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Rechte für Wale und Delfine

Rechte für Wale und Delfine
Vom „Was“ zum „Wer“

Die Rechte auf Leben, auf Freiheit und auf Unversehrtheit sind international anerkannte, universell geltende Menschenrechte. Warum sind diese Rechte immer noch ausschließlich Menschen vorbehalten?

In den vergangenen sechzig Jahren haben Wissenschaftler*innen herausgefunden, dass es keinen Grund gibt, Wale und Delfine weiterhin wie Dinge oder Ressourcen zu behandeln. In vielen Ländern darf man mit ihnen aber immer noch Gewinne erzielen, sie jagen, fangen und töten oder zur Belustigung ausstellen.

Wale und Delfine sind hochintelligent. Sie sind sozial und kommunizieren miteinander, sie haben Persönlichkeit oder sogar ein Bewusstsein ihrer selbst. Sie leben in Familien und geben Wissen an ihre Nachkommen weiter.

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Wie ähnlich sind sie uns?

Wale und Delfine empfinden Schmerz, Freude und Trauer, wenn sie einen nahestehenden Artgenossen verlieren. Sie können sich auch einsam und deprimiert fühlen.

Die erste Wal-Kultur, die entdeckt wurde, waren die „Lieder“ der Buckelwale in den 1960er Jahren. Damals war noch nicht klar, dass es sich bei diesen Gesängen um eine Übermittlung von Kultur unter Walen handelte. Dennoch war die allgemeine Öffentlichkeit so überwältigt von den Gesängen der Buckelwale, dass es der „Buckelwalsong“ sogar auf die Goldene Schallplatte schaffte, die mit dem Voyager Raumschiff in den späten 1970ern ins All geschickt wurde.

Faszinierende Erkenntnisse aus der Forschung

  • Männliche Buckelwale singen die längsten und vielfältigsten Lieder des gesamten Tierreichs - mit Rhythmus, Melodien und Strophen (eine Abfolge von Pfeif- und Quietschtönen sowie tiefen, sonoren Rufen, die bis zu 30 Minuten dauern können).
  • Wale und Delfine haben große und komplexe Gehirne, die dem menschlichen sehr ähneln: einige Arten besitzen sogenannte Spindelzellen (Nervenzellen), die für das Empathie-Vermögen und emotionale Intelligenz wichtig sind.
  • Individualität und Ich-Bewusstsein: Große Tümmler und Orcas haben die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, sie erkennen sich selbst im Spiegel und sie trauern um verstorbene Familienmitglieder. Orcas wurden beobachtet, wie sie kranke Artgenossen mit Nahrung versorgten. Andere Delfine kooperieren mit Fischer*innen, um an Beute zu gelangen.
  • Delfine gehören zu den wenigen Tierarten, die komplexe Verhaltensweisen voneinander lernen. Orcamütter legen regelrechte Übungsstunden mit ihren Jungtieren ein, um ihnen die Jagd auf Robben beizubringen. Manchmal werden Informationen auch über Generationen hinweg weitergegeben.
  • Delfine spielen viel und benutzen Werkzeuge.
  • Wale und Delfine leben in komplexen sozialen Strukturen und festen Sozialverbänden. Jedes Individuum zählt für die Gruppe und hat seinen Platz in der Gruppe.

Empfindungsfähigkeit

Empfindung ist die Fähigkeit, die Welt um sich herum wahrzunehmen. Subjektive Erfahrungen beeinflussen unser zukünftiges Verhalten.

Die Europäische Union verpflichtet durch ein rechtlich bindendes Protokoll zum Vertrag von Amsterdam die Mitgliedsstaaten dazu, den Tierschutz so zu verbessern, dass er dem Wohlergehen der Tiere als ‘fühlende Wesen’ Rechnung trägt.

Laut deutschem Grundgesetz sind Tiere keine „Sachen“, jedoch wird ihnen bisher noch kein Personenrecht zugestanden.

WDC setzt sich für Persönlichkeitsrechte für Wale und Delfine ein!

„Wer“ nicht „Was“ – von welchen Rechten sprechen wir?

Wenn wir also wissen, dass Wale und Delfine empfindsame, selbst-bewusste, intelligente und soziale Lebewesen sind, dann müssen ihnen auch wesentliche Grundrechte zugesprochen werden.

Zur Konkretisierung wird der Ausdruck „nicht-menschliche Person“ verwendet. Der Begriff verdeutlicht die Vergleichbarkeit mit Menschen bzw. Personen. Eine Person kann keine Sache sein und auch nicht wie eine Sache behandelt werden (sie kann nicht verkauft, nicht festgehalten, darf nicht verletzt oder beeinträchtigt werden und natürlich auch nicht getötet werden). Im deutschen Rechtssystem werden Tiere zwar seit 1990 nicht mehr Sache genannt, jedoch rechtlich nach wie vor einer Sache gleichgestellt.

Es gibt eine Vielzahl von Gesetzen und internationalen Abkommen zum Schutz von Walen und Delfinen: vom nationalen Tierschutzgesetz über Gesetze zur Errichtung von Meeresschutzgebieten bis zum Internationalen Walfangmoratorium. Insofern sind Wale und Delfine nicht der menschlichen Willkür ausgesetzt. All diese Gesetze und Abkommen gehen aber von der Prämisse aus, dass Tiere letztlich ein Rechtsgut sind, mit dem der Mensch etwas tun darf: eine Ressource, die im besten Fall geschützt wird. Sie sehen sie nicht als Individuen, die mit grundlegenden Rechten auf Unversehrtheit, Freiheit oder Gesundheit ausgestattet sind.

Als nicht-menschliche Personen dürften Wale und Delfine nicht mehr gejagt und getötet werden, nicht mehr ihrer Freiheit beraubt werden, hätten einen Anspruch auf einen sicheren Lebensraum in Meeren und Flüssen, in dem sie nicht als Beifang enden und von Verschmutzung bedroht sind.

Bis zur gesetzlichen Anerkennung von vergleichbaren Rechten für Tiere ist es vermutlich noch ein langer Weg, obwohl das Nonhuman Rights Project in den USA versucht, genau diese Rechte für Menschenaffen gerichtlich zu erstreiten.

Die Helsinki-Deklaration der Rechte für Wale und Delfine

Ein Schritt auf dem Weg dahin ist die von WDC gemeinsam mit Partnern ausgearbeitete  Declaration of Rights for Cetaceans: Whales and Dolphins  (Erklärung der Rechte für Meeressäuger: Wale und Delfine).

Basierend auf dem Grundsatz der Gleichbehandlung aller Personen;

In der Erkenntnis, dass die wissenschaftliche Forschung uns tiefere Einblicke in die Komplexität der Sozialstrukturen, Kulturen und des Verstandes von Walen ermöglicht;

In der Erwägung, dass die fortschreitende Entwicklung des Völkerrechts einen Anspruch auf Leben für Wale darstellt;

Wir bekräftigen, dass alle Wale als Personen das Recht auf Leben, Freiheit und Wohlbefinden haben.

Wir schließen daraus:

  1. Jeder einzelne Wal hat das Recht auf Leben.
  2. Kein Wal oder Delfin darf in Gefangenschaft oder Leibeigenschaft gehalten werden, grausamer Behandlung ausgesetzt sein; oder aus seiner natürlichen Umgebung entrissen werden.
  3. Alle Wale und Delfine haben das Recht auf Freizügigkeit und Aufenthalt in ihrer natürlichen Umgebung.
  4. Kein Wal oder Delfin ist Eigentum eines Staates, einer Körperschaft, einer Gruppe oder einer Einzelperson.
  5. Wale und Delfine haben das Recht auf den Schutz ihrer natürlichen Umwelt.
  6. Wale und Delfine haben das Recht, nicht der Störung ihrer Kulturen ausgesetzt zu sein.
  7. Die Rechte, Freiheiten und Normen, die in dieser Erklärung niedergeschrieben sind, sollten nach internationalem und nationalem Recht geschützt werden.
  8. Wale und Delfine haben das Recht auf eine internationale Ordnung, in der diese Rechte, Freiheiten und Normen vollständig verwirklicht werden können.
  9. Kein Staat, Unternehmen, menschliche Gruppe oder Einzelperson darf Aktivitäten ausüben, die diese Rechte, Freiheiten und Normen untergraben.
  10. Nichts in dieser Erklärung soll einen Staat daran hindern, strengere Bestimmungen zum Schutz der Rechte für Wale und Delfine zu erlassen.

Hier können Sie die  Declaration of Rights for Cetaceans: Whales and Dolphins (Deklaration der Rechte für Wale und Delfine) unterzeichnen. Schließen Sie sich uns an!

Die Wale brauchen Ihre Hilfe!

Unterstützen Sie die Arbeit von WDC und sorgen Sie dafür, dass Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben. Gemeinsam lassen wir die Rechte für Wale und Delfine Wirklichkeit werden!