Warum sind Commerson-Delfine eigentlich schwarz-weiß?
Diese und weitere spannende Fragen haben wir Miguel Iñíguez von der Organisation Fundación Cethus gestellt. Er erforscht mit Unterstützung von WDC Commerson-Delfine vor der Küste Argentiniens. Danke für Deine Zeit, Miguel!
WDC: Die meisten Delfin-Arten haben einen grauen, grau-braunen oder grau-blauen Körper – warum sind Commerson-Delfine so auffällig gefärbt?
Miguel: Commerson-Delfine sind tatsächlich auf den ersten Blick sehr auffällig! Ihr Kopf, ihre Brustflossen, ihre Rückenflosse, ihre Schwanzflosse und ein Teil ihres Rückens sind schwarz, während der Rest weiß ist. Diese Färbung hat aber ihre Vorteile: Sie ermöglicht es den Delfinen nämlich, sich im Wasser zu tarnen – das heißt, sie werden eins mit ihrer Umgebung. Aber wozu dient das? Wenn wir sie beispielsweise von oben betrachten, verschmilzt ihre dunkle Farbe mit dem dunklen Meeresboden, und wenn man sie von unten anschaut, verschmilzt ihr heller Bauch mit dem durch die Meeresoberfläche eindringenden Licht. Dadurch können sie sich leichter unbemerkt ihrer Beute nähern oder vor Raubtieren wie Schwertwalen und Haien fliehen.
WDC: Wie sieht ein typischer Tag im Leben eines Delfin-Forschers aus?
Miguel: Wir arbeiten im südlichen Patagonien in Argentinien. Die Wetterbedingungen hier sind sehr wechselhaft; von Windstille bis starkem Wind ist alles dabei! Das bedeutet, dass wir morgens gegen sechs Uhr erstmal das Wetter einschätzen müssen. Wenn es windstill ist, holen wir unser 4,60 Meter langes Boot heraus und verbringen so viele Stunden wie möglich auf See. Jede:r im Boot hat eine Aufgabe: Meine Frau Vanesa ist dafür zuständig, die gesichteten Delfine zu identifizieren, Notizen zu ihnen zu machen und ihre Position zu notieren, während ich steuere und Fotos von jedem Delfin mache, den wir entdecken. Wenn wir nach Hause zurückkehren, laden wir zunächst die Fotos herunter und beginnen, sie mit dem Katalog von aktuell fast 100 Commerson-Delfinen zu vergleichen, den wir seit 1996 führen. Es ist sehr schön, viele uns bekannte Commerson-Delfine jedes Jahr wiederzusehen! Dann laden wir die Daten in unsere Datenbank und verfolgen die Bewegungen der einzelnen Delfine weiter. Mit Hilfe eines GPS-Geräts ermitteln wir, welche Gebiete sie in unserem Forschungsareal, der Bucht von San Julián und im Makenke Interjurisdictional Marine Park, nutzen. So erfahren wir zum Beispiel, welche Gebiete sie durchqueren, wo sich die Delfin-Mütter mit ihren Jungtieren aufhalten, wo sie fressen und wo sie spielen. So sieht ein typischer Tag in Patagonien aus.
WDC: Du erforschst Commerson-Delfine schon sehr viele Jahre. Was macht sie so besonders für Dich?
Miguel: Commerson-Delfine sind in der Tat etwas ganz Besonderes. Sie gehören zu den kleinsten Delfinen der Welt und werden aufgrund ihrer Färbung oft liebevoll als "Pandas der Meere" bezeichnet, da sie an den in China lebenden Pandabären oder Riesenpanda erinnern.
Seit 1996 beobachten wir einige Delfine, darunter Individuen mit den Namen "Frank", "Cande" und "Aike". Wir schätzen, dass sie über 30 Jahre alt sind. Für uns ist es, als würden wir jedes Jahr einen geliebten Menschen wiedersehen. Das macht uns große Freude und wir genießen jede Begegnung!
Commerson-Delfine sind zudem sehr neugierig; sie schwimmen gerne in der Nähe des Bootes, besonders am Bug. Das macht es natürlich nochmal spannender, sie zu beobachten.
WDC: Welchen Gefahren sind die Commerson-Delfine ausgesetzt, wovor müssen wir sie unbedingt schützen? Und wie kann Deine Forschung dazu beitragen?
Die größte Bedrohung für diese Delfine sind Fischereigeräte – insbesondere Stellnetze, die am Meeresboden entlang der Küste verankert sind. Sie können diese nicht erkennen und verfangen sich darin. Manchmal haben sie das Glück, sich befreien zu können, verletzen sich aber oft dabei. Meistens haben darin verhedderte Delfine aber nicht so viel Glück.
Unser Projekt hat unter anderem dazu beigetragen, das öffentliche Bewusstsein für Commerson-Delfine zu schärfen: Wir haben viele Menschen über diese besonderen Meeressäuger informiert, damit sie sich für den Schutz der Commerson-Delfine einsetzen. Darüber hinaus haben unsere Erkenntnisse dazu beigetragen, die Bedeutung von Meeresschutzgebieten, wie dem Makenke Interjurisdictional Marine Park und dem San Julián Bay Reserve, zu unterstreichen. Wir testen außerdem verschiedene Methoden, um zu verhindern, dass Delfine in Netzen gefangen werden. Zu diesem Zweck arbeiten wir mit und Regierungsbehörden zusammen. Gemeinsam können wir die Delfine besser schützen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Fischer:innen weiterhin fischen können.
Da wir die Delfine seit vielen Jahren kennen, sehen wir, wie der Klimawandel sie beeinträchtigt und welchen Bedrohungen sie darüber hinaus ausgesetzt sind. Mit all diesen Informationen beraten wir die lokalen Behörden, damit sie die besten Schutzmaßnahmen ergreifen können.
Mehr über unser Commerson-Schutzprojekt
WDC: Was war Dein schönstes Erlebnis mit einem Commerson-Delfin?
Daran erinnere ich mich noch genau! Das war, als wir eine Gruppe von vier Delfinen beobachteten und plötzlich einer neben das Boot schwamm. Plötzlich hielt er seinen Körper senkrecht im Wasser und streckte seinen Kopf weit heraus. Dieses Verhalten wird als "Spyhopping" ("Ausschau halten") bezeichnet. Ich hatte das Gefühl, dass er uns beobachtete – und das sehr genau! Es war eine Begegnung, die nur wenige Sekunden dauerte, aber sehr intensiv und wunderschön war. An diesem Tag war das Meer sehr ruhig, und der Delfin zeigte dieses Verhalten immer wieder.
Commerson-Delfine brauchen Ihre Hilfe!
Unterstützen Sie unser Forschungsprojekt mit einer Spende und helfen Sie Miguel dabei, sich weiterhin für den Schutz der "Meerespandas" einzusetzen.
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