Walfang in Japan

Japan tötet bis heute Wale und missachtet das Verbot für kommerziellen Walfang.

Am 26. Dezember 2018 verkündete Japan seinen Austritt aus der Internationalen Walfangkommission, um offiziell wieder mit der kommerziellen Waljagd zu beginnen. Der „Wissenschaftswalfang“ in der Antarktis und dem Nordpazifik soll eingestellt werden. Stattdessen sollen vor der Küste und innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone („200-Meilen-Zone) Japans Sei-, Zwerg-, und Brydewale gejagt werden.

Mit dem Ende der Waljagd in der Antarktis und den internationalen Gewässern des Nordpazifik hofft Japan, sich der internationalen Kritik zu entziehen. Mit dem Verlassen der IWC wird Japans Plan, den kommerziellen Walfang ohne internationale Aufsicht wieder offiziell aufzunehmen, in die Tat umgesetzt.

Die Walfanginteressen einer kleinen, aber einflussreichen Walfanglobby warden ohne Rücksicht auf die Interessen der japanischen Bevölkerung durchgesetzt.

Japans Walfang – die Fakten

Bisher fand Japans Walfang unter dem Deckmantel der „Forschung“ statt – mit selbst auferlegten Quoten. In der Saison 2017/2018 wurden

  • 85 Zwergwale in den Küstengewässern Japans getötet.
  • 43 Zwergwale und 134 Seiwale im Nordpazifik gejagt.
  • 333 Antarktische Zwergwale im Rahmen des Walfangprogramms im Südpazifik getötet.

Über 95% der weiblichen, geschlechtsreifen Zwergwale, die in der Antarktis erlegt wurden, waren schwanger.

Am 26. Dezember 2018 verkündete Japan seinen Austritt aus der IWC und hat ab Juli 2019 den kommerziellen Walfang wieder offiziell aufgenommen. Die Walfänger*innen machen Jagd auf Zwerg-, Bryde- und Seiwale. Die Jagd soll ganzjährig erlaubt sein, bis die Quoten erschöpft sind.

Whaling in Japan

Der Japanische Walfang heute

Japan kann nur für Walfang in kleinem Stil traditionelle Wurzeln nachweisen, die mehrere Jahrhunderte zurückreichen. Tatsächlich begann das Land jedoch erst in den 1940er Jahren, Wale im kommerziellen Stil zu bejagen, da die Proteinversorgung nach dem Zweiten Weltkrieg knapp war.

Der Walfang hat nicht mehr die Ausmaße, die er vor der Einführung des kommerziellen Walfangverbots hatte. Doch nach Japans Austritt aus der IWC und der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs im Juli 2019 ist die Zukunft der Wale ungewiss.

Japans Fischereiministerium hat für die Saison 2019 eine Quote von 52 Zwergwalen, 187 Brydewalen und 25 Seiwalen genehmigt.

Der "wissenschaftliche" Walfang

Die Internationale Walfangkommission (IWC) untersagte im Jahre 1982 den kommerziellen Walfang für alle großen Walarten, das Verbot trat 1986 offiziell in Kraft. Im Anschluss legte Japan gemeinsam mit Norwegen und der damaligen UDSSR Widerspruch gegen das Moratorium ein, und war daher nicht an das Verbot gebunden. Japan fing auf Grund dieses Widerspruchs mehr als 5.500 Wale innerhalb der ersten drei Jahre nach Inkrafttreten des Verbots, wurde durch politischen Druck jedoch dazu gezwungen, den Widerspruch im Jahre 1988 zurückzuziehen. Japan ist daher nun an das Verbot des kommerziellen Walfangs gebunden.

„Wissenschaftlicher“ Walfang ist durch die IWC ausdrücklich erlaubt. Artikel VIII der Konvention besagt zudem, dass „alle Wale, die im Rahmen einer wissenschaftlichen Fangerlaubnis getötet wurden, so weit wie möglich verwertet werden sollen.“

Eine Bejagung im großen Stil war von den Verfasser*innen des Artikel VIII natürlich nie geplant.

Antarctic minke whale

Der Missbrauch des wissenschaftlichen Walfangs durch Japan steht eindeutig im Widerspruch zum Geist des Moratoriums und dem Willen der IWC. Die Kommission hat in den vergangenen Jahren mehr als 40 Resolutionen verabschiedet, die den Wert und die Notwendigkeit von wissenschaftlichen Walfangprogrammen in Abrede stellen und Japan dazu aufrufen, keine Wale für „wissenschaftliche“ Zwecke zu töten. Resolutionen sind Mehrheitsentscheidungen innerhalb der IWC. Japan ignoriert jedoch alle Resolutionen zum wissenschaftlichen Walfang und sieht sich nicht an diese gebunden.

Im Jahr 1988 begann Japan mit dem wissenschaftlichen Walfang - direkt nachdem es seinen Einspruch vollständig zurückgezogen hatte.

1994 wies die IWC ein Walschutzgebiet im Südpolarmeer aus, in dem Walfang verboten ist. Japan stellte seine Jagden in der Antarktis jedoch nicht ein und erhob Einspruch gegen das Schutzgebiet. Im selben Jahr begann Japan auch sein „wissenschaftliches“ Walfang-Programm im Nordpazifik.

Die IWC forderte eine Überprüfung der wissenschaftlichen Genehmigungen durch den Wissenschaftsausschuss. Doch im Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Bewertungen ist dieser alles andere als unabhängig – vor allem vor dem Hintergrund, dass die Gutachter*innen teilweise auch die Verfasser*innen der Genehmigung sind. Dazu gehören auch Mitarbeiter*innen des Instituts für Walforschung (ICR), das die Jagden in Japan überwacht und die „Forschung“ leitet. Hier besteht ein klarer Interessenskonflikt, da das ICR Fleisch aus den Jagden verkauft und somit von der Ausweitung der „Forschungsprogramme“ finanziell profitiert.

Nach dem Austritt Japans aus der IWC gab das Land schießlich bekannt, den wissenschaftlichen Walfang einzustellen und stattdessen wieder kommerziellen Walfang in eigenen Gewässern zu betreiben.

Japans Küstenwalfang

Das Moratorium von 1982 führte offiziell zu einem Ende des kommerziellen Walfangs in Japan. Seit 1986 argumentiert Japan jedoch mit dem Bedarf seiner „Small Type Coastal Whaling“ (STCW) Gemeinden in Abashiri, Ayukawa, Wada und Taiji. Die japanische Regierung behauptet, dass diese Städte eine lange Walfang-Geschichte haben und von der Jagd auf Zwergwale in ihren Gewässern abhängig sind.

Dort werden sogenannte „Small Type Whaling Operations“ betrieben. Dabei handelt es sich um eine Art des Walfangs, bei dem kleine Boote zum Einsatz kommen und die Jagd nur einen Tag dauert. Zusätzlich führt Japan an, dass das Verbot der IWC für die Jagd auf Zwergwale zu einem Zerfall der Kultur und finanziellen Nöten in den betroffenen Städten führt und dass die IWC diese Probleme nur durch eine Erlaubnis für die Zwergwaljagd lösen kann. Im Rahmen des derzeitigen „STCW“ in Japan werden Baird-Schnabelwale, Rundkopfdelfine und Pilotwale gefangen.

Risso's dolphin
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Eine subventionierte Industrie

Die japanische Regierung erteilte dem Institut für Walforschung (ICR) Genehmigungen für den „wissenschaftlichen“ Walfang. Das Institut schloss Verträge mit dem Walfang-Unternehmen „Kyodo Senpaku“ ab, um an Schiffe und Besatzung zu gelangen. Die ICR gab die Produkte der Jagden zweimal jährlich an „Kyodo Senpaku“ weiter, um sie für einen vom ICR und dem Ministerium für Fischerei festgelegten Preis an den Großhandel, weiterverarbeitende Unternehmen und lokale Behörden zu verkaufen. Der primäre Zweck des Verkaufs war es, die Kosten für Walfang und Forschung zu decken.

Die niedrige Gewinnmarge aus dem Verkauf von Walfleisch reichte nicht aus, um die Kosten des „wissenschaftlichen“ Walfangs zu decken. Ohne staatliche Subventionierungen für die „Forschung“ hätte das Walfangprogramm nicht weitergeführt werden können.

WDC-Bericht Wal im Ausverkauf

Weitere Informationen zu Japans Walfang und Handel mit Walprodukten:

Stimmenkampf in der IWC

Um seinen Willen bei der IWC durchzusetzen, hatte Japan in den letzten Jahren eine Reihe von Ländern rekrutiert, die kein echtes Interesse am Walfang haben. Mit dieser Taktik versuchte Japan, seine Interessen zu stützen und genug Stimmen gegen das Verbot des kommerziellen Walfangs zu erhalten.

Die Zahl der IWC-Mitgliedsstaaten ist in den letzten Jahrzehnten stetig angestiegen. Momentan sind 88 Länder verzeichnet, die sich recht gleichmäßig in Befürworter*innen und Gegner*innen des Walfangs aufteilen. Um das Moratorium zu Fall zu bringen, wird eine Dreiviertel-Mehrheit der IWC benötigt. Die Pro-Walfang-Nationen haben diese Macht nicht, aber das Risiko eines Kompromissvorschlags oder Deals, der das Moratorium gegen Zugeständnisse Japans im Rahmen seines „wissenschaftlichen“ Walfangs aufweicht, blieb trotzdem bestehen.

WDC hat alle bisherigen Kompromissvorschläge der letzten Jahre abgelehnt und eng mit den Walschutzländern gearbeitet, um das Walfangverbot zu erhalten. Eine Aufhebung des Walfangverbotes würde sehr wahrscheinlich auch dazu führen, dass das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) den Handel mit Walprodukten wieder erlaubt.

Öffentliche Unterstützung für Japans Walfang

Der kommerzielle Walfang hat in Japan keine lange Tradition. Der Verzehr von Walfleisch wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg üblich. In den ersten Jahren nach dem Krieg bestand 46% des gesamten Fleischkonsums aus Walfleisch, heute ist der Konsum auf einen Anteil von nur 2% zurückgegangen. Durchschnittlich nehmen Japaner*innen nur 23,7 Gramm Walfleisch pro Jahr zu sich.

Eine Umfrage aus dem Jahr 2012 kam zu dem Ergebnis, dass 88 % der Japaner*innen innerhalb des letzten Jahres kein Walfleisch gekauft hatten. Nur 27% der Befragten sprach sich für den Walfang aus.

Das können Sie tun

Schreiben Sie einen Brief an die japanische Botschaft und lassen Sie die zuständigen Personen wissen, dass Sie sich gegen den Walfang aussprechen. Erfahrungsgemäß werden Briefe eher beachtet als E-Mails. Bitte formulieren Sie ihr Anliegen höflich und sachlich.

Botschaft von Japan
Hiroshimastraße 6
10785 Berlin

Tel. (0 30) 210 94-0
Fax (0 30) 210 94-222

E-Mail
Deutsch/English:
info@bo.mofa.go.jp

Walfang in Japan
Walfang in Japan (C) Mark Votier

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