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US-Behörde will Walschutz schwächen

stark verletzter Wal aus der Luft fotografiert
Schwer verletzter Nordkaper © EcoHealth Alliance, NOAA Permit #594-1759

Die US-Behörde NOAA hat am 4. März 2026 eine Vorankündigung zur Überarbeitung der bestehenden Regelung gegen Schiffskollisionen veröffentlicht – und stellt darin erstmals die Notwendigkeit der seit 2008 geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen im Lebensraum der Nordatlantischen Glattwale offen infrage. Dabei zeigen wissenschaftliche Studien eindeutig: Langsamere Schiffe retten Walen das Leben. 

Nordatlantische Glattwale sind vom Aussterben bedroht. Neben dem Verfangen in Fischfanggeräten zählen Zusammenstöße mit Schiffen zu den größten Gefahren für die Art. Besonders gefährdet sind Wal-Mütter und ihre Neugeborenen: Zwischen November und April halten sie sich häufig an der Wasseroberfläche auf – und sind dadurch extrem anfällig für Kollisionen. Die geltende Regelung verpflichtet Schiffe ab 19,8 Metern Länge dazu, ihre Geschwindigkeit in saisonalen Schutzgebieten entlang der US-Ostküste auf maximal zehn Knoten (18,5 km/h) zu reduzieren. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt: Bei langsamer Fahrt sinkt das Risiko tödlicher Kollisionen um bis zu 90 Prozent.

NOAAs Vorschläge: Dynamische Zonen statt bewährter Schutzmaßnahmen

NOAA schlägt nun vor, die festen saisonalen Schutzzonen künftig durch sogenannte "dynamische" Zonen zu ersetzen. Diese würden nur aktiviert, wenn Wale tatsächlich entdeckt werden – etwa durch Sichtungen, akustische Sensoren oder automatisierte Kameras. Die Informationen sollen dann in Echtzeit an Schiffe übermittelt werden. 

Zusätzlich bittet die Behörde die Öffentlichkeit um Einschätzungen zur Effektivität freiwilliger, temporärer "Slow Zones", in denen Schiffe ihre Geschwindigkeit selbstständig reduzieren sollen. 

"Wie kann dieselbe Behörde, die sich einst auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützte, um diese Regelung einzuführen und zu verschärfen, plötzlich ihre Notwendigkeit infrage stellen? Hier geht es um Politik – nicht um Schutzmaßnahmen. Niemand würde Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn aufheben, nur weil moderne Autos über Sensoren für den toten Winkel verfügen. Genauso wenig sollte man eine Regel abschaffen, die Wale und Menschen schützt, nur weil neue Technologien helfen könnten, Wale besser zu erkennen. Technologie kann Schutzmaßnahmen unterstützen – aber sie ersetzt sie nicht."
 
Regina Asmutis-Silvia, Geschäftsführerin von WDC Nordamerika 

Dieses Glattwal-Baby wurde am Kopf durch eine Schiffskollision verletzt. © WDC NA, NOAA permit 24359
Dieses Glattwal-Baby wurde am Kopf durch eine Schiffskollision verletzt. © WDC NA, NOAA permit 24359

Kollisionen gefährden auch Menschen

Seit 2017 wurden mindestens 27 Glattwale durch Schiffskollisionen getötet oder schwer verletzt. Doch nicht nur für Wale sind solche Zusammenstöße gefährlich: Auch Menschen an Bord kleinerer Boote können schwer verletzt werden. In dokumentierten Fällen kam es zu Rissen im Rumpf, beschädigten Propellern oder Motorschäden – in einem Fall sogar mit tödlichem Ausgang für einen Passagier. 

WDC setzt sich für Wal-Mütter ein

WDC hat sich in den vergangenen Jahren intensiv dafür eingesetzt, die bestehenden Schutzmaßnahmen an die veränderte Nutzung der Lebensräume der Glattwale anzupassen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen reichte WDC 2022 und 2023 Dringlichkeitsanträge ein, die NOAA jedoch ablehnte. Eine 2022 vorgeschlagene Verschärfung der Regelung wurde im Januar 2025 vollständig zurückgezogen. Auch ein 2024 organisierter NOAA-Workshop zu technologischen Lösungen blieb bislang ohne veröffentlichtes Ergebnis. 

Totes Nordkaper-Baby mit Verletzungen, die auf eine Schiffskollision hinweisen

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Glattwal-Jungtiere dringend auf Schutz angewiesen

Die Population der Nordatlantischen Glattwale liegt derzeit bei weniger als 400 Individuen – darunter nur etwa 70 fortpflanzungsfähige Weibchen. Nach Jahren des Rückgangs zeigen die Populationszahlen aktuell wieder leichte Erholung: Allein in dieser Saison wurden 22 Jungtiere geboren. Diese Entwicklung macht deutlich, wie wichtig konsequente Schutzmaßnahmen sind. 

Das Team von WDC Nordamerika wird alles daransetzen, diese lebenswichtigen Schutzmaßnahmen zu verteidigen und die Sicherheit der Wale – besonders der Mütter und ihrer Neugeborenen – zu gewährleisten. 

Bitte helfen Sie uns dabei. 

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