Griechenland weist neue Meeresschutzgebiete aus
Griechenlands Ministerpräsident verkündete im Juli die Einrichtung von zwei neuen Meeresschutzgebieten im Mittelmeer. Zudem sollen Grundschleppnetze bis 2030 in Schutzgebieten verboten werden.
Die Europäische Kommission hat im Rahmen des „Aktionsplans zur Wiederherstellung mariner Ökosysteme“ angekündigt: Bis 2030 soll die Grundschleppnetzfischerei in allen Meeresschutzgebieten (MPAs) der EU verboten werden. Der Plan ist Teil der Umsetzung der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 und des SDG 14 „Leben unter Wasser“ der UN-Agenda 2030. Bereits 2023 wurde ein Entwurf veröffentlicht, der die Mitgliedstaaten verpflichtet, schrittweise Maßnahmen zu ergreifen.
Griechenland kommt als eines der ersten europäischen Länder seiner Verpflichtung nach.
Mit der Ausweisung zwei neuer Meeresschutzgebiete im Ionischen Meer und der Ägäis verstärkt Griechenland seine Bemühungen zum Schutz der Meeresumwelt und möchte auf diese Weise das „einzigartige maritime Erbe“ des Landes ehren. Regierungschef Kyriakos Mitsotakisdes setzt damit ein Versprechen um, das er im Rahmen der internationalen Meeresschutz-Konferenz "Our Ocean" im April 2024 abgegeben hatte. Die neuen Schutzgebiete werden zu den größten Schutzzonen im Mittelmeer gehören und bieten einer Vielfalt an Wal- und Delfin-Arten einen Lebensraum: Tieftauchende Cuvier-Schnabelwale und Pottwale sowie Rundkopfdelfine, Streifendelfine und Große Tümmler sind dort heimisch.
Zudem will Griechenland als erstes Land Europas Grundschleppnetze bis 2030 vollständig aus Schutzgebieten verbannen. Die Grundschleppnetzfischerei gehört zu den zerstörerischsten Fangmethoden: Dabei werden Netze mit Scherbrettern gespannt und über den Meeresboden geschleppt. Sie sind so konstruiert, dass die Scherbretter durch den Wasserdruck beim Schleppen auseinandergedrückt werden und das Netz in einer offenen Position halten. Vor dem Netz befinden sich schwere Ketten, die über den Meeresboden gezogen werden. Diese Ketten scheuchen die Fische auf und treiben sie in das Netz. Neben den Ziel-Arten geraten unzählige Meereslebewesen als Beifang in diese Netze. Empfindliche Lebensräume wie Riffe, Sandbänke und Seegraswiesen werden komplett verwüstet.
Diese Art der Fischerei ist weltweit gängige Praxis und in europäischen Gewässern besonders verbreitet. Während weltweit im Schnitt 14 Prozent der Gewässer mit Schleppnetzen befischt werden, sind es in Europa 50 Prozent. Besonders bedenklich: Selbst in ausgewiesenen Meeresschutzgebieten darf zum Großteil ohne Einschränkungen mit Grundschleppnetzen gefischt werden.
Mit der Ausweisung neuer Schutzzonen und dem Verbot zerstörerischer Fangmethoden sendet Griechenland ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der die Bereitschaft zu Investitionen und Maßnahmen im Meeresschutz − trotz der alarmierenden Auswirkungen der Klimakrise − weltweit abnimmt.
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