrichtungen ihr Geschäftsmodell nicht ändern. Mit Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit, wie durch diesen Blog, setzt sich WDC deshalb für Aufklärung ein.
Ihre Stimme macht den Unterschied!
Indem Sie keine Delfinarien besuchen und in Ihrem Umfeld nicht nur über das Leid der gefangenen Wale und Delfine informieren, sondern auch über die Herausforderungen, die nach Schließung von Delfinarien bestehen, können Sie einen wichtigen Beitrag leisten. Selbst im Urlaub können Sie Reiseanbieter wie GetYourGuide und TUI, die weiterhin Delfinarien bewerben und unterstützen, zum Stopp des Ticketverkaufs aufrufen oder diese Anbieter ganz boykottieren. Wenn Sie Wale und Delfine beobachten möchten, setzen Sie auf verantwortungsvolles Whale Watching in freier Natur.
Wussten Sie schon?
Hier finden Sie weiterführende Informationen und aktuelle Zahlen zu Orcas in Gefangenschaft weltweit.
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