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World Ocean Summit in Tokio ©Katrin Matthes
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Zurück in Japan – Teil 3: Japan auf dem Weg zu mehr Meeresschutz?

Katrin Matthes

Katrin Matthes

Katrin setzt sich im internationalen Policy-Team von WDC dafür ein, den kommerziellen Walfang und Kleinwaljagden zu beenden. Ihr Fokus liegt dabei auf Japan.

Mitte März fand in Tokio der Ocean Summit statt. Ein internationales Event, bei dem Stakeholder aus Industrie, Wissenschaft, Politik und NGOs zusammenkommen, die eine Verbindung zum Ozean haben. Angesichts des Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit und des Drucks, unter dem die japanische Fischerei-Industrie steht, genau der richtige Zeitpunkt, um den Schutz von Walen und Delfinen in den Mittelpunkt zu rücken.

Ein Event in Japan, bei dem sich vieles um die Fischerei dreht, ist sicherlich ein denkbar hartes Pflaster für Unterhaltungen über Walschutz oder sogar das Thema Walfang. Trotzdem war meine Teilnahme am Ocean Summit eine sehr wertvolle Erfahrung. Es gab viele Diskussionen, Vorträge, Workshops und immer wieder Gelegenheiten, sich mit anderen Teilnehmer:innen auszutauschen. Und: Ich konnte jede Menge gute Einblicke in die Fischerei-Industrie und die Nachhaltigkeitsbemühungen Japans erlangen.

Was hat das mit Walen und Delfinen zu tun?

Die Teilnahme an diesem Gipfel war aus vielen Gründen wichtig für unsere Arbeit zur Beendigung des Walfangs. Erstens fallen Wale und Delfine in den Zuständigkeitsbereich des Fischereiministeriums, was bedeutet, dass sie als Teil der Fischerei-Industrie verstanden werden. Zweitens hält sich die hartnäckige Propaganda, dass Wale zu viel Fisch fressen würden und für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich seien.

Konferenz-Saal mit Monitoren, Bühne und vielen Teilnehmern
Konferenzsaal des Ocean Summit ©Katrin Matthes
An einem Scheideweg

Das selbsternannte „Land des Meeres“ ist eine der größten Fischereinationen der Welt. In den 1980er Jahren wurden jährlich mehr als 12 Millionen Tonnen Fisch gefangen. Aber die Zeiten haben sich geändert: Auf dem Gipfel erschien überraschend Premierminister Shigeru Ishiba und betonte, dass Japans ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ)* zwar die sechstgrößte der Welt ist, die Fischfänge in den letzten zehn Jahren jedoch stetig zurückgegangen sind. Im Jahr 2022 erreichten sie mit 3,85 Millionen Tonnen einen Rekordtiefstand. Klimawandel, Überfischung, eine alternde Gesellschaft und wirtschaftliche Schwierigkeiten bedeuten, dass die japanische Fischerei-Industrie vor größeren Herausforderungen steht als je zuvor.

*Die AWZ ist eine durch das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) festgelegte Seezone, in der ein souveräner Staat besondere Rechte hinsichtlich der Erforschung und Nutzung der Meeresressourcen hat. Sie ist nicht mit den Hoheitsgewässern zu verwechseln, die sich nur 12 Seemeilen weit erstrecken und dem Staat die volle Souveränität (wie über das Landgebiet) gewähren.

Anzeichen für einen Wandel

Nicht nur der Premierminister, sondern auch weitere Regierungsvertreter:innen aus dem Umwelt- oder dem Außenministerium zeigten sich in ihren Ansprachen sehr besorgt über die Entwicklungen und betonten die Notwendigkeit, die Meere zu schützen, und bekräftigten Japans Verpflichtung, das „30 bis 30”-Ziel zu erreichen, nämlich bis 2030 30 Prozent der nationalen Gewässer zu schützen. Das sind sehr wichtige Botschaften – auch wenn sie sicherlich von der Walfang-Industrie etwas anders interpretiert und genutzt werden als von uns. Der Schutz des Meeres und der seiner Bewohner finden im internationalen Raum, auch in Japan, zunehmend Beachtung in der Öffentlichkeit sowie in Abkommen, Gesetzen und Industrien.

Im Gegensatz zu Wal-Fleisch sind Fisch, Schalen- und andere Meerestiere tatsächlich fester Bestandteil japanischer Esskultur. Fischerei und Verarbeitung bieten nach wie vor Arbeitsplätze, auch wenn die Zahl der Fischer:innen sowie der inländische Konsum rückläufig sind. Der Beruf ist für viele junge Menschen unattraktiv und so stirbt die Fischerei buchstäblich einen schleichenden Tod. Die Industrie steht also stark unter Druck und muss sich revolutionieren, wenn Japan langfristig nicht abhängig von Fleisch-Importen aus anderen Ländern werden will, um den Bedarf an tierischem Protein der Bevölkerung zu bedienen. Nachhaltige Nutzung ist also mehr als nur ein guter Vorsatz – sie ist eine Notwendigkeit, wenn Fisch und andere marine Nahrungsquellen für den menschlichen Konsum gesichert werden sollen. Und hier kommt der Wal-Schutz ins Spiel.

Harpunen-Schütze auf Walfangschiff (C) Mark Votier

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Ein gesunder Ozean braucht mehr Wale, nicht weniger

Wale gelten heute weithin als Schlüsselspezies – sie spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Meeresökosysteme und die Erhaltung der Artenvielfalt. Viele Studien und Untersuchungen haben sich damit beschäftigt und führende Wissenschaftler:innen sind sich einig: Mehr Wale bedeuten mehr Leben im Meer – und auch an Land, denn auf unserem Planeten ist schließlich alles miteinander verbunden. Gelingt es uns, dass wichtige Stakeholder in der japanischen Fischerei-Industrie diese Zusammenhänge endlich anerkennen, wäre das ein unglaublich wichtiger Schritt weg vom Walfang hin zu einem nachhaltig agierenden Japan.

Den Kurs verändern

"Veränderung kann durch einfache Freude entstehen – durch Vergnügen, nicht durch Druck."
Shinobu Namae, Chefkoch

Das sind die Worte von Shinobu Namae, Chefkoch eines mit einem grünen Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants. In seinem Vortrag sprach er darüber, wie wichtig die Gesundheit der Meere für die Gesundheit der Menschen ist und erklärte, wie er nachhaltige Nutzung von marinen Ressourcen in seinem Beruf umsetzt.

Nachdem wir entdeckt hatten, dass in einigen Michelin-Restaurants Wal-Fleisch serviert wird, haben wir uns 2024 an Michelin gewendet. Wir arbeiten nun schon eine Weile mit dem Restaurantführer zusammen und dank seiner neuen Richtlinien sollten gefährdete und vom Aussterben bedrohte Arten sowie solche, die durch internationale Abkommen geschützt sind, für Restaurants, die einen Michelin-Status anstreben, tabu sein. Wir arbeiten auch mit Michelin daran, nachhaltige Veränderungen in Koch- und Gastronomieschulen zu erreichen, damit junge Köch:innen Werte, wie die von Chefkoch Namae, teilen.

Frau steht vor Sponsorenwand des World Ocean Summit in Tokio, Japan
Katrin beim World Ocean Summit in Tokio ©Katrin Matthes
Veränderung im Schulterschluss

Die Worte des Sternekochs passen wunderbar zu dem Ansatz, den wir bei WDC in unserer Arbeit verfolgen. Wir wollen nicht über Druck arbeiten oder Feindseligkeit schüren, sondern andere Perspektiven aufzeigen, gegenseitiges Verständnis schaffen und gemeinsame Ziele erkennbar machen. Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, den Walfang und die Delfinjagden zu beenden und ein nachhaltigeres und umweltfreundlicheres Japan zu schaffen. Und vor allem wünschen wir uns eine Zukunft, in der Wale und Delfine frei und sicher in japanischen Gewässern leben können.

 

Weitere Blogs meiner zweiten Japan-Reihe: 

Zurück in Japan – Teil 1: Bei den Buckelwalen in Okinawa

Zurück in Japan – Teil 2: Auf den Spuren der Wissenschaft

Zurück in Japan – Teil 3: Japan auf dem Weg zu mehr Meeresschutz?

Zurück in Japan – Teil 4: Gemeinsamer Einsatz für Buckelwale in Japan

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