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Orca in Gefangenschaft ©Bernard Auton
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47 Jahre in Gefangenschaft: Abschied von Orca Katina

Ulla Christina Ludewig

Ulla Christina Ludewig

Ulla setzt sich im deutschen und internationalen WDC-Team für die Schließung von Delfinarien und verantwortungsbewusste Wal- und Delfinbeobachtung ein.

Am 20. Dezember 2025 ist Orca Katina im SeaWorld-Park in Florida, USA, verstorben. Fast fünf Jahrzehnte verbrachte sie dort und wurde einem zahlenden Publikum in Shows präsentiert. Katina litt an einer chronischen Atemwegsinfektion und hatte sichtbare Hautveränderungen. Die genaue Todesursache wurde bisher noch nicht bekanntgegeben.

Zwischen 1976 und 1989 wurden in isländischen Gewässern mindestens 54 Schwertwale gefangen und an Delfinarien auf der ganzen Welt verkauft. Einer von ihnen war Katina. Sie war ungefähr zwei Jahre alt und wurde zusammen mit zwei anderen sehr jungen Orcas zuerst in eine abgetrennte Bucht nahe Grindavik gebracht und danach in das Hafnarfjörður Aquarium. Kurze Zeit später folgte der Transport nach Kanada und im Juni 1979 erreichte Katina die USA. Sage und schreibe zehn Mal wurde sie daraufhin zwischen Ohio und Kalifornien hin- und hertransportiert: Im Frühjahr wurde sie nach Ohio gebracht, um während der Saison dort in Shows aufzutreten, im Herbst ging es wieder zurück nach Kalifornien. Im November 1984 kam sie dann im SeaWorld-Park in Florida an, wo sie bis zu ihrem Tod gehalten wurde.

Orcas leben in freier Wildbahn in engen Familienverbänden (Pods). Vor allem die Bindung zur Mutter ist sehr stark. Von ihr lernen die Kleinen alles, worauf es ankommt und auch die soziale Interaktion mit den anderen Mitgliedern des Pods ist wichtig für das spätere Leben. So haben die Fangaktionen nicht nur weitreichende Folgen für die Orcas, die von ihren Familien getrennt werden, sondern auch für die Population, die zurückbleibt.

Orca in Gefangenschaft
Orca in Gefangenschaft © Ulla Christina Ludewig
Orcas
Orca-Gruppe in Freiheit © Christopher Swann

Katina wurde im Laufe ihrer Zeit in Gefangenschaft mit über 30 verschiedenen Orcas zusammen in einem Becken gehalten. Einige von ihnen hätte sie in freier Wildbahn nie getroffen, da sie von verschiedenen Ökotypen stammten. Diese unterscheiden sich in Größe, Aussehen, Beutepräferenzen, Jagdtechniken, Dialekten, Verhaltensweisen und Gruppenzusammensetzungen. Ihre Verbreitungsgebiete überschneiden sich teilweise, die Orcas scheinen sich aber nicht zu untereinander zu paaren und interagieren selten miteinander. Bei den später in Gefangenschaft geborenen Orcas handelt es sich oft um Hybride, da bei der Zucht die Ökotypen nicht berücksichtigt wurden. Im Marineland Kanada traf Katina zum Beispiel auf Kanduke und Nootka, zwei Bigg’s Orcas sowie Kandu II, die dem L-Pod der bedrohten Southern Resident Orcas entrissen wurde. Gerade die Southern Residents kämpfen auch heute noch mit den Folgen, die die Dezimierung der Population durch die Fangaktionen für die Delfinarienindustrie in den 1960er und 70er Jahren hinterlassen hat. Mindestens 47 Mitglieder der Population wurden damals gefangen.

Zucht (und Inzucht)

Katinas erstes Baby, Kalina, war das erste in Gefangenschaft geborene Orca-Baby, das mehr als 2 Monate überlebte. Darüber, wie viele Zuchtversuche vorher missglückt waren, gibt es unterschiedliche Angaben, da die Dokumentation vor 1984 nicht verpflichtend war. Kalina wurde als "Baby Shamu" bekannt, da alle Orcas, die zu dieser Zeit in Shows bei SeaWorld präsentiert wurden, "Shamu" genannt wurden. Ihr Vater war Winston, ein Mitglied des L-Pods der Southern Resident Population.

Zwischen 1988 und 2002 bekam Katina weitere vier Babys: Katerina, Taku, Unna und Ikaika. Katerinas Vater war Kanduke, der von Taku, Unna und Ikaika war Tilikum. Sein Schicksal wurde ausführlich im Film "Blackfish" beleuchtet. Welche Auswirkungen der Film auf SeaWorld und die Zurschaustellung von Orcas in Shows weltweit hatte, haben wir in der Blog-Serie „Der Blackfish-Effekt“ zusammengefasst. 2006 wurde Nalani geboren, ein weiteres Baby von Katina. Ihr Vater war Taku, Katinas 14-jähriger Sohn! Nach der Zusammenführung von Mutter und Tochter mit Taku und Ikaika kam es zu Aggressionen und Katina kümmerte sich nicht mehr ausreichend um Nalani. Daraufhin wurden Taku und Ikaika von den beiden getrennt und später dann in andere Einrichtungen transportiert. Katinas letztes Baby, Makaio, wurde 2010 geboren. 2016 beendete SeaWorld sein Orca-Zuchtprogramm. Kalina, Katerina, Taku und Unna sind inzwischen verstorben. Auch von Katinas neun Enkeln leben nur noch vier (inklusive Nalani). Drei von ihnen waren Tot-, beziehungsweise Fehlgeburten.

Ikaika © Katerina Studios - Inherently Wild
Ikaika © Katerina Studios - Inherently Wild
Skyla_c_UCLudewig
Orca Skyla © UC Ludewig
Orca-Keto-LoroParque_c_UCLudewig
Der mittlerweile verstorbene Orca Keto im Loro Parque ©U.C.Ludewig

2024 wurde Katina wochenlang nicht in den SeaWorld-Shows gesehen und in einem kleinen Becken isoliert von den anderen Orcas gehalten. Woran genau sie litt, wurde erst nicht bekanntgegeben. Sie kehrte später in die Shows zurück und mehrere Videos zeigen, wie sie immer wieder mit einem Vernebler (= medizinisches Gerät zur Behandlung von Atemwegserkrankungen) behandelt wurde. Sichtbare Hautveränderungen und Verfärbungen an ihrem Kiefer und ihren Augenflecken waren vermutlich Folgen einer jahrelangen Behandlung mit Antibiotika. Im Dezember 2025 wurde Katina nur noch selten in den Shows gesehen. Sie verstarb am 20. Dezember.

Vier Orcas sind 2025 in Gefangenschaft gestorben

Katina war der zweitälteste Orca weltweit in Gefangenschaft (nur Corky von den Northern Residents ist älter und bereits länger in Gefangenschaft) und einer von vier Orcas, die 2025 in Gefangenschaft verstorben sind. Kamea war mit elf Jahren der jüngste Schwertwal im SeaWorld-Park in Texas. Sie verstarb im Juli an einer Lungenerkrankung. Earth war 16 Jahre alt und verstarb im August im Port Nagoya Aquarium in Japan an einer Magendrehung. Kshamenk, der seit vielen Jahren ohne weitere Artgenossen in einem kleinen Becken in Argentinien gehalten wurde, verstarb Mitte Dezember an einem Herzstillstand. Er war ungefähr drei Jahre alt, als er 1992 nach einer Strandung in das Mundo Marino Aquarium ungefähr 300 Kilometer südlich von Buenos Aires gebracht wurde.

Es wird höchste Zeit für ein Auslaufen der Haltung von Walen und Delfinen in Gefangenschaft. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass es nicht möglich ist, diesen hochintelligenten Meeressäugern ein artgerechtes Leben in menschlicher Obhut zu bieten.

Kinder von Katina:

Kalina (1985-2010)
Katerina (1988-1999)
Taku (1993-2007)
Unna (1996-2015)
Ikaika (geboren 2002)
Nalani (geboren 2006)
Makaio (geboren 2010)

Enkel von Katina:

Keet (geboren 1993)
Keto (1995 – 2024)
Kalinas Baby (Totgeburt 1997)
Tuar (geboren 1999)
Skyla (2004 – 2021)
Trua (geboren 2005)
Unnas Baby (Totgeburt 2006)
Nalani (geboren 2006)
Unnas Baby (Fehlgeburt 2009)

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