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Delfine werden in Taiji gefangen © Hans Peter Roth / Marna Olsen

Delfinjagd stoppen

Delfinjagd ohne internationale Regelung

Weltweit werden jedes Jahr über 100.000 Delfine durch gezielte Bejagung getötet. Während die Jagden in Japan und auf den Färöer-Inseln inzwischen gut dokumentiert sind, finden in anderen Teilen der Welt zahlreiche Jagden statt, über die nur wenig bekannt ist. Vielerorts werden die Delfinjagden illegal betrieben.

Warum jagen einige Länder Delfine und Kleinwale?

Fast jeden Tag werden Delfine auf der ganzen Welt getötet: Von den Färöer-Inseln hoch im Norden, über Afrika, Lateinamerika, der Karibik, Orten im Südpazifik bis nach Asien. Dazu kommt die Jagd auf Kleinwale wie Belugas oder Narwale in Kanada, Dänemark (Grönland), USA (Alaska) oder Russland.

Die Jagd auf Kleinwale und Delfine wird aus unterschiedlichen Gründen betrieben. In vielen Regionen spielt wirtschaftliche Not eine zentrale Rolle: Delfine werden gefangen, um das Fleisch zu verkaufen oder zur eigenen Ernährung zu nutzen. Mancherorts wird die Jagd auch unter dem Vorwand der Nahrungskonkurrenz gerechtfertigt − Fischer:innen sind der Ansicht, dass die Meeressäuger für schwindende Fisch-Populationen verantwortlich sind und halten es deshalb für notwendig, ihre Anzahl zu reduzieren, um ihre eigene Nahrungsgrundlage zu sichern. Daneben gibt es kulturelle Beweggründe, zum Beispiel wird die Jagd auf Delfine in bestimmten Gemeinschaften als bedeutsame Tradition angesehen.

Außerdem werden Delfine illegal in Zusammenhang mit der Haifischjagd getötet: Da der Markt für Haifischflossen nach wie vor groß ist, werden viele Hai-Arten weltweit stark bejagt. Das Delfinfleisch dient hierbei als Köder.

Wie werden Delfine gejagt?

Je nach Umfang, Ort und Legalität kommen weltweit sehr unterschiedliche Methoden und Werkzeuge zum Einsatz. Es gibt die sogenannten Treibjagden, bei der Fischer:innen die Delfine mit Booten in flache Gewässer treiben, wo sie schließlich getötet oder ans Ufer gezogen werden. Andernorts werden sie von kleinen Booten aus harpuniert oder mit Hilfe von Netzen gefangen.

Traditionell werden bei der Jagd auf Delfine Waffen wie einfache Harpunen, Speere, Messer, Macheten oder auch Gewehre verwendet. Diese Tötungsmethoden sind in der Regel mit einer langen Sterbedauer und erheblichem Leid für die Meeressäuger verbunden. Bilder von grausamen Szenen auf den Färöer-Inseln und in Taiji haben international für massive Kritik gesorgt, woraufhin die Methoden zwar angepasst wurden, aber nach wie vor mit enormem Leid für die hochintelligenten Meeressäuger verbunden sind.

In arktischen Regionen wie Kanada und Grönland kommen bei der Kleinwaljagd überwiegend Harpunen zum Einsatz. Aufgrund der schwierigen Jagdbedingungen ist die Zahl der Individuen, die den Jagden verletzt entkommen, relativ hoch. Viele sterben letztlich qualvoll an den Verletzungen.

In St. Vincent und auf den Grenadinen werden Kleinwale und Delfine nach dem Harpunieren an Boote gebunden und bluten aus oder ertrinken, wenn sie noch lebendig kopfüber im Wasser hängen.

Fehlende politische Maßnahmen

Um die unregulierte und illegale Jagd auf Delfine und Kleinwale einzudämmen, sind gezielte politische Maßnahmen notwendig. Nationale Gesetzeslücken müssen geschlossen und Jagden konsequent verboten oder zumindest streng reguliert werden. Besonders wichtig ist das Handelsverbot für beigefangene Individuen sowie ein Verbot der Nutzung von Delfinfleisch als Köder für jegliche Form der Fischerei.

Auf internationaler Ebene braucht es eine stärkere Einbindung in politische Foren wie die Internationale Walfangkommission (IWC), die Konvention über wandernde Tier-Arten (CMS) und das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES). Eine übergreifende Zusammenarbeit der Bündnisse sowie eine umfassendere Datenerhebung würden den Schutz der Meeressäuger erheblich verbessern.

Auch die Fischerei muss reformiert werden. Nachhaltige Kleinfischerei, alternative Fangmethoden und technische Maßnahmen zur Verringerung von Beifang sind dabei zentrale Ansätze. Ergänzend braucht es Lösungen zur besseren Überwachung und Kontrolle von Fischerei-Aktivitäten, um illegale Jagden aufzudecken und zu sanktionieren.

Über diese Maßnahmen hinaus müssen auch die Lebensbedingungen in den betroffenen Regionen verbessert werden: Wo Armut, fehlende Versorgung und mangelhafte Infrastruktur den Alltag bestimmen, greifen Menschen oft aus Not zur Jagd auf Kleinwale und Delfine. Erst mit besseren sozialen und wirtschaftlichen Perspektiven lässt sich diese Praxis nachhaltig beenden.

In diesen Ländern werden Kleinwale oder Delfine gejagt. Zum Vergrößern der Karte bitte das Bild anklicken.

Weitere Informationen

Tiefgehendere Informationen finden Sie auf unseren spezifischen Länderseiten zu den Delfinjagden auf den Färöer-Inseln und in Taiji (Japan).

Besuchen Sie auch unsere Übersichtsseite Walfang stoppen mit spezifischen Informationen zum Walfang in JapanNorwegen und Island sowie zu indigenem Subsistenzwalfang. Außerdem finden Sie wissenswerte Hintergrundinformationen auf der Seite Walfleisch und Produkte aus Walen und Delfinen.

Länderbeispiele

In diesen drei Ländern nehmen Delfinjagden zu, obwohl es Schutzbemühungen vor Ort gibt. Mehr Informationen finden Sie darüber hinaus in unserem Bericht "Small cetaceans, big problems − A global review of the impacts of hunting on small whales, dolphins and porpoises".

Sri Lanka

In Sri Lanka werden Delfine immer häufiger als Nahrung für Menschen gejagt, aber ihr Fleisch wird auch als Haiköder in der Fischerei eingesetzt. Der Handel mit Delfinfleisch hat in den letzten Jahren rasant zugenommen, insbesondere auf dem Schwarzmarkt. Meeressäuger sind in Sri Lanka geschützt, doch trotz hoher Geld- und Gefängnisstrafen gehen die illegalen Jagden weiter.

Ghana

In West- und Zentralafrika hat sich das Leben für Delfine sehr verändert: traditionell wurden sie verehrt, heute werden sie gejagt. Die Bevölkerung wächst und Nahrungsmittel sind knapp − die Überfischung macht sich hier deutlich bemerkbar. Der ständige Hunger verdrängt die traditionelle Wertschätzung der Meeressäuger und macht sie in vielen afrikanischen Gemeinschaften vor allem zu einer Nahrungsressource. In Ghana landeten Delfine früher als Beifang in den Netzen von Fischer:innen, doch mittlerweile werden sie gezielt gejagt.

Peru

Obwohl die Delfinjagd in Peru illegal ist, werden dort jedes Jahr 15.000 Delfine getötet. Sie werden harpuniert und anschließend häufig totgeschlagen. Ein Teil des Delfinfleisches landet in Restaurants, der Großteil wird jedoch als Haiköder eingesetzt. Die Haifischflossen werden anschließend nach China verkauft, wo die Nachfrage in den letzten Jahren nach weiter angestiegen ist.

Unsere Arbeit zur Delfinjagd

Informieren Sie sich über die aktuellen Nachrichten zur Delfinjagd weltweit sowie zu unserer Arbeit, um die Jagden zu beenden.

Unser Einsatz

 

  • Wir klären auf – Mit wissenschaftlichen Berichten, Beiträgen auf unserer Website und in den sozialen Medien informieren wir die Öffentlichkeit über die Geschehnisse und Hintergründe der weltweiten Delfinjagden.
  • Wir sensibilisieren – Wir informieren Tourist:innen und Einheimische über mögliche Folgen des Delfinfleisch-Konsums für ihre Gesundheit und die Umwelt.
  • Wir machen uns für die Delfine und Kleinwale stark – Wir sind in wichtigen internationalen Foren präsent und treten für die Reche der Meeressäuger ein. Wir fordern strengere nationale Gesetze für ihren Schutz und zur Eindämmung der Jagden. Außerdem setzen wir uns für ein weltweites Handelsverbot von Wal- und Delfin-Produkten ein.
  • Wir unterstützen – Wir respektieren die Kultur und Mentalität in anderen Ländern und sind überzeugt, dass eine langfristige Veränderung nur von innen heraus gelingen kann. Wir arbeiten deshalb mit lokalen Aktivist:innen und Expert:innen zusammen, um diesen Wandel voranzutreiben und erweitern unsere Netzwerke stetig.

 

 

 

 

Erfolge

 

  • Keine Delfine aus Taiji in Delfinarien – Mit der Unterstützung vieler NGOs weltweit haben wir die World Association for Zoos and Aquariums (WAZA) dazu bewegt, den Kauf von wild gefangenen Delfinen aus Taiji nicht mehr zu unterstützen. Ein wichtiger Teil-Erfolg auf dem Weg zum Ende der Jagd auf Delfine für die Delfinarien-Industrie.
  • Einschränkungen der Jagden auf den Färöer-Inseln – Wir haben dazu beigetragen, dass die Jagd auf bestimmte Arten wie Orcas und Rundkopfdelfine beendet wurde und für Weißseitendelfine eine offizielle Quote eingeführt wurde, die nicht überschritten werden darf.
  • Dokumentation weltweiter Kleinwaljagden – Gemeinsam mit ProWildlife haben wir einen umfassenden Bericht über die weltweiten Jagden und deren Hintergründe zusammengestellt und damit eine wichtige Grundlage für Aufklärungsarbeit und Forderungen an Politiker:innen geschaffen.
  • Schutzprojekte mit lokalen Organisationen – Wir unterstützen lokale Organisationen in Kolumbien, Bolivien und Peru beim Schutz der Amazonas-Flussdelfine. Außerdem hat WDC in der Vergangenheit mit Menschen in Senegal zusammengearbeitet, um die stark bedrohten Kamerunflussdelfine zu schützen. Durch Bildungsarbeit und politisches Engagement steigen das Bewusstsein für die Situation der Delfine und offizielle Bemühungen gegen die Jagden in den jeweiligen Regionen.

 

Das können Sie tun

Verzichten Sie auf Ihrer Reise auf den Verzehr von Delfinfleisch oder den Kauf von Produkten, die aus getöteten Meeressäugern hergestellt wurden. Informieren Sie Ihre Familie und Bekannten über das unglaubliche Leid, das Delfine im Rahmen der Jagd ertragen müssen. Sprechen Sie über die fatalen Auswirkungen, die die Delfinjagd auf das Ökosystem Meer hat. Unterstützen Sie auf Ihren Reisen verantwortungsbewusste Delfin-Beobachtung und zeigen Sie damit, dass Delfine lebendig mehr wert sind als auf dem Teller.

Unterstützen Sie die Arbeit von WDC. Gemeinsam beenden wir die Delfinjagd!