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Delfinarien weltweit: das Ausmaß auf einen Blick

Ulla Christina Ludewig

Ulla Christina Ludewig

Ulla setzt sich im deutschen und internationalen WDC-Team für die Schließung von Delfinarien und verantwortungsbewusste Wal- und Delfinbeobachtung ein.

Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Wale und Delfine in Gefangenschaft und bin immer wieder erstaunt, welche Dimensionen das Geschäft mit gefangenen Meeressäugern weltweit angenommen hat. Über 3.700 Individuen befinden sich momentan zu Unterhaltungszwecken in Delfinarien. Wie viele Einrichtungen gibt es in welchem Land, zum Beispiel in China, den USA oder Japan und wie viele Individuen werden dort in Betonbecken gehalten? Wie sieht die Situation in Europa aus? Diese und weitere Informationen sind nun auf der WDC-Webseite auch auf Deutsch verfügbar.

Seit einigen Jahren stellen wir auf unserer Webseite detaillierte Informationen zu Orcas in Gefangenschaft zur Verfügung, die regelmäßig aktualisiert werden. Eine solche Seite haben wir nun auch für Belugas zusammengestellt. Neben einem Überblick, wie viele Individuen sich in welchen Ländern in Gefangenschaft befinden, gibt es Einblicke in das Schicksal der 30 Belugas im Marineland in Kanada, das gerade weltweit für Aufsehen sorgt. In dieser Einrichtung sind allein 2024 fünf Belugas gestorben, 18 Todesfälle gab es dort in nur fünf Jahren.

Auf der ebenfalls neuen Seite "Wale und Delfine in Gefangenschaft" sind auf einer Weltkarte die Anzahl der Delfinarien im jeweiligen Land sowie die der Individuen dargestellt. Außerdem ist es möglich, Aufstellungen der jeweiligen Länder aufzurufen und anzeigen zu lassen, wie viele Wale und Delfine dort gehalten werden, eingeteilt in die Kategorien Delfine (außer Orcas), Belugas, Orcas und Schweinswale.

Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Weltkarte zu gelangen. © WDC
Angaben ohne Gewähr

In den USA müssen alle permanent in Gefangenschaft gehaltenen Meeressäuger im "National Inventory of Marine Mammals" erfasst werden. Einrichtungen sind dazu verpflichtet, Geburten, Todesfälle, Transporte et cetera dort zu melden. Inwieweit Informationen in anderen Ländern und Einrichtungen vorliegen, ist von Land zu Land und von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Nur selten stellen die Delfinarien selbst Daten zur Verfügung. Eine sehr umfangreiche Aufstellung bietet die Seite CetaBase, Informationen aus China kommen vor allem von der China Cetacean Alliance. WDC engagiert sich seit 2015 in diesem NGO-Bündnis, dessen Ziel es ist, die Bevölkerung über die Meerespark-Industrie aufzuklären und die Folgen für die Delfine durch Fang und Haltung in Gefangenschaft aufzuzeigen. Ergänzt werden diese Daten durch Recherche auf Social Media, wo auf verschiedenen Profilen und Seiten, manchmal auch bei den Delfinarien selbst, vor allem Todesfälle und Geburten von gefangenen Delfinen veröffentlicht werden. Informationen aus der Ukraine zum Beispiel sind aufgrund des Krieges momentan aber so gut wie nicht verfügbar.

Delfin Nynke im Tiergarten Nürnberg
Delfin Nynke im Tiergarten Nürnberg © WDC
Orca in Delfinarium
Orca Morgan im Loro Parque auf Teneriffa © U.C. Ludewig
Bewegende Einzelschicksale

Hinter der nackten Zahl 3.700 stehen intelligente und soziale Individuen – jedes mit seiner ganz eigenen Geschichte. Nynke zum Beispiel, ein Großer Tümmler, wurde circa 1983 im Golf von Mexiko gefangen und ihrer natürlichen Umgebung und Familie entrissen. Nach einem langen Transport von den USA in die Niederlande wurde sie bis heute weitere fünf Mal zwischen europäischen Delfinarien hin- und hertransportiert. Seit 2018 befindet sie sich im Delfinarium im Tiergarten Nürnberg. Nynke brachte bisher vier Babys zur Welt. Zwei davon verstarben bald nach der Geburt, die Überlebenden wurden im Alter von zwei, beziehungsweise vier Jahren von ihr getrennt.
Im Loro Parque auf der Kanareninsel Teneriffa sind seit 2021 vier Orcas verstorben und das Schicksal von Orca Morgan ist ein weiteres Beispiel, das die Problematiken der Haltung von Walen und Delfinen in Gefangenschaft aufzeigt. Morgan war Aggressionen in der künstlich zusammengesetzten Orca-Gruppe im Park ausgesetzt und verlor ihre Tochter Ula im Alter von nur knapp drei Jahren.

Umfassender WDC-Bericht

Seit November steht auf der englischen WDC-Seite ein umfassender Bericht zur Situation von Walen und Delfinen in Gefangenschaft weltweit zum Download:
"The cruellest show on earth – The state of whale and dolphin captivity in 2025".

Darin werden unter anderem folgende Themen behandelt:

  • Fangaktionen in freier Wildbahn
  • Entwicklung der Delfinarienindustrie in Asien
  • Zusammenhang von Delfinarien und Treibjagden in Taiji sowie die
  • Rolle der Reiseindustrie im weltweiten Unterhaltungsgeschäft mit Delfin-Shows
Cover eines Berichts von WDC zur Delfinarienindustrie
WDC-Report "The cruellest show on earth"

Es besteht Hoffnung!

Auch wenn mich diese Zahlen mit ihren Einzelschicksalen dahinter immer wieder erschüttern, spüre ich, dass sich etwas ändert: Delfinarien geraten weltweit zunehmend in die Kritik, immer mehr Menschen lehnen Shows mit gefangenen Walen und Delfinen ab, Reiseveranstalter streichen Besuche in Meeresparks aus ihrem Programm, und erste Meeresrefugien entstehen als echte Alternative zur lebenslangen Haltung in Betonbecken. Dieser gesellschaftliche Wandel – getragen von Aufklärung, Engagement und Mitgefühl – ist für mich die wichtigste Kraftquelle. Er zeigt: Veränderung ist möglich. Und für jedes einzelne Individuum, dessen Schicksal sich dadurch zum Besseren wenden kann, lohnt es sich, weiter für ein Ende der Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen zu kämpfen.

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