Walfang in Norwegen

Norwegische Walfänger*innen töten jedes Jahr hunderte Zwergwale. Ein großer Teil der Tiere sind schwangere Weibchen. Die Regierung unterstützt den Walfang massiv. Das Walfleisch wird lokal verkauft und Tourist*innen auf Kreuzfahrtschiffen, in Restaurants, Schulkindern und jungen Menschen auf Festivals angeboten.

Dies alles geschieht unter einem „Widerspruch“ gegen das kommerzielle Walfangverbot. Norwegen hat zwischen 1986 und 2017 14.000 Zwergwale getötet.

Warum darf Norwegen nach wie vor bedrohte Zwergwale jagen?

Norwegen jagt Zwergwale unter einem "Widerspruch" gegen das weltweite Verbot des kommerziellen Walfangs der Internationalen Walfangkommission (IWC), das 1986 in Kraft trat. Ursprünglich wurden die Jagden unter dem Deckmantel der "Wissenschaft" unternommen, aber 1993 nahm Norwegen kommerziellen Walfang unter Berufung auf seinen Widerspruch erneut auf.

Wer isst eigentlich das Walfleisch in Norwegen?

Trotz massiver staatlicher Subventionen und Marketingkampagnen in den letzten 25 Jahren ist die Nachfrage nach Walfleisch in Norwegen rückläufig und weniger als 5% der Norweger*innen - hauptsächlich ältere Menschen - essen das Fleisch regelmäßig. Dieser Rückgang hat die Industrie gezwungen, Wege zu finden, um in anderen Teilen der Bevölkerung Interesse an Walfleisch zu wecken. Produkte wie Walburger und Wal-Sushi für Student*innen und junge Leute, die an populären norwegischen Musikfestivals wie Bukta, Træna oder Inferno teilnehmen, wurden beworben und gefördert, sind jedoch weitgehend gescheitert.

Unbeeindruckt davon kündigte der norwegische Fischereiminister Per Sandberg an, den Verkauf und die Einführung von Walfleisch auf Food Festivals und Schulen als neue und aufregende Nahrung mit fast 1,2 Millionen Kronen unter dem Motto "Wale sind eine gesunde Alternative zu rotem Fleisch“ zu fördern. Aber auch das half nicht, denn der Konsum stieg auch danach nicht. Im Januar 2018 erklärte Herr Sandberg, dass er die Nachfrage nach Walfleisch ankurbeln will: "Ich möchte sicherstellen, dass der Walfang am Leben bleibt!"

Es wird aber auch massiv auf Tourist*innen abgezielt: das Fleisch wird in Supermärkten, Fischmärkten am Hafen, Restaurants und an Bord von Kreuzfahrtschiffen angeboten und verkauft. Hautpflegeprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, die Wal enthalten, wie beispielsweise "Walöl" -Kapseln und Hautcremes, sind ebenfalls weit verbreitet.

Wal-Salami im Gepäck – illegal und ungesund

Auch deutsche Tourist*innen sind betroffen. In den vergangenen Jahren wurde mehrfach norwegische Salami aus Walfleisch vom Zoll bei der Rückkehr von Kreufahrtreisenden nach Deutschland beschlagnahmt. Die beschlagnahmte Menge stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an. Da Wale in Deutschland und der Europäischen Union streng geschützt sind und die Einfuhr von Walprodukten in die gesamte EU verboten ist, werden Verstöße gegen das Einfuhrverbot strafrechtlich verfolgt und mindestens mit einer hohen Geldbuße geahndet.

Außerdem stellt der Konsum von Produkten wie Walsalami ein Gesundheitskrisiko dar, weil das Walfleisch häufig mit diversen Umweltgiften belastet ist. Japan hat auch schon aus Norwegen importiertes Walfleisch aus dem Verkehr gezogen, nachdem bei einer Routinekontrolle eine erhöhte Belastung mit Pestiziden nachgewiesen wurde.

Viele Tourist*innen erkennen nicht, dass sie durch den Kauf von Walprodukten dazu beitragen, eine Industrie zu erhalten, die sonst vielleicht schon gestorben wäre. Nach dem Erfolg unserer Kampagne für Tourist*innen, die die Nachfrage nach Walfleisch drastisch reduziert hat, wollen wir mit derselben Botschaft auch Tourist*innen in Norwegen erreichen:

Bitte essen Sie keinen Wal! Der Appetit auf Walfleisch wird vergehen, sobald die Konsument*innen wissen, dass das Steak auf ihrem Teller von einem grausam getöteten Zwergwal stammen könnte.

Walfang in Norwegen - die Fakten

Norwegen tötet Zwergwale im Rahmen einer selbst auferlegten Quote. In der aktuellen Saison für 2019 sind das 1.278 Zwergwale. Die Quote ist somit gleich wie im Jahr 2018, in dem 454 Zwergwale getötet wurden. Zuvor waren es 999 Wale im Jahr 2017 und 880 im Jahr 2016. Allerdings ist diese Zahl eher symbolisch, da die Zahl der tatsächlich getöteten Wale in der Regel weit unter der offiziellen Quote liegt.

Im Jahr 2017 wurden so wenig Wale in Norwegen getötet wie seit 1996 nicht mehr - und es gab die niedrigste Zahl an Walfangschiffen seit 25 Jahren. Das wirft die Frage auf, warum die Quote für 2018 und 2019 so hoch angesetzt wurde. Die norwegische Regierung zeigt damit, dass sie den Walfang unterstützt und trotz internationaler Proteste beibehalten will.

Was passiert mit dem Walfleisch, das nicht verarbeitet wird?

Es wird bei Weitem nicht der gesamte Körper der getöteten Wale verarbeitet. Die schiere Verschwendung, die mit den Jagden verbunden ist, macht nicht nur WDC wütend, sondern auch die Menschen in Norwegen. Im August 2015 gab es einen großen Aufschrei in mehreren Gemeinden in Nordnorwegens gegen das Abladen von Walüberresten an Land. Ein Bewohner sagte: "Ich fand stinkende Walmägen, Blubber und Därme, die im Fjord schwammen und an Land klebten".

Der Walfänger Bjørn Andersen, der an der Jagd beteiligt war, gab zu, dass dies eine gängige Praxis sei. Oft werden an Bord der Walfangschiffe die besten Fleischstücke herausgeschnitten und dann der Rest des Walkörpers über Bord geworfen, häufig in Sichtweite von anderen Booten oder in Küstennähe.

Darf Norwegen mit dem Walfleisch Handel betreiben?

Grundsätzlich ist der Handel mit allen Großwalarten und Produkten daraus verboten. Norwegen hat jedoch wie auch Japan und Island einen "Vorbehalt" gegen die Listung von Zwergwalen nach Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) erklärt, daher können diese Länder untereinander Handel mit Walfleisch betreiben.

Sind Wale Konkurrenten der Fischer*innen in Norwegen?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach: nein. Denn Forschungen haben gezeigt, dass es geographisch wenig Überschneidungen zwischen den Nahrungsgebieten der Zwergwale und den Fischgründen der Fischerei gibt. Das liegt daran, dass die Wale sich in Gebieten, in denen nicht gefischt wird, von Fischarten ernähren, an denen die Fischerei nicht interessiert ist. Die Schuld für abnehmende Fischbestände liegt am massiven Fischkonsum der Menschen und nicht an den Walen. Im Gegensatz dazu sieht WDC Wale als "Ökosystem-Ingenieure", die helfen, unsere Ozeane gesund zu halten.

Common minke whale
Whale-and-Dolphin-Conservation-Petition

Erfolge

  • Über 100.000 Menschen haben unsere Petition gegen den Transport von Walfleisch durch EU-Häfen unterstützt.
  • WDC machte den großen Prozentsatz an schwangeren Zwergwalen öffentlich, die bei den Jagden getötet wurden. Dies ist keineswegs nur "Zufall", wie die Walfänger*innen behaupten, sondern eine zynische Ausnutzung der Tatsache, dass trächtige Wale oft leichte Ziele sind - größer und langsamer.
  • Wir beraten Whale Watching Expert*innen, die sich für eine verantwortungsvolle, profitable Whale Watching-Industrie aussprechen. Dies ist ein starkes Argument gegen den Walfang: Jeder getötete Wal ist einer weniger, der beobachtet werden kann.
  • WDC klärt auf: mit Flyern informieren wir Tourist*innen über die Problematik des Walfangs, die Hintergründe und die Herkunft der Produkte, die ihnen angeboten werden.
  • Anfang 2017 kündigte die norwegische Regierung an, etwa 60 Tonnen norwegisches Zwergwalfleisch an "bedürftige Menschen" verteilen zu wollen. WDC berichtete darüber und es wurde rasch klar, dass es sich um einen PR-Trick handelte. Das Fleisch, das von Myklebust Hvalprodukter (einem großen Walfleischverarbeiter und -exporteur) gespendet wurde, stand kurz vor dem Verfallsdatum!

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