Warum werden Grindwale auf den Färöer Inseln gejagt?
Bei der Grindwal-Jagd auf den Färöer Inseln wurden in diesem Jahr bereits 340 Individuen getötet. Ein Ende dieser Jagden kann es aus unserer Sicht nur geben, wenn eine Wertschätzung für Wale innerhalb der beteiligten färöischen Gemeinden entsteht. Dafür setzen wir uns ein! Aber um ein Umdenken herbeizuführen, müssen wir zunächst verstehen, welche Rolle Wale, Delfine und die Jagd vor Ort spielen.
Die Grindwal-Jagd, auch bekannt als "Grindadráp" oder "Grind" findet seit mehr als 1.200 Jahren statt und umfasst heute die Jagd und Tötung von mehr als 900 Grindwalen pro Jahr. Die diesjährigen Jagden begannen am 4. Mai und bisher verloren dabei 340 Individuen ihr Leben. In den letzten Jahren gerieten zunehmend auch andere Delfinarten ins Visier, wobei die größte Jagd am 12. September 2021 stattfand. An diesem Tag starben mehr als 1.400 Atlantische Weißseitendelfine.
Auch wenn die färöischen Jagden sich vom kommerziellen Walfang unterscheiden, lässt der große Verlust dieser emotionalen, intelligenten und für das Ökosystem wichtigen Lebewesen unsere Herzen bluten.
Konkrete Veränderungen herbeiführen
Das Grindadráp gehört zur färöischen Identität und nährt das Gemeinschaftsgefühl der Inselbewohner:innen, so dass jede noch so große Empörung von außen regelrecht an ihnen abprallt; oder sich ins Gegenteil verkehrt: Die Verurteilung durch Außenstehende eint die Jagdgemeinschaft oft noch stärker und festigt uralte Traditionen. Unser Ziel ist es, die Wertschätzung und das Verständnis für Wale und Delfine auf den Färöer Inseln zu fördern, damit Einzelpersonen und später ganze Gemeinschaften sich eines Tages eher als Hüter:innen der faszinierenden Meeressäuger sehen, die Teil ihrer wunderschönen Inselheimat sind.
Dazu müssen wir zunächst die soziale und emotionale Bindung zwischen den färöischen Gemeinden und den traditionellen Grindwal-Jagden sowie den neueren Delfin-Jagden verstehen. Wenn wir wissen, wie sich die Wahrnehmungen im Laufe der Jahre verändert haben, können wir uns auf den Färöern für den Schutz dieser unglaublichen Lebewesen einsetzen. Dazu haben wir eine Umfrage entwickelt.
Diese Umfrage ergab, dass 46 Prozent der Inselbewohner:innen noch nie an der Jagd teilgenommen haben, und dass diejenigen, die daran teilnehmen, dies in erster Linie aus Gründen der Nahrungsbeschaffung tun. Grindwal-Fleisch war einst eine wichtige Nahrungsquelle und so ist es vielleicht nicht überraschend, dass 89 Prozent der Färinger:innen Grindwale – wie Menschen in anderen Kulturkreisen Schweine oder Rinder – als Nahrung betrachten.
Jagd und Verzehr von Grindwalen werden als nachhaltiger und natürlicher angesehen als die Massentierhaltung. Allerdings landen nur 54 bis 60 Prozent des Gesamtgewichts eines getöteten Grindwals tatsächlich auf dem Teller – das Fleisch und der Speck des Wals. Außerdem werden einige Individuen, die während der Treibjagden als Teil der Gruppe getötet werden, als zu klein oder zu krank angesehen, um gegessen zu werden – und werden "entsorgt".
Während die öffentliche Meinung zeigte, dass die Grindwal-Jagd immer noch eine kulturelle Bedeutung hat, gaben 40 Prozent der Menschen an, dass sie sich von einem Verbot der Wal- und Delfin-Jagd nicht betroffen fühlen würden. Außerdem spielten die Delfin-Jagden laut Umfrage-Ergebnissen keine wichtige Rolle, da sie nicht als traditionell gelten – sie finden erst statt, seit es schnellere Boote gibt, die mit den Delfinen mithalten können. Dies sollte uns allen Hoffnung geben, dass zumindest die Jagd auf Delfine eines Tages ein Ende haben werden.
Schritt zwei: Überzeugen
Am interessantesten fanden wir, dass 40 Prozent derjenigen, die der Meinung sind, dass die Grindwal-Jagd verboten werden sollte, sich in ihrer Meinung bestärkt fühlen würden, wenn sie wüssten, dass andere Färinger:innen genauso denken. Dies deutet darauf hin, dass einige Färinger:innen nicht das Gefühl haben, sich in ihrer Gemeinde gegen die Jagd aussprechen zu können – oder dass sie diese nur deshalb unterstützen, weil sie glauben, dass der Rest ihrer Gemeinde dies auch tut. An dieser Stelle kommen wir ins Spiel.
Wie auch in Island, Japan und Norwegen wollen wir diesen Menschen eine Stimme geben, damit sie echte Veränderungen bewirken können. Wir lassen uns dazu von den Grindwalen selbst inspirieren – hoch soziale und einfühlsame Wesen, die die Gemeinschaft über ihre Individualität stellen. Sie lehren uns eine wichtige Lektion: Wir müssen uns vereinen und nicht spalten. Wir werden also die Jagd nicht einfach verurteilen, sondern stattdessen ausschließlich positive Botschaften verbreiten. Zum Beispiel darüber, wie faszinierend Wale und Delfine sind, welche wichtige Rolle sie in den Meeresökosystemen spielen und wie sie uns im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise zur Seite stehen. Wir werden die Färinger:innen, die gegen die Jagd sind, dabei unterstützen, eine Gemeinschaft aufzubauen. Eine Gemeinschaft, die Wale nicht als endlose Ressource betrachtet, sondern sie als faszinierende, intelligente, empfindsame und emotionale Klimahelden liebt und schätzt. Es sind diese Menschen – nicht wütende Stimmen von außerhalb – die letztendlich ein Ende der Jagden einleiten werden.
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