Zum Inhalt springen
Treibjagd in der Bucht von Taiji. © Hans-Peter Roth und Marna Olsen
Alle Blogbeiträge
  • Alle Blogbeiträge
  • ASCOBANS
  • Beifang
  • CBD
  • CITES
  • CMS
  • Delfinarien
  • Delfinarien Deutschland
  • Delfinjagd
  • High Seas Treaty
  • IWC
  • Jagd Färöer-Inseln
  • Jagd in Island
  • Jagd in Japan
  • Jagd in Norwegen
  • Jagd in Taiji
  • Meeresschutz
  • Plastik
  • Projekte
  • Schweinswalschutz
  • UNFCCC
  • Walbeobachtung
  • Wale & Klimaschutz
  • Walfang
Norwegen Kulisse mit Sonne

Ungewisse Zukunft für Norwegens Walfang?

Lottie Pearson Lottie ist Teil des Policy-Teams bei WDC und koordiniert die Arbeit zur Beendigung...
Stellnetz unterwasser

Beifang von Schweinswalen: Wo Deutschland nachbessern muss

Marine Prestien Marine arbeitet bei WDC zum Thema Meeresschutzgebieten in der Nord- und Ostsee sowie...
Eine Gruppe Orcas an unruhiger Wasseroberfläche; im Hintergrund Fischerboote

Orca-Interaktionen vor Gibraltar

WDC DeutschlandWhale and Dolphin Conservation (WDC) ist die weltweit führende gemeinnützige Organisation, die sich dem...
Der Körper eines Finnwals auf einem isländischen Hafengelände, mehrere Menschen stehen um ihn herum.

Wie lange dauert es, einen Wal zu töten?

Luke McMillan Luke ist bei WDC verantwortlich für die strategische Entwicklung und Leitung von Kampagnen...

Japanische Delfin-Populationen vor dem Kollaps?

Katrin Matthes

Katrin Matthes

Katrin setzt sich im internationalen Policy-Team von WDC dafür ein, den kommerziellen Walfang und Kleinwaljagden zu beenden. Ihr Fokus liegt dabei auf Japan.

Jedes Jahr richtet sich der Blick vieler Tierschützer:innen auf die kleine japanische Küstenstadt Taiji. Hier finden zwischen September und März Delfin-Treibjagden statt. Auch in der Saison 2025/2026 konnten wir die Ereignisse durch Beiträge und Berichte von Menschen vor Ort aufmerksam mitverfolgen.
Die Fangzahlen bleiben auf vergleichsweise niedrigem Niveau – auch andernorts in Japan. Aber ist das wirklich Grund zur Freude oder vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Delfin-Jagden in Japan die Belastbarkeit der Populationen längst überschritten haben?

Die eigentliche Jagdsaison für Delfine in Taiji endete Ende Februar. Nur Pilotwale dürfen noch bis Ende April gejagt werden. Bisher sind laut Berichten von vor Ort 393 Delfine für ihr Fleisch getötet und 84 Delfine (81 davon Große Tümmler) für den Verkauf an die Unterhaltungsindustrie lebend gefangen worden. Dazu kommen zahlreiche Individuen, die während oder im Nachgang der Ereignisse an Schock oder Verletzungen sterben, Fehlgeburten erleiden oder durch das Wegbrechen wichtiger Familienmitglieder langfristig nicht überleben können. Die Dunkelziffer liegt daher wahrscheinlich immer weit über dem, was überhaupt dokumentiert werden kann.

Die Quote von insgesamt 1814 Individuen wurde also nur zu etwas mehr als einem Viertel ausgereizt, von vier der neun freigegebenen Spezies wurde kein einziger Delfin gefangen. Auf den ersten Blick eine positiv erscheinende Bilanz, aber die Situation ist komplexer.

Diagramm stellt die tatsächlich gefangene Anzahl einer Delfin- bzw. Wal-Art im Verhältnis zur Quote aus der Saison 2025/2026 dar; aufgeführt sind neun verschiedene Arten
Die Fangschätzungen zu den einzelnen Delfin- und Kleinwal-Arten liegen deutlich unter den zugelassenen Quoten. © Katrin Matthes/WDC
Ein kontinuierlicher Abwärtstrend

2018/19, also in der letzten Saison vor der Corona-Pandemie, lag die Gesamtfangquote für die Präfektur Wakayama (Taiji) noch bei 2047 Individuen, die mit 797 für Fleischproduktion oder den Lebendverkauf gefangenen Delfine nicht einmal zur Hälfte umgesetzt wurde. Allein für Große Tümmler galt eine Quote von 414 Individuen, von denen schließlich 179 gefangen wurden. In der vergangenen Saison lag die Quote für diese Art nur noch bei 263 Individuen – obwohl Große Tümmler von der Unterhaltungsindustrie besonders stark nachgefragt sind.

Auch andernorts in Japan zeigt sich ein ähnliches Bild – wie zum Beispiel in den Präfekturen Iwate und Miyagi, wo zu Hochzeiten über 25.000 Weißflankenschweinswale pro Saison getötet wurden. Bis vor wenigen Jahren waren es immer noch mehrere Tausend Weißflankenschweinswale, die jedes Jahr ihr Leben in den Jagden verloren. In der jüngsten Saison lag die Quote mit über 7.000 Individuen zwar immer noch auf hohem Niveau, gefangen wurden jedoch nur 341 Individuen.

Warnungen aus den eigenen Reihen

Natürlich wäre es schön, wenn sinkende Fangzahlen ausschließlich auf sinkende Nachfrage und erfolgreiches Drängen auf mehr Umwelt- und Tierschutzbemühungen zurückzuführen wären. Leider liegt aber die Vermutung nahe, dass die jahrzehntelange Bejagung und die wachsenden zusätzlichen Bedrohungen durch die Menschen viele Delfin-Populationen an ihre Belastungsgrenzen gebracht haben.

Am Beispiel der Großen Tümmler lässt sich besonders gut erklären, warum:

Für den Verkauf an die Delfinarien werden junge, weibliche Delfine bevorzugt. Über Jahrzehnte hinweg wurden also nicht nur in Summe viele Große Tümmler aus marinen Ökosystemen entfernt, sondern darüber hinaus auch das Geschlechterverhältnis stark beeinflusst. Beide Faktoren, weniger Individuen insgesamt und weniger Weibchen, schränken die Fortpflanzungsfähigkeit und vor allem die genetische Vielfalt der Populationen ein. Weniger genetische Vielfalt bedeutet langfristig eine geringere Resistenz gegenüber negativen Umwelteinflüssen oder Krankheiten und mindert die Anpassungs- und Überlebensfähigkeit der Populationen insgesamt. Durch die geringere Anzahl an Weibchen werden also weniger junge Große Tümmler geboren, die zudem weniger widerstandsfähig sind. Dazu kommen zahlreiche ungeborene Delfin-Babys, die gemeinsam mit ihren Müttern im Rahmen der Jagd ihr Leben verlieren, ehe es überhaupt richtig begonnen hat.

In einem Interview aus dem Jahr 2024 berichtet eine ehemalige Delfin-Trainerin aus Taiji, dass selbst diejenigen, die Jagd auf die Delfine machten, schon seit langem davor warnen, dass man bald keine Großen Tümmler mehr finden würde. Infolgedessen wurden weitere Spezies zur Jagd freigegeben. Allerdings zeigen die Fangstatistiken, dass sich die Jagd weiterhin auf wenige Arten konzentriert und für den Verkauf an die Unterhaltungsindustrie beinahe ausschließlich Große Tümmler ins Visier genommen werden.

Ausgewählte Delfine werden in abgetrennten Meeresgehegen für den Verkauf an Delfinarien gehalten. © Hans Peter Roth
Ausgewählte Delfine werden in abgetrennten Meeresgehegen für den Verkauf an Delfinarien gehalten. © Hans Peter Roth
Rätselhafte Untersuchungen

Während der Jagden in Taiji ist immer wieder zu beobachten, dass einige Delfine mit Farbe oder kleinen Tags an der Rückenflosse markiert werden. In dieser Saison haben wir jedoch erstmals beobachtet, dass Tags zur Datenaufzeichnung angebracht wurden. Obwohl es schonende Befestigungsmethoden gibt, wurde in Taiji ein Modell genutzt, bei dem zur Befestigung durch das Gewebe der Rückenflosse gestochen werden muss. Das Anbringen war demnach nicht nur mit extremem Stress und Panik, sondern sehr wahrscheinlich auch mit Schmerzen verbunden. Wir fragen uns: Warum musste man die ohnehin traumatische Situation für die sensiblen Meeressäuger mit der Wahl einer so schlechten Befestigungsmethode noch weiter verschlimmern?

Das Tagging mit Geräten zur Datenaufzeichnung konnten wir nur bei Breitschnabeldelfinen beobachten – eine Art, von der häufig größere Gruppen gefangen und zur Fleischproduktion geschlachtet werden. Während dieser Saison haben wir dreizehn erfolgreiche Treibjagden von Breitschnabeldelfinen verzeichnet. Bei fünf von diesen Jagden war zu beobachten, dass die Gruppen in irgendeiner Form untersucht oder möglicherweise markiert wurden und anschließend wieder freigelassen wurden - bei einer dieser Untersuchungen konnte das Anbringen der besagten Tags zur Datenaufzeichnung dokumentiert werden.

Das könnte darauf hindeuten, dass wissenschaftliche Untersuchungen stattfinden – möglicherweise zu bevorzugten Gebieten oder Wanderrouten. Ob dies jedoch ein Zeichen dafür ist, dass Entscheidungsträger:innen die Situation ernster nehmen und beginnen, die Stabilität der Populationen zu untersuchen, ist derzeit unklar. Wir versuchen gemeinsam mit Partner:innen in Japan, mehr darüber herauszufinden.

An den Rückenflossen zweier Delfine sind Sender befestigt
An den Rückenflossen dieser Breitschnabeldelfine wurden Sender befestigt – eine schmerzhafte und stressige Prozedur für die Meeressäuger. © Kunito Seiko
Mehrere Delfine tragen Sender an ihrer Rückenflosse
Breitschnabeldelfine werden zur Fleischproduktion gejagt. Die Gruppe dieser markierten Individuen wurde aber wieder freigelassen. © Kunito Seiko
Mehr Jagden trotz schrumpfender Populationen?

Während vielerorts Fangzahlen und Quoten sinken, gibt es gleichzeitig auch eine andere Entwicklung:

In der Präfektur Shizuoka wurden jüngst neue Lizenzen für Delfin-Jagden ausgestellt, die ab diesem Jahr und zunächst für drei Jahre gültig sind und den Fang von 39 Individuen aus verschiedenen Arten erlauben.

Die Region Futo in Shizuoka war früher ebenfalls ein Zentrum der Delfin-Jagd. Bis Anfang der 2000er Jahre wurden dort Delfine gefangen und viele, ähnlich wie in Taiji, an Delfinarien verkauft – ein äußerst lukratives Geschäft. Ein ehemaliger Delfin-Jäger hat damals maßgeblich dazu beigetragen, dass die Praxis schließlich ein Ende fand, da sich dank seines Engagements immer mehr Augen auf die dortigen Geschehnisse richteten und die Kritik an den grausamen Jagden immer größer wurde. An anderer Stelle heißt es aber auch, es habe einfach nicht mehr genügend Delfine gegeben.

Ob die neuen Lizenzen tatsächlich genutzt werden, ist derzeit noch unklar. Ebenso offen ist die Frage, zu welchem Zweck mögliche Jagden stattfinden würden – für lokalen Fleischkonsum oder erneut für den internationalen Handel mit Delfinarien? Angesichts der geringen Quote bleibt uns schleierhaft, inwiefern sich die Wiederaufnahme der Jagd dort überhaupt rentieren würde.

september-09-delfinjagd-japan-batch-5_194

Können Sie unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen?

Die Zeit drängt

Nach Jahrzehnten intensiver Jagd stehen die Delfin-Populationen in japanischen Gewässern unter Druck – nicht nur durch die Jagd selbst, sondern auch durch weitere menschengemachte Bedrohungen wie Fischerei, Umweltverschmutzung oder die Auswirkungen des Klimawandels. Gleichzeitig gibt es kaum fundierte Untersuchungen und Informationen zur Struktur und Überlebensfähigkeit diverser Delfin-Populationen – eine gefährliche Kombination!

Vor diesem Hintergrund wird immer deutlicher: Um den langfristigen Zusammenbruch einzelner Populationen zu verhindern, sollte kein einziger Delfin mehr gefangen werden.

Die Entwicklungen der letzten Jahre könnten ein Warnsignal sein. Sinkende Fangzahlen müssen nicht bedeuten, dass sich die Situation verbessert. Sie können ebenso ein Hinweis darauf sein, dass die Grenzen der Natur bereits erreicht – oder sogar überschritten – wurden.

Für uns bei WDC bleibt deshalb die zentrale Aufgabe: weiter hinschauen, dokumentieren, informieren und uns dafür einsetzen, dass die Zukunft dieser hochintelligenten Meeressäuger nicht von kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen bestimmt wird. Wir setzen uns gemeinsam mit Tierschützer:innen vor Ort für ein Ende der Delfinjagden ein und arbeiten auf politischer Ebene daran, dass Delfine besser geschützt werden.

Wussten Sie...

... dass lebende, trainierte Delfine für Summen zwischen 25.000 und 85.000 Euro an Delfinarien aus aller Welt verkauft werden?

Folgen Sie WDC auf Social Media!

Folgen Sie WDC auf Social Media!

Mehr Nachrichten

Lesen Sie weitere News und Blogs aus der Welt der Wale und Delfine.

1 Kommentar

  1. Veröffentlicht von Sara am 21. März 2026 um 2:02 a.m.

    Es ist unvorstellbar wie in der heutigen Zeit nach all dem Wissen über den Lebensraum der Wale und Delfine, die Reichweite, die sie mit ihren Familien zurücklegen, die Jagd immer noch aufrecht erhalten wird/ von Behörden, Ländern gebilligt bzw unterstützt wird! Die Zahlen sind erschreckend und das Vorgehen nicht nachvollziehbar!!! Es gibt kein Argument, was rechtfertigt, diese Tiere derart zu quälen, abzuschlachten und hieraus auch noch Profit zu schlagen, bei Verkauf an Delfinarien, des Fleisches. Es ist ein Albtraum zu sehen, dass immer noch dieses grausame Vorgehen geduldet und hingenommen wird! Das muss endlich aufhören, dazu ist jeder gefragt; keine Besuche von Delfinarien, Shows, Kauf des Fleisches und keine Verharmlosung mehr dieses Vorgehens!!!
    DANKE für Eure tolle Arbeit, TierschützerInnen, und den unermüdlichen Einsatz!

Hinterlassen Sie einen Kommentar