Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten wieder eröffnet
Die Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten ist seit dem 1. April wieder in Betrieb. Seit ihrer Eröffnung 2011 verursachte das Becken durch eine Fehlkonstruktion immer wieder Probleme durch undichte Stellen und wurde jahrelang zur Dauerbaustelle.
Das Hauptproblem der Beckenkonstruktion bestand darin, dass Salzwasser aus der Delfinlagune austrat, was unter anderem dazu führte, dass ein angrenzendes Waldstück stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Notdürftige Maßnahmenwie das Absenken des Wasserstandes und die Auskleidung der Beckenränder mit Folien boten allerdings keine langfristige Lösung.
Im Oktober 2022 mussten die Delfine letztlich aufgrund von umfangreichen Sanierungsarbeiten in ein Übergangsbecken umgesiedelt werden. Die sechs weiblichen Großen Tümmler befanden sich fortan im „alten Delfinarium“, einem weitaus kleineren und vollständig überdachten Becken. Durch eine Staubschutzwand wurden die Meeressäuger von den Bauarbeiten abgeschottet, um zumindest einen Teil der Außenbecken weiter nutzen zu können. Wie lange die Bauarbeiten dauern sollten, wurde nicht kommuniziert. Letztendlich brauchte es nun rund vier Jahre bis zur Wiedereröffnung der Lagune am 1. April 2026.
Die Errichtung des Bauschutzes allein soll rund 500.000 Euro gekostet haben; für die Sanierungsarbeiten wurden 5,9 Millionen Euro eingeplant. Bereits 2018 wurden dafür die Eintrittspreise des Tiergartens erhöht. WDC machte sich im gleichen Zuge dafür stark, dass die Stadt Nürnberg das Konzept der Delfinhaltung grundsätzlich überdenken und letztlich die Haltung beenden sollte. Nicht zuletzt, da die Inkaufnahme einer anhaltenden Belastung für die Delfine (Baulärm, Einschränkungen der Beckengrößen) unterstreicht, dass der langfristige Profit für den Tierpark über dem Wohl der Meeressäuger steht.
„Die Statistiken, die WDC zu Delfinen in Gefangenschaft führt, sprechen für sich: Noch immer werden weltweit Meeressäuger für die Unterhaltungsindustrie gezüchtet und ausgebeutet. In freier Wildbahn können sich Individuen bei Stress und Unstimmigkeiten aus dem Weg gehen. Dies ist in den engen Betonbecken der Delfinarien nicht möglich und es kommt häufig zu Aggressionen innerhalb der Gruppe, die auch zu Verletzungen führen können. Teilweise werden die Delfine mit starken Medikamenten ruhiggestellt. Das Problem weltweit zu lösen ist ein Marathon, doch Deutschland hätte längst die Möglichkeit gehabt, als Vorreiter zu agieren und die Delfinhaltung in Deutschland zu beenden.“
Ulla Christina Ludewig, Koordinatorin Ausstieg aus Delfinarien
Von ursprünglich 14 Delfinarien in Deutschland sind noch zwei übrig. Der Zoo Duisburg war 1965 der erste Zoo in Deutschland mit Delfinen. Der Tiergarten Nürnberg hält seit 1971 Delfine. Die Delfine aus den bereits geschlossenen Zoos in Deutschland sind entweder verstorben oder wurden in andere Delfinarien, teilweise im Ausland, transportiert. Weitere Informationen zum Zoo Duisburg und dem Tiergarten Nürnberg finden Sie auf unserer Übersichtsseite zur Delfin-Haltung in Deutschland.
Wale und Delfine leiden in Gefangenschaft
Rund 3.700 Wale und Delfine weltweit fristen noch immer ein Leben in Gefangenschaft, um Menschen zu unterhalten. Auch in der EU gibt es noch 26 Delfinarien mit circa 260 Walen und Delfinen. Die meisten von ihnen halten Große Tümmler, aber auch Orcas, Belugas und Schweinswale.
In Freiheit legen Wale und Delfine täglich viele Kilometer zurück und leben meist in engen Familienverbänden, die oft mehrere Generationen umfassen. In Delfinarien werden sie hingegen fernab ihres natürlichen Lebensraums in künstlich zusammengesetzten Gruppen gehalten. Teilweise sogar in völliger Isolation, wenn sie sich nicht mit ihren fremden Artgenossen verstehen oder wenn Gruppenmitglieder sterben und Individuen allein zurückbleiben. Das Trainieren von Kunststücken kann das Spielen, Sozialverhalten und die Jagd in freier Wildbahn nicht ersetzen, außerdem werden Wale und Delfine an ein unnatürliches Belohnungssystem gewöhnt. Auch die abrupte Schließung von Delfinarien ist ein Problem: Denn eine Auswilderung à la „Free Willy“ ist in den meisten Fällen nicht möglich und es fehlt an langfristigen Konzepten für die Unterbringung ehemaliger Show-Delfine.
Der Einsatz von WDC
WDC arbeitet daher seit vielen Jahren an unterschiedlichen Fronten daran, die Delfinarien-Industrie auslaufen zu lassen. Wir beraten auf politischer Ebene; fordern Reiseveranstalter dazu auf, Delfin-Shows aus dem Angebot zu streichen; klären die Öffentlichkeit über das verborgene Leid der Wale und Delfine in Gefangenschaft auf und geben Empfehlungen für verantwortungsvolles Whale Watching in freier Natur. Allem voran gilt es, ein weltweites Zucht- und Transportverbot zu erwirken, damit die aktuelle Generation von Meeressäugern in Gefangenschaft die letzte ist, die einem zahlenden Publikum zur Unterhaltung dienen muss.
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