Zehn Minuten für Wale und Delfine – Update zu unserem Shorewatch-Projekt
Alice Walters
Alice ist verantwortlich für die Datenauswertung des WDC Shorewatch-Programms und leitet die Verwaltung der Shorewatch-App und -Datenbank. Sie sorgt maßgeblich dafür, dass die von Ehrenamtlichen gesammelten Sichtungsdaten zum Schutz von Walen und Delfinen in Schottland beitragen.
Seit über 20 Jahren dokumentieren engagierte Ehrenamtliche im Zehn-Minuten-Takt Wal- und Delfinsichtungen entlang der schottischen Küsten. Aus diesen Beobachtungen ist ein einzigartiger Datenschatz entstanden. Der aktuelle Projektbericht zeigt, wie lebendig Schottlands Küstengewässer wirklich sind – und welche zentrale Rolle Unterstützer:innen dabei spielen, dieses Wissen sichtbar zu machen.
Shorewatch ist eine einfache Idee mit großer Wirkung: Geschulte Freiwillige führen regelmäßig standardisierte zehnminütige Beobachtungen von lokalen Aussichtspunkten an der Küste Schottlands durch (Shorewatch = "Beobachtung von der Küste aus") und dokumentieren, wann sie Wale und Delfine sehen.
Im Laufe der Zeit summieren sich diese zehnminütigen Beobachtungen und wachsen so zu einer wichtigen Datensammlung heran. Im Jahr 2024 wurden insgesamt eine Million Minuten Beobachtungszeit – das entspricht 100.000 einzelnen Shorewatches – geleistet. Dabei konnten mindestens 18 verschiedene Arten von Walen und Delfinen in schottischen Gewässern dokumentiert werden: von bekannten Arten wie Großen Tümmlern, Schweinswalen und Zwergwalen bis hin zu ungewöhnlicheren Küstenbesuchern wie Schnabelwalen und sogar einem Beluga (der normalerweise nur in der Arktis vorkommt).
Charakteristischer Jahresrhythmus
Die Auswertung der Shorewatch-Daten aus dem Jahr 2025 zeigt deutliche saisonale Muster: Viele Arten werden im Sommer am häufigsten beobachtet, doch eine genauere Analyse macht sichtbar, dass jede Art ihren eigenen, charakteristischen Jahresrhythmus aufweist.
- Die Sichtungen von Großen Tümmlern erreichen im Sommer ihren Höhepunkt. Zudem sehen wir auch Anzeichen für Veränderungen: Eine weniger starke Präsenz der Delfine im Moray Firth, dafür mehr Aktivität weiter südlich in Schottland und bis hinunter nach England, was die Berichte anderer Forscher:innen bestätigt.
- Bei den Zwergwalen ist ein deutlicher Höhepunkt der Sichtungen im Juni und Juli zu verzeichnen, wobei Orte wie Tiumpan Head auf den Äußeren Hebriden als Hotspots hervorstechen.
- Die Sichtungen von Rundkopfdelfinen nehmen im Spätsommer zu, wobei Tiumpan Head erneut zeigt, warum das Meer im Nordosten von-Lewis als („Marine Protected Area“, kurz MPA) für diese Art ausgewiesen wurden. Auch das Gebiet bei Latheronwheel im Nordosten Schottlands scheint sich zu einem weiteren Hotspot zu entwickeln!
- Bei den Buckelwalen ist von Spätherbst bis Winter ein Anstieg der Sichtungen zu verzeichnen, insbesondere wenn wir Daten aus größeren Regionen zusammenfassen, anstatt nur die Trends an bestimmten Orten zu betrachten.
Größte Langzeitdatensammlung Europas
Shorewatch ist ein sogenanntes "Citizen Science"-Projekt (auf deutsch "Forschung mit Beteiligung von Bürger:innen"): Es wird von geschulten Ehrenamtlichen durchgeführt. Über 20 Jahre wurde das Projekt zu einer der umfangreichsten Langzeit-Datenbanken Europas zu Walen und Delfinen aufgebaut.
In den letzten Jahren haben wir neue Ehrenamtliche auf den Orkney- und Shetland-Inseln ausgebildet und so lokale Daten sowohl in rauen Wintern als auch in kurzen Sommernächten gesammelt.
Helfen zehn Minuten wirklich?
Diese Frage wird uns häufig gestellt. Die Antwort ist: auf jeden Fall! Dank standardisierter zehnminütiger Beobachtungen können wir Wal- und Delfinaktivitäten an den Shorewatch-Beobachtungspunkten im Laufe der Jahreszeiten über einen längeren Zeitraum hinweg vergleichen. Dabei kommt es nicht auf das einzelne Zehn-Minuten-Intervall an, sondern auf die Summe! Außerdem erleichtert das standardisierte Beobachtungsschema auch vielbeschäftigten Menschen, sich zu beteiligen. Die kurzen Beobachtungs-Intervalle helfen uns somit, eine größere Bürger:innenbeteiligung zu erreichen.
Langfristige Verhaltensmuster bilden eine wichtige Grundlage: Da die Daten zeigen, wo, wann und wofür verschiedene Arten die Küstengewässer nutzen, kann WDC sich gezielt in diesen Regionen für geeignete Schutzmaßnahmen einsetzen – wie beispielsweise die Einrichtung eines Meeresschutzgebiets für Rundkopfdelfine vor der Insel Lewis oder die erfolgreiche Mitwirkung an der Ausweisung wichtiger Lebensräume für Meeressäuger ("Important Marine Mammal Areas", kurz IMMAs), die auf jahrelangen Erkenntnissen basieren.
Wir sagen Danke!
Ganz egal, ob Sie sich bei Shorewatch beteiligen, WDC mit Ihrer Spende unterstützen oder die Vision, dass alle Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben sollen, in die Welt tragen – Sie sind Teil einer Gemeinschaft, die echte Veränderungen möglich macht. Dafür sagen wir DANKE!
Wal- und Delfinbeobachtung in Schottland
Wenn Sie Interesse an Wal- und Delfinbeobachtung haben, bietet der schottische Moray Firth ideale Bedingungen, um Große Tümmler vom Ufer aus zu beobachten; insbesondere im Sommer. Auch das Scottish Dolphin Center von WDC in Spey Bay ist immer einen Besuch wert! Wale und Delfine lassen sich aber auch in den anderen Jahreszeiten an schottischen Küsten entdecken. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserem Whale Watching – Ratgeber.
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