Walfang-Saison in Japan hat begonnen
Die japanischen Walfangschiffe sind zur Jagd ausgelaufen, erste Wale wurden bereits angelandet. Während das Walfang-Unternehmen Kyodo Senpaku Fangmengen von über 2.000 Tonnen plant, finden kleinere Walfangschiffe zunehmend weniger Wale im Küstengebiet.
Die japanische Walfang-Saison hat am 18. April mit dem Auslaufen einiger Walfangschiffe, darunter das Verarbeitungsschiff "Kangei Maru", offiziell begonnen. Es liegt bereits ein Zeitplan darüber vor, wann und wo das Schiff während der diesjährigen Saison für die Entladung der getöteten und zerlegten Wale andocken soll. Zudem sind auch "Besichtigungsveranstaltungen" vorgesehen.
Laut der Yomiuri Shimbun, die am ausführlichsten über den Zeitplan berichtet, sollte sich die Jagd im April zunächst auf Brydewale konzentrieren, bevor anschließend im Norden Zwergwale ins Visier genommen werden und schließlich im Mai im Ochotskischen Meer Finnwale gejagt werden sollen.
Die Anlandung des Walfleischs soll am 7. Juni im Hafen von Sendai und am 27. Juli im Hafen von Shimonoseki stattfinden. Vom 20. bis 21. August ist eine öffentliche Ausstellung im Hafen von Hakata geplant und vom 7. bis 8. November eine weitere im Hafen von Kushiro.
Mit öffentlichkeitswirksamen Events wie diesen soll der Verkauf von Walfleisch angekurbelt werden. Die Nachfrage nach Walfleisch-Produkten ist im gegenwärtigen Japan verschwindend gering, sodass die Walfang-Industrie nur mithilfe staatlicher Subventionen fortgeführt werden kann. Kyodo Senpaku investiert daher jährlich viel Geld in Marketing-Kampagnen, die vor allem die junge Generation an Walfleisch heranführen sollen.
Der Präsident des Walfang-Unternehmens hat Medien gegenüber kürzlich angegeben, in diesem Jahr 2.100 Tonnen Walfleisch anlanden zu wollen. Im vergangenen Jahr lag die Ausbeute von Kyodo Senpaku bei 1.500 Tonnen Walfleisch – und blieb damit deutlich hinter seinen eigenen Zielvorgaben (2.500 Tonnen) zurück.
Die Walfang-Saison läuft bis Ende November, im Dezember soll das Schiff in den Hafen von Shimonoseki zurückkehren.
Küstenwalfänger:innen auf der Suche nach Walen
Für lokale Walfänger:innen lief die Saison scheinbar schleppend an: Es dauerte fast zwei Wochen, ehe am ersten April in der Nemuro-Meerenge mit zwei Zwergwalen die ersten Fänge verzeichnet werden konnten.
Außerdem fing ein Schiff des Walfang-Unternehmens Sotobô aus Ayukawa am selben Tag etwa 80 Kilometer vor der Küste der Präfektur Aomori ganz im Norden der Hauptinsel einen 1,2 Tonnen "schweren" Zwergwal. Dieser wurde lokal angelandet und schließlich auf dem Landweg rund 400 Kilometer weit nach Ayukawa transportiert und dort zerlegt.
"Der Fang eines so kleinen Zwergwals wirft nicht nur in punkto Nachhaltigkeit gravierende Fragen auf, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht: Die verwertbare Fleischmenge eines so kleinen Wals ist vergleichsweise gering, während Aufwand und Kosten – etwa für den weiten Transport an Land – erheblich sind. Dass Wale zunehmend weiter nördlich gesucht werden müssen, deutet zudem darauf hin, dass ihr Lebensraum sich verschoben, möglicherweise sogar verkleinert hat – ein Warnsignal, das nicht ignoriert werden darf!"
Katrin Matthes, Leiterin der Japan-Arbeit bei WDC
Wandel von innen
Trotz wachsender globaler Kritik steht nur ein kleiner Teil der japanischen Bevölkerung dem Walfang im eigenen Land kritisch gegenüber. WDC arbeitet daher intensiv an der Ausweitung eines Netzwerks von Verbündeten in Japan und unterstützt lokale Forschungs- und Schutzprojekte zu Walen und Delfinen im Land. Mit Partner:innen vor Ort setzt sich WDC zudem dafür ein, die japanische Bevölkerung über die Bedeutung der Wale für stabile Ökosysteme und einen gesunden Planeten aufzuklären.
Internationale Petition gegen Walfang
WDC verteidigt darüberhinaus auf internationaler Ebene das von Japan, Norwegen und Island untergrabene Walfangverbot der Internationalen Walfangkommission IWC und hat erst kürzlich gemeinsam mit diversen internationalen NGOs eine Koalition ("End Commercial Whaling Coalition") gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, den kommerziellen Walfang endgültig zu beenden. Zu diesem Zweck hat die Koalition eine Petition ins Leben gerufen, die bei der nächsten Konferenz der IWC präsentiert werden soll: Jede Unterschrift macht die weltweite Unterstützung sichtbar und erinnert die Entscheidungsträger:innen daran, dass Wale keine Ressource sind.
Setzen Sie mit uns ein Zeichen gegen den Walfang!
Hintergrundinformationen
Der Walfang in Japan findet im kleineren, lokalen Rahmen (dem sogenannten "Small Type Coastal Whaling", STCW) sowie in Form des großangelegten, industriellen Walfangs statt. Beim Küsten-Walfang werden an verschiedenen Orten Japans in erster Linie Schnabelwale und Zwergwale gejagt. Der industrielle Walfang wiederum wird von einer Walfang-Flotte durchgeführt, die mehrere Tage bis Wochen in den japanischen Gewässern Jagd auf große Wale wie Seiwale, Finnwale und Brydewale macht. Teil der Flotte ist ein Mutterschiff, auf dem die Wale bereits zerlegt und gekühlt gelagert werden können.
Trotz der mangelnden Nachfrage wird der Walfang von der japanischen Regierung sowie lokalen Walfang-Gemeinden in bestimmten Regionen wie Ishinomaki, Taiji oder Kushiro weiterhin als Einkommensquelle und Ausdruck regionaler Identität verteidigt. Landesweit spielt er jedoch weder wirtschaftlich noch kulturell betrachtet eine nennenswerte Rolle.
Folgen Sie WDC auf Social Media!
Folgen Sie WDC auf Social Media!
Mehr Nachrichten
Lesen Sie weitere News und Blogs aus der Welt der Wale und Delfine.
Zoo Beauval verwirft Pläne für ein neues Delfinarium in Frankreich
Diese Woche gab der Direktor des Zoos Beauval bekannt, dass er den Bau des neuen Delfinariums unter anderem aus Kostengründen abbrechen wird.
Ungewisse Zukunft für Norwegens Walfang?
Dank Ihrer Unterstützung konnte Lottie von WDC auch in diesem Jahr wieder an der Arendalsuka-Konferenz in Norwegen teilnehmen.
Delfine setzen auch an der Ostküste Australiens Muscheln zur Jagd ein
Wie Forschende nun belegen konnten, nutzen auch Große Tümmler an der südöstlichen Küste von Australien Muscheln, um Fische zu fangen.
Beifang von Schweinswalen: Wo Deutschland nachbessern muss
In ihrem Blog erläutert WDC-Expertin Marine, weshalb Beifang für Schweinswale so gefährlich ist und wo Deutschland im Walschutz nachbessern muss.
„Beneath the surface“: Neuer WDC-Bericht enthüllt das Leid der Wale in Norwegen
Die Analyse offizieller Daten stellt die Konformität des norwegischen Walfangs mit Tierwohl und Nachhaltigkeit grundlegend infrage.
Belgien bestätigt Aus für Delfinarien bis 2037
Ab 2037 wird es in Belgien keine Delfine in Gefangenschaft mehr geben. Das letzte Delfinarium muss bis dahin schließen, die Regierung genehmigte einen Auslaufplan.
Orca-Interaktionen vor Gibraltar
Seit 2020 kommt es vor der Straße von Gibraltar zu Interaktionen zwischen Iberischen Orcas und Segelbooten. WDC fasst die Ereignisse zusammen.

Stop killing whales and Delphins!! There are not many left😞