Walfang in Island

Warum werden in Island immer noch Wale gejagt und getötet?

Seit 1986 ist das kommerzielle Walfangverbot international in Kraft (Moratorium). Island hat seither über 1700 Wale getötet (Finnwale, Zwergwale und Seiwale), weil es dieses Verbot nicht anerkennt. Stattdessen gibt das Land seitdem jährlich eine bestimmte Quote zur Tötung frei. Finnwale – nach dem Blauwal die zweitgrößten Tiere unseres Planeten - sind laut Roter Liste immer noch stark gefährdet.

Ist Walfleisch Teil der traditionellen Speisekarte der Isländer*innen?

Vielfach besteht der Irrglaube, dass Walfleisch in Island üblicherweise und traditionell gegessen wird. Dem ist nicht so. So geben aktuell nur 1,5% der Bevölkerung an, regelmäßig Walfleisch zu kaufen. Hingegen landet das meiste Zwergwalfleisch auf den Tellern von Tourist*innen. Fast das gesamte Finnwalfleisch wird nach Japan exportiert.

Die Nachfrage nach Walfleisch ist weltweit im Rückgang. Deshalb versucht die Walfleisch-Industrie immer neue Ideen auf den Markt zu bringen: Walfleisch bzw. Teile davon landen in Hundefutter oder werden zu Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet; auch Wal-Bier gab es schon!

Dem steht gegenüber, dass Whale Watching in Island boomt. Bereits jede*r fünfte Tourist*in nimmt an einer Whale Watching Tour teil, die recht teuer sind. Tourismus ist in Island ein wichtiger Wirtschaftszweig: jährlich kommen über zwei Millionen Tourist*innen nach Island, das sind sechs Mal mehr als das Land Einwohner*innen hat.

Warum kann Fleisch von gefährdeten Walarten überhaupt zur Handelsware werden?

Island und Japan haben beide "Vorbehalte" gegen die in Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) als gefährdet gelisteten Finnwale eingelegt, sodass diese beiden Länder untereinander mit Walfleisch handeln dürfen. Island ist der größte Exporteur von Walfleisch, Japan ist der größte Importeur. Aber auch in Japan findet das Walfleisch kaum Abnehmer*innen. Große Mengen landen in Kühlhäusern und werden gefroren aufbewahrt.

WDC verurteilt den zunehmenden Handel mit Walfleisch, der CITES untergräbt. Jüngste Analysen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen haben insbesondere den Handel mit Fleisch von Finnwalen (sowie Zwergwalen) als problematisch eingestuft. Die internationale Gemeinschaft hat Island wiederholt zu einer Rücknahme seiner Vorbehalte bei CITES und der IWC aufgerufen. Solange jedoch Schlupflöcher wie die beschriebenen bestehen, gibt es keine direkten Sanktionsmöglichkeiten gegen die Walfangländer.

Island und die IWC

Island hat im Gegensatz zu Norwegen zwar ursprünglich keinen Widerspruch gegen das Walfang-Moratorium eingelegt, jedoch nach 1986 die Möglichkeit des sogenannten „wissenschaftlichen Walfangs“ genutzt. Damals tötete Island nur eine relative kleine Zahl pro Jahr, bis es 1992 die Internationale Walfangkommission plötzlich verließ. 2002 trat Island der IWC wieder bei, diesmal unter einem umstrittenen Vorbehalt gegen das Moratorium. 2006 nahm Island den kommerziellen Walfang wieder auf, unter großem Protest innerhalb und außerhalb der IWC.

Erfolge

  • WDC fordert ein Ende des Transports von Walfleisch durch EU Häfen. 2013 konnten wir dank einer Petition, die mehr als eine Million Unterstützer*innen unterzeichnet hatten, erreichen, dass ein Transportschiff voller Walfleisch nach Island zurückgeschickt wurde. Die beiden Schiffseigner – Evergreen Line und Samskip - gaben danach den Transport von Walfleisch auf.
  • Wir klären auf, sprechen mit Hotels und der Tourismusbranche. Von 40% 2009 ist der Anteil von Tourist*innen, die in Island Walfleisch essen, auf nur noch 12% 2016 gesunken.
  • WDC überzeugte Handelsketten davon, HB Fish, der im Zusammenhang mit dem größten isländischen Walfänger Christian Loftson steht, aus ihrem Sortiment zu nehmen.
  • Wir decken auf: Walfleisch fand sich in Leckerbissen für Hunde am asiatischen Markt. Wir überzeugten den Anbieter Michinoku Farms, das Hundefutter aus seinem Angebot zu nehmen.
Whale watching in Island

Im Jahr 2018 wurden in Island 146 Finnwale und 6 Zwergwale getötet.

WDC vor Ort - Eindrücke aus erster Hand

"Während die meisten Europäer*innen gerade unter einer Hitzewelle stöhnen, friere ich auf einem abgelegenen Hügel über der Walfangstation in Hvalfjörður, eine Autostunde nordöstlich von Reykjavik. Die Landschaft hier ist wunderschön. Der Fjord ist von dunklen Hügeln umrahmt und ich kann den Eisvögeln in der Bucht zusehen.

All dies steht in starkem Kontrast zu dem traurigen Schauspiel, das sich etwas weiter draußen am Meer vor meinen Augen entfaltet. Etwa hundert Meter vor der Küste ist die Hvalur 8 festgemacht, um ihre grausame Arbeit zu erledigen. Anfangs sind leichte Wellen im Wasser das einzige Anzeichen dafür, dass etwas passiert, aber schnell wird der Körper eines Finnwals sichtbar, der unaufhaltsam zur Landungsbrücke gezogen wird. Während der tote Wal immer weiter auf das Schiff gezogen wird, sehe ich, dass es sich um einen kleinen Wal handelt - ein Männchen, etwa zwölf Meter lang, ein Jungtier. Ich kann die klaffenden Eintrittswunden von der Harpune sehen. Alles geht dann sehr schnell. Die Crew arbeitet mit Effizienz und Präzision, hackt dem kleinen Wal die Fluke ab, zieht ihm die Haut ab und zerlegt ihn binnen Minuten. Der Blubber darunter ist strahlend weiß.

Inmitten des Schauspiels werde ich einen Gedanken nicht los: Was für eine Verschwendung, was für eine sinnlose Verschwendung. Das Schicksal dieses Wals ist besiegelt. Seine Überreste werden, wie die von so vielen seiner Kamerad*innen die nächsten Jahre in Eisschränken in Island und Japan liegen.“

Vanessa Williams-Gray, WDC Campaignerin „Walfang stoppen“, Island, Juli 2013

Wal wird in Island zerlegt

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