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Zwergwal © Shutterstock / Islandjems - Jemma Craig

Rechte für Wale und Delfine

Die Rechte auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit sind international anerkannte, universell geltende Menschenrechte. Warum sind diese Rechte immer noch ausschließlich Menschen vorbehalten? In den vergangenen sechzig Jahren haben Wissenschaftler:innen herausgefunden, dass es keinen Grund gibt, Wale und Delfine weiterhin wie Dinge oder Ressourcen zu behandeln. In vielen Ländern darf man mit ihnen aber immer noch Gewinne erzielen, sie jagen, fangen und töten oder zu Unterhaltungszwecken ausstellen.

Wie ähnlich sind uns Wale und Delfine?

Wale und Delfine empfinden Schmerz, Freude und Trauer, wenn sie einen nahestehenden Artgenossen verlieren. Sie können sich auch einsam und deprimiert fühlen.

Wale und Delfine sind hochintelligent. Sie sind sozial und kommunizieren miteinander, sie haben Persönlichkeit oder sogar ein Bewusstsein ihrer selbst. Sie leben in Familien und geben Wissen an ihre Nachkommen weiter.

Was ist "Kultur" bei Walen und Delfinen?

Die Kultur bei Walen und Delfinen bezieht sich auf Verhaltensweisen und Wissen, die innerhalb einer Gruppe durch soziales Lernen weitergegeben werden. Die Individuen zeigen eine bemerkenswerte soziale Intelligenz und entwickeln einzigartige Jagdtechniken, Kommunikationsformen und Dialekte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Kultur bei Walen und Delfinen äußert sich zum Beispiel über...

  • Die Gesänge von Buckelwalen: Die erste "Kultur", die bei Walen entdeckt wurde, waren die Lieder der Buckelwale in den 1960er Jahren. Männliche Buckelwale singen die längsten und vielfältigsten Lieder des gesamten Tierreichs - mit Rhythmus, Melodien und Strophen (eine Abfolge von Pfeif- und Quietschtönen sowie tiefen, sonoren Rufen, die bis zu 30 Minuten dauern können). Der Buckelwalgesang hat es sogar auf die Goldene Schallplatte geschafft, die mit dem Voyager Raumschiff in den späten 1970ern ins All geschickt wurde.
  • Die emotionale Intelligenz: Wale und Delfine haben große und komplexe Gehirne, die dem menschlichen sehr ähneln. Einige Arten besitzen sogenannte Spindelzellen (Nervenzellen). Diese sollen für "schnelle intuitive Entscheidungen in komplexen sozialen Situationen" verantwortlich sein und werden mit Emotionen wie Empathie in Verbindung gebracht. In freier Wildbahn wurden schon häufiger Situationen beobachtet, die von großem Mitgefühl zeugten und in denen sich Individuen gegenseitig aushalfen, sogar über die eigene Art hinweg! Lange glaubte man, dass diese speziellen Gehirnzellen nur im Gehirn von Menschen und einigen Primaten vorkommen. Die Forschung zeigt, dass Spindelzellen auch in den Gehirnen von Buckelwalen, Finnwalen, Pottwalen, Orcas, Belugas, Großen Tümmlern und Rundkopfdelfinen vorkommen. Auch wurden sie bei afrikanischen und asiatischen Elefanten nachgewiesen, die ebenfalls für ihr komplexes Sozialverhalten bekannt sind.
  • Individualität und Ich-Bewusstsein: Große Tümmler haben die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, sie erkennen sich selbst im Spiegel. Auch nutzen sie "Signaturpfiffe", die sie wie eine Art Namen nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen.
  • Besondere Jagdmethoden oder Beutepräferenzen: Sowohl Delfine als auch Wale wurden beobachtet, wie sie spezielle Jagdmethoden entwickelten und diese ihren Nachkommen beibrachten. Es gibt Delfin-Populationen, die sich Meeresschwämme auf die Schnauze stülpen, um sich vor Verletzungen beim Gründeln am Meeresboden zu schützen. Oder Orca-Familien, die sich auf den Fang von Rochen spezialisiert haben. Diese Phänomene sind einzigartig und vergleichbar mit kulturellen Unterschieden bei uns Menschen: manche essen mit Stäbchen, manche mit Besteck oder mit den Händen.
  • Starke soziale Bindungen: Wale und Delfine leben in komplexen sozialen Strukturen und festen Familienverbänden. Jedes Individuum zählt und hat seinen Platz in der Gruppe. Grindwale stranden besonders häufig in großer Zahl − eine Erklärung dafür ist, dass sie sich selbst in Todesgefahr nicht im Stich lassen und selbst nach erfolgter Rettung immer wieder zurück zu ihren Familienmitgliedern am Strand schwimmen.
Diese Grindwal-Mutter trauerte um ihr totes Baby und trug es tagelang mit sich. © Alamy Stock Photography / Nature Picture Library / Franco Banfi
Diese Grindwal-Mutter trauerte um ihr totes Baby und trug es tagelang mit sich. © Alamy Stock Photography / Nature Picture Library / Franco Banfi
In Gefangenschaft, getrennt von ihren Familien, leiden Wale und Delfine. Oft müssen ihre Depressionen mit Medikamenten behandelt werden. © WDC
In Gefangenschaft, getrennt von ihren Familien, leiden Wale und Delfine. Oft müssen ihre Depressionen mit Medikamenten behandelt werden. © WDC
Pottwal-Weibchen unterstützen sich gegenseitig als Babysitter. Sie säugen nicht nur ihren eigenen Nachwuchs, sondern als "Ammen" auch andere Babys, während die Mütter im Wechsel auf Jagd gehen. © Alamy Stock Photography / Media Drum World
Pottwal-Weibchen unterstützen sich gegenseitig als Babysitter. Sie säugen nicht nur ihren eigenen Nachwuchs, sondern als "Ammen" auch andere Babys, während die Mütter im Wechsel auf Jagd gehen. © Alamy Stock Photography / Media Drum World

Laut deutschem Grundgesetz sind Tiere keine "Sachen", jedoch wird ihnen bisher noch kein Personenrecht zugestanden.

WDC setzt sich für Persönlichkeitsrechte für Wale und Delfine ein!

Wale und Delfine sind intelligente, empfindungsfähige Wesen

Empfindungsvermögen bzw. Fühlen ist die Fähigkeit, die Welt um sich herum zu spüren oder wahrzunehmen und dadurch subjektive Erfahrungen zu machen (d.h. gute, schlechte oder neutrale Erfahrungen). Im einfachsten Sinne ist Fühlen die Fähigkeit, Empfindungen zu haben und dadurch Erfahrungen zu machen, die dann als Leitfaden für zukünftige Handlungen und Reaktionen dienen können.

Gute Erfahrungen können für die Verhaltensbildung genauso wichtig sein wie schlechte Erfahrungen, und es ist genauso wichtig, einzelnen Walen und Delfinen die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten und positive Erfahrungen zu machen, wie sie vor Leid zu schützen.

Die Europäische Union erkennt in einem rechtsverbindlichen Protokoll im Anhang zum Vertrag von Amsterdam an, dass Tiere "fühlende Wesen" sind und verpflichtete die Mitgliedsstaaten dazu, den Tierschutz so zu verbessern, dass er dem Wohlergehen der Tiere als fühlende Wesen Rechnung trägt.

Es gibt inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass eine Vielzahl von Arten über ein Empfindungsvermögen verfügt. Diese Belege stammen aus einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen, vom Tierverhalten bis zur Neurophysiologie. Über das Empfindungsvermögen hinaus gibt es inzwischen auch eine beeindruckende Fülle von Belegen für das Bewusstsein bei einer Vielzahl von Arten, was zur Entwicklung von The Cambridge Declaration on Consciousness führte.

Intelligenz und Gehirnstruktur

Einen Schritt weiter auf dem Kontinuum der Empfindungsfähigkeit liegt das Konzept der Klugheit. Klugheit bezieht sich auf spezifische Eigenschaften der Intelligenz, wie die Fähigkeit, mit angemessenem Urteilsvermögen zu handeln.

Die Gehirne von Walen und Delfinen sind groß. Pottwale haben mit einem Gewicht von etwa 7,8 Kilogramm das größte Gehirn der Welt. Das durchschnittliche Gehirn eines Großen Tümmlers wiegt etwa 1.700 Gramm, während das durchschnittliche Gehirn eines erwachsenen Menschen etwa 1.300 Gramm wiegt. Wissenschaftler:innen verwenden ein Verhältnis von relativem Gehirn- zu Körpergewicht, das als Enzephalisierungsquotient (EQ) bekannt ist. 

Bei der Erforschung der Intelligenz anderer Arten ist die Gehirnstruktur ebenso wichtig wie die absolute Gehirngröße. Da sich Delfine in einer aquatischen Umgebung entwickelt und an diese angepasst haben, gibt es einige auffällige Unterschiede zwischen der Gehirnstruktur von Delfinen und Menschen. Dr. Lori Marino, eine führende Forscherin auf dem Gebiet der Gehirnanatomie von Walen und Delfinen, stellt fest, dass sich die Gehirne dieser Arten "entlang einer anderen neuroanatomischen Bahn" als die menschlichen Gehirne entwickelt haben, aber "ein Beispiel für einen alternativen evolutionären Weg zu komplexer Intelligenz auf der Erde" darstellen. 

Marino merkt außerdem an: "Insbesondere die Großhirnrinde der Wale (der Teil des Gehirns, der an der höheren Kognition beteiligt ist) hat sich auf einem ganz anderen Weg entwickelt als bei anderen Säugetieren, was zu einer höchst ungewöhnlichen Anordnung der Funktionsbereiche und einer völlig einzigartigen Struktur, dem paralimbischen Lappen, geführt hat. Trotz der großen Unterschiede in der kortikalen Organisation teilen Wale und Menschen (sowie Menschenaffen) eine Reihe komplexer kognitiver Fähigkeiten, wie z.B. die Selbsterkennung. Wale und Menschen sind daher ein eindrucksvolles Beispiel für die evolutionäre Konvergenz in der Psychologie bei Säugetieren. Diese Ähnlichkeiten bedeuten, dass Wale, wie Menschen, anfällig für emotionalen und sozialen Stress sind, der zu erheblichen Schäden führen kann. Dieser wichtige Punkt ist entscheidend für die ethische Grundlage unseres Umgangs mit Walen und unserer Behandlung von Walen".

Weitere Informationen über den Ursprung und die Entwicklung großer Gehirne bei Zahnwalen finden Sie bei Marino et al. 2004.

Angefärbter Scan eines Delfin-Gehirns. © Prof. G. Berns
Angefärbter Scan eines Delfin-Gehirns. © Prof. G. Berns
Orcas sind für ihre Intelligenz, hochspezialisierte Jagdstrategien und enge familiäre Bindungen bekannt. In Gefangenschaft werden sie alldem beraubt und leiden. © Alamy Stock Photography / Hannu Liivaar
Orcas sind für ihre Intelligenz, hochspezialisierte Jagdstrategien und enge familiäre Bindungen bekannt. In Gefangenschaft werden sie alldem beraubt und leiden. © Alamy Stock Photography / Hannu Liivaar

"Wer", nicht "Was" − von welchen Rechten sprechen wir?

Wenn wir also wissen, dass Wale und Delfine empfindsame, selbst-bewusste, intelligente und soziale Lebewesen sind, dann müssen ihnen auch wesentliche Grundrechte zugesprochen werden.

Zur Konkretisierung wird der Ausdruck „nicht-menschliche Person“ verwendet. Der Begriff verdeutlicht die Vergleichbarkeit mit Menschen bzw. Personen. Eine Person kann keine Sache sein und auch nicht wie eine Sache behandelt werden (sie kann nicht verkauft, nicht festgehalten, darf nicht verletzt oder beeinträchtigt werden und natürlich auch nicht getötet werden). Im deutschen Rechtssystem werden Tiere zwar seit 1990 nicht mehr Sache genannt, jedoch rechtlich nach wie vor einer Sache gleichgestellt.

Es gibt eine Vielzahl von Gesetzen und internationalen Abkommen zum Schutz von Walen und Delfinen: vom nationalen Tierschutzgesetz über Gesetze zur Errichtung von Meeresschutzgebieten bis zum Internationalen Walfangmoratorium. Insofern sind Wale und Delfine nicht der menschlichen Willkür ausgesetzt. All diese Gesetze und Abkommen gehen aber von der Prämisse aus, dass Tiere letztlich ein Rechtsgut sind, mit dem der Mensch etwas tun darf: eine Ressource, die im besten Fall geschützt wird. Sie sehen sie nicht als Individuen, die mit grundlegenden Rechten auf Unversehrtheit, Freiheit oder Gesundheit ausgestattet sind.

Als nicht-menschliche Personen dürften Wale und Delfine nicht mehr gejagt und getötet werden, nicht mehr ihrer Freiheit beraubt werden, hätten einen Anspruch auf einen sicheren Lebensraum in Meeren und Flüssen, in dem sie nicht als Beifang enden und von Verschmutzung bedroht sind.

Bis zur gesetzlichen Anerkennung von vergleichbaren Rechten für Tiere ist es vermutlich noch ein langer Weg, obwohl das Nonhuman Rights Project in den USA versucht, genau diese Rechte für Menschenaffen gerichtlich zu erstreiten.

WDC argumentiert, dass Wale und Delfine empfindungsfähige und kluge Individuen sind. Viele dieser Arten leben in komplexen sozialen Gruppen und zeigen komplexe Verhaltensweisen wie Kooperation, Werkzeuggebrauch und einige Wale und Delfine haben sogar eindeutig ihre eigenen Kulturen. 

Die Wale brauchen Ihre Hilfe!

Unterstützen Sie die Arbeit von WDC und sorgen Sie dafür, dass Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben. Gemeinsam lassen wir die Rechte für Wale und Delfine Wirklichkeit werden!