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Nynke – ein Leben, das in Freiheit begann

Delfin Nynke im Tiergarten Nürnberg

Ihr Zuhause war das Meer. Sie schwamm vermutlich eng an der Seite ihrer Mutter und versuchte auf spielerische Art und Weise, möglichst viel von ihr und den anderen Delfinen aus der Gruppe zu lernen, als plötzlich alles anders war.

Im Alter von ungefähr zwei Jahren wurde Nynke im Golf von Mexiko gefangen, von ihrer Mutter getrennt und nach einem langen Flug ins Delfinarium nach Haderwijk in den Niederlanden gebracht. Der Anfang einer langen Geschichte. Einer Geschichte, die mit dem Fang 1985 im offenen Meer begann und gezeichnet ist von vielen Transporten, wechselnden Delfingruppen und traurigen Verlusten.

Nynke ist heute etwa 36 Jahre alt und wird im Delfinarium im Tiergarten Nürnberg gehalten. Mit diesem Alter ist sie eine Ausnahme, denn Delfine in Gefangenschaft sterben normalerweise deutlich jünger. Nürnberg ist für Nynke nur eine Station von vielen: immer wieder wurde sie von einem Delfinarium ins nächste transportiert. Nach zwei Jahren in Harderwijk wurde sie bereits 1987 nach Münster in den Zoo gebracht und drei Jahre später nach Nürnberg. Ihre nächste Station war 2008 wieder das Delfinarium Haderwijk, bevor sie 2018 erneut nach Nürnberg transportiert wurde. Transporte sind für die Gesundheit der Delfine immer ein Risiko und sollten eher die Ausnahme als die Regel sein.

Für Zuchtzwecke werden Delfine immer wieder zwischen Delfinarien hin und her transportiert. Nynke war mindestens vier Mal schwanger und hat vier Babys zur Welt gebracht. Zwei davon verstarben bald nach der Geburt, die Überlebenden wurden, im Alter von zwei bzw. vier Jahren von ihr getrennt. Kai lebt heute im Rancho Texas Delfinarium in Lanzarote, Zoe im Delfinarium Haderwijk.

Einige der tragischen Geschehnisse rund um zwei Geburten sind in den Akten des Delfinariums Nürnberg dokumentiert, deren Einsicht WDC vor Gericht eingeklagt hat. Am 28. Juli 2004 um 16:15 Uhr begann das kurze Leben von Nynkes erstem Baby. Noch am selben Tag, so schildern es die Akten, zeigt Nynke ein typisches Verhalten in Gefangenschaft: Sie hat kein Interesse an ihrem Jungtier, sondern verhält sich dem Baby gegenüber sogar aggressiv. Sie beißt den Kleinen. In der Konsequenz greifen die Mitarbeiter*innen im Delfinarium zu Diazepam (Beruhigungsmittel) , um Nynke zu beruhigen. Nynkes Baby wird von Menschenhand aufgezogen und verstirbt nach 31 Tagen. Bei der Untersuchung des toten Delfinbabys fiel auf, dass es abgemagert war und wahrscheinlich eine Lungenentzündung und Darmerkrankung zum Tod führten.

Weniger als zwei Jahre nach dem Verlust ihres ersten Babys hat Nynke erneut eine traumatische Erfahrung. In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2006 bringt sie ein Baby zur Welt, doch das männliche Jungtier starb innerhalb von einer Halbenstunde nach der Geburt  auf schreckliche Art und Weise. Zu dieser Zeit hielt sich Nynke gemeinsam mit einem anderen Delfin (Anke) im Becken auf.

Zwei Minuten nach der Geburt, so beschreiben es die Aufzeichnungen aus dem Tiergarten Nürnberg, kam es zu den ersten Auseinandersetzungen zwischen Nynke und Anke. Den Mitarbeiter*innen des Tiergartens fiel auf, dass Anke sehr grob mit dem Baby umging. Deshalb wurde das Jungtier für 15 Minuten aus dem Wasser genommen und Anke in ein anderes Becken gebracht. Nach diesen Problemen schien es dem Baby nicht mehr gut zu gehen und der Kleine wurde erneut von seiner Mutter getrennt.

Nynke versuchte vehement, ihr Jungtier zurückzubekommen. Der kleine Delfin verstarb in diesen Momenten an einer Verletzung des Halswirbels, die durch äußere Einflüsse herbeigeführt wurde. Dies stelle die Nekropsie später fest. Nynke erhielt ihr totes Baby für eine halbe Stunde zurück. Immer wieder versuchte sie, ihr Baby zum Auftauchen zu bewegen. Nynke rief noch immer wieder nach ihm und musste mehrfach mit Diazepam beruhigt werden.

Wie das Leben von Nynke weiter gehen wird, ist noch offen. Ihr Leben ist Tausende Kilometer entfernt von ihrem Zuhause geprägt von Betonwänden, einer eintönigen Umwelt und menschlichen Vorgaben. Kein Delfin sollte so leben müssen. Wir wünschen uns, dass Nynke und die anderen sechs Großen Tümmler in Nürnberg die letzte Generation von Delfinen sind, die in Deutschland in Gefangenschaft leben müssen.

Wir fordern die Zoos auf, die Zucht und den Transport von Delfinen einzustellen.

Unterstützen Sie den Protest mit einer persönlichen Postkarte: Hier kostenfrei bestellen!

Über David Pfender

David Pfender ist diplomierter Biologe und hat sich auf Meereslebewesen sowie Biodiversität und Ökologie spezialisiert. Er war bei WDC Deutschland bis März 2020 für Kampagnen und Projekte zur Beendigung der Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen zuständig.

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Susanne am 2. Juli 2019 um 10:20 am

    Ich bin sehr dankbar für diese Kampagne und unterstütze sie von ganzem Herzen. Das große Ziel wäre natürlich, die Abschaffung der Haltung von Delfinen in Gefangenschaft weltweit! Die Geschichte von Nynke macht mich sehr traurig. Ich habe das große Glück gehabt, Delfine in Freiheit sehen zu dürfen, in Irland und in Kroatien, immer aus größerer Entfernung, aber wer das mal erlebt hat, wird nie wieder ein Delfinarium besuchen; Tiere, die in kürzester Zeit und rasanter Geschwindigkeit spielerisch in der Gruppe große Distanzen zurücklegen, gehören nicht in Betonbecken – egal welcher Art – eingesperrt! Auch wenn das Argument nicht neu ist, wird es dadurch nicht weniger richtig: es gibt keine artgerechte Haltung von Delfinen und damit auch keinerlei Rechtfertigung für ihre Haltung in Gefangenschaft, auch nicht die sog. Delfintherapie mit ihren höchst fragwürdigen „Erfolgen“. Dieser Kampagne wünsche ich von ganzem Herzen einen echten Erfolg!

  2. Veröffentlich von Susanne am 2. Juli 2019 um 10:40 am

    Ich bin sehr dankbar für diese Kampagne und unterstütze sie aus ganzem Herzen. Die Geschichte von Nynke macht mich traurig. Es gibt keine Rechtfertigung für die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft, auch nicht die sog. Delfintherapie mit ihren fragwürdigen „Erfolgen“ – dieser Kampagne wünsche ich einen richtigen Erfolg!

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