Frankreichs Regierung entscheidet: Marineland Orcas und Delfine sollen in spanische Delfinarien umziehen
Die französische Umweltministerin Agnès Pannier-Runacher hat die Entscheidung getroffen, die verbliebenen Orcas und Großen Tümmler aus dem Marineland Antibes Mitte April "übergangsweise" nach Spanien zu transportieren. In welche Einrichtungen die Meeressäuger umziehen werden, wurde noch nicht offiziell verkündet.
Nun wurde offiziell bestätigt, dass die Meeressäuger des kürzlich geschlossenen Delfinariums Marineland Antibes in Frankreich nach Spanien gebracht werden sollen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die zwei Orcas zusammen mit zwei der Großen Tümmler aus dem Marineland in den umstrittenen Loro Parque nach Spanien transportiert werden sollen. Dort werden sie, aufgrund kleinerer Becken mit mehr Individuen, schlechtere Haltungsbedingungen vorfinden als im Marineland. Jedoch steht noch das von der Organisation OneVoice auf Rechtswegen durchgesetzte Gutachten zur Gesundheit der Orcas aus, ohne das sie nicht transportiert werden dürfen.
Den verbleibenden zehn Großen Tümmlern steht vermutlich ein Umzug in das vor einem Monat geschlossene Delfinarium im Zoo von Madrid bevor. Der Zoo hatte seine acht verbliebenen Delfine bereits nach China transportiert, da die Fläche nach einer Umbauphase für die Ausstellung anderer Tier-Arten genutzt werden soll. In einer Pressemitteilung gaben die Betreiber:innen des Zoos aber an, Delfine für andere europäische Einrichtungen zeitlich begrenzt unterbringen zu können.
Zukunft in einem Meeresrefugium oder in einem Betonbecken?
Seit vier Jahren steht gesetzlich fest, dass die zwölf Großen Tümmler und die zwei verbliebenen Orcas Wikie und Keijo Marineland Antibes bis spätestens Ende 2026 verlassen müssen. Doch wohin sie gebracht werden sollen, wurde jahrelang diskutiert. Die aus unserer Sicht beste Option für die Orcas wäre das Meeresrefugium in Nova Scotia, Kanada, gewesen – diese Empfehlung sprach auch ein von der Regierung beauftragter, unabhängiger Experte aus. Doch die französische Regierung lehnte dies ab. Anfang des Jahres schloss der Meerespark und beantragte erneut eine Umsiedlung der Orcas in den Loro Parque.
Die Umweltministerin Agnès Pannier-Runacher hält zwar derzeit weiterhin an der Idee eines Meeresrefugiums fest – allerdings im Mittelmeer, wo das Wasser für die aus Island stammenden Orcas zu warm wäre. Dort gibt es noch kein etabliertes Meeresrefugium, es müsste komplett neu finanziert und gebaut werden, wobei die Genehmigungsverfahren und die Umsetzungszeit für ein solches Projekt erfahrungsgemäß nicht zu unterschätzen sind. Doch so viel Zeit bleibt nicht, da der geschlossene Park sein Pflegepersonal nur bis Mitte April behalten wird und die Zustände der Becken schlecht sind – wie schon seit Jahren bekannt. Daher räumte auch die Umweltministerin ein, dass "… die Tiere wahrscheinlich [temporär] umgesiedelt werden müssen, bevor wir ein Schutzgebiet haben".
Orcas und Delfine bleiben weiterhin der Delfinarien-Industrie ausgeliefert
Ob und wann die Orcas und Großen Tümmler wirklich in ein Meeresrefugium gebracht werden bleibt unklar. WDC sieht es kritisch, dass die Unterbringung von Wikie und Keijo im nahezu fertiggestellten Meeresrefugium in Nova Scotia nicht weiter in Betracht gezogen wird. Zumal die deutlich schlechteren Haltungsbedingungen im Loro Parque sowie die Zuchtpraxis des Parks dem Grundgedanken des französischen Gesetzes zur Beendigung der Delfinhaltung entgegenstehen: Anstatt Zeit mit ihrem Sohn Keijo in naturnaher Umgebung zu verbringen, würde Wikie sehr wahrscheinlich rasch zur Zucht eingesetzt werden. Bezüglich der Delfine, die höchstwahrscheinlich nach Madrid umziehen werden, bleibt nur stark zu hoffen, dass das ehemalige Delfinarium nicht nur eine Zwischenstation auf einer Reise zur boomenden Delfinarien-Industrie in China sein wird – wie bereits für ihre Vorgänger. Sondern, dass die Delfine in Madrid bestmöglich versorgt werden, bis sie in das erste Meeresrefugium für Große Tümmler in Europa umgesiedelt werden können.
*** Update vom 09. April 2025: Gutachten liegt vor ***
Am 7. April wurde das gerichtlich angeforderte, unabhängige Gutachten zum Gesundheitszustand der Meeressäuger und den Haltungsbedingungen im Marineland veröffentlicht. Damit dürfen die Orcas nun legal transportiert werden.
*** Update vom 14. April 2025 ***
Spanien blockiert Transport von Orcas und Delfinen aus Frankreich. Mehr dazu
*** Update vom 16. Juli 2025 ***
Die Orcas und Delfine befinden sich noch immer im geschlossenen Marineland Antibes. WDC ruft zum Appell an die französische Regierung auf. Mehr dazu
Hintergrundinformationen
Mehr zum Fall "Marineland Antibes" finden Sie im Blog: Zukunft ehemaliger Show-Orcas bleibt ungewiss | WDC Deutschland
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