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Meeresschutzgebiete

Was sind Meeresschutzgebiete?

Der Begriff ‘Meeresschutzgebiet’ beschreibt ein Gebiet, in dem menschliche Aktivitäten nur eingeschränkt erlaubt oder verboten sind, um Lebensräume und Organismen zu erhalten. Unter diesem Oberbegriff werden viele verschiedene Schutzgebietstypen zusammengefasst, wie zum Beispiel marine Nationalparks, Naturschutzgebiete oder Biosphärenreservate. Sie unterscheiden sich oft sehr in ihrem Schutzstatus.

Meer vor Sylt

(C) Fabian Ritter

Weil die Kontrolle von Bestimmungen auf dem Meer besonders schwierig ist, leiden Meeresschutzgebiete nicht selten unter mangelnder Umsetzung.

Der eigentliche Schutz in einem Meeresschutzgebiet greift nur dann, wenn konkrete Schutzbestimmungen umgesetzt und die Überwachung von deren Einhaltung gewährleistet ist. So unglaublich es klingt: Weltweit entsprechen nur etwa ein Prozent aller Meeresschutzgebiete diesem Standard. Deshalb werden Meeresschutzgebiete sie häufig „Paper Parks“ genannt, also Schutzgebiete, die nur auf dem Papier bestehen.

Schweinswalschutzgebiet Sylt

Vor der Westküste von Sylt erstreckt sich Deutschlands erstes und einziges spezielles Walschutzgebiet. Hier bringen die bei uns heimischen Schweinswale jedes Jahr ihre Jungen zur Welt. Es handelt sich um eine der wichtigsten Kinderstubenfür Schweinswale in der gesamten Nordsee. Dennoch darf hier weiter mit Stellnetzen und Grundschleppnetzen gefischt werden und die Tiere werden durch Tourismus, schnelle Boote und Unterwasserlärm gestört. Effektiver Schutz sieht anders aus!

Schweinswal Eckernförde
(C) U.C.Ludewig

Wann sind Schutzgebiete für Wale und Delfine wirksam?

Die Grenzen von Meeresschutzgebieten sind stets menschengemacht, haben für ihre Bewohner aber selten Bedeutung. Wale und Delfine sind hierfür ein perfektes Beispiel, da sie sehr mobil sind und erhebliche Strecken zurücklegen können, sowohl innerhalb kurzer Zeit als auch bei jahreszyklischen Wanderungen. Schutzgebiete, die ihren gesamten Lebensraum solcher Arten umfassen, sind kaum denkbar – weil sie schlicht zu groß wären, um effektiven Schutz zu ermöglichen. Daher ist es wichtig, dass insbesondere solche Bereiche geschützt werden, die für sie besonders wichtig sind: Nahrungs- und Paarungsgebiete, Kinderstuben oder auch Wanderkorridore. Damit bekommen die Meeressäuger Rückzugsräume, in denen sich die Populationen trotz vielfacher Belastungen zumindest dort ungestört bewegen und entwickeln können.

Schutzgebiets-Netzwerke

Schutzgebiete müssen zudem miteinander verknüpft werden, um sichere Lebensräume für mobile Arten wie Wale und Delfine zu schaffen. In der EU versucht man dies mit dem Netzwerk von Natura2000-Gebieten. Darüber hinaus besteht jedoch auch die Notwendigkeit eines weltweiten Netzwerks von Schutzgebieten.

WDC ist international federführend dabei, die wichtigsten Lebensräume für Wale und Delfine weltweit zu identifizieren (auf Englisch IMMAs - Important Marine Mammal Areas) – angefangen im Mittelmeer über pazifische Inselgruppen bis zu den anderen Ozeanen. Mit den Ergebnissen aus dieser Arbeit setzen wir uns bei Regierungen auf der ganzen Welt dafür ein, wichtige Wal- und Delfinlebensräume mit einem verbesserten Schutz zu versehen.

Wo kann ich mich über einzelne internationale Schutzgebiete informieren? 

WDC hat die fachspezifische Webseite www.cetaceanhabitat.org entwickelt, um insbesondere Wal- und Delfinforscher:innen, lokalen Umweltschützer:innen und Personen, die zum Thema Meeresschutzgebiete arbeiten, fundierte Informationen zu bieten, die auch von der Öffentlichkeit genutzt werden soll.

Dort finden sich neben Informationen zu Wal- und Delfinschutzgebieten in mehr als 100 Ländern und zur Entwicklung neuer Meeresschutzgebiete auch wichtige Informationen und Links zu regionalen und internationalen Abkommen für Wale und Delfine.

Was tut WDC für effektive Schutzgebiete?

  • WDC leitet den Prozess zur Identifizierung der wichtigsten Lebensräume für Wale und Delfine weltweit (Important Marine Mammal Areas, IMMAs).
  • Wir fordern ein Verbot von destruktiven Fischereimethoden wie Stellnetzen und Grundschleppnetzen in Schutzgebieten.
  • WDC setzt sich bei ASCOBANS, dem regionalen Abkommen zum Schutz von Kleinwalen in Europa, für einen wirksamen Schutz der Schweinswale ein, u.a. in der Ost- und Nordsee.
  • Wir führen Aktionen durch, die Aufmerksamkeit für den Schweinswal schaffen, z.B. unseren Kreativwettbewerb und die Ausstellung „Die letzten 300“, Beach-Clean-Ups. oder unsere Kampagne „Stellnetze raus!
  • WDC bringt seine Expertise bei Fachtagungen, Symposien, Konferenzen und Expertengremien etc. ein, sowohl national als auch auf internationaler Ebene und bei der EU.
(C) Nationalpark S-H
(C) Nationalpark S-H

Windkraftanlagen in Schutzgebieten

Im Jahr 2014 wurde ein Windpark mitten in ein Meeresschutzgebiet in der Nordsee gebaut. Für die dort heimischen Schweinswale eine Katastrophe, denn der Bau von Offshore-Windkraftanlagen im Meer ist mit erheblichem Lärm verbunden: die Fundamente der Windräder werden mit großer Gewalt in den Meeresgrund gerammt. Die „Hämmer“, die dazu benutzt werden, sind so groß wie ein mehrgeschossiges Haus. Die Spitzenschallpegel von mehr als 200 Dezibel, die dabei erzeugt werden, würden einen Schweinswal (oder auch einen Menschen) sofort schwer schädigen oder gar töten.

Deshalb sind umfassende Schallschutzmaßnahmen dringend erforderlich. Die bisher entwickelten schalldämmenden Maßnahmen sind gerade effektiv genug, um die Grenzwerte einzuhalten. Der Lärm hat aber auch negative Auswirkungen auf Fische, Seevögel und andere Meeresbewohner. Studien haben gezeigt, dass selbst bei Einhaltung des Schallschutzgrenzwertes Schweinswale bis 15 km vor den Baustellen fliehen, um dem Lärm auszuweichen.

Offshore Windkraftanalage

(C) Andy Dingley

Deswegen fordert WDC seit Jahren lärmvermeidende Technologien. Leider haben es die verantwortlichen Stellen versäumt, alternative Techniken zu fördern und auszubauen, obwohl sie längst marktreif sind. Dazu gehören etwas Schwerkraftfundamente, schwimmende Anlage oder das Einrütteln der Fundamente anstatt der extrem lauten Rammung.

Natürlich kann es auch positive Effekte von Windparks im Meer geben. Wenn innerhalb von Windparks nicht gefischt werden darf, kann das den Fischpopulationen zugutekommen. Allerdings werden die meisten positiven Effekte frühestens mit dem Betrieb der Anlagen einhergehen. Bis alle geplanten Anlagen in der deutschen Nord- und Ostsee stehen, werdenjedoch noch Jahrzehnte vergehen. Beim derzeit geplanten Ausbau der Offshore Windkraft werden enorme Flächen der Nord– und Ostsee für lange Zeit zu Großbaustellen.

Zusammen mit anderen Umweltverbänden setzen wir uns im Dialog mit Entscheidungsträger:innen und der Industrie für die Entwicklung und Förderung schonender Technologien ein. Auch effektive Schallschutzmaßnahmen und Schonzeiten müssen gewährt werden, sodass Schweinswale auch in Zukunft noch eine sichere Walheimat bei uns finden!

Darüber hinaus muss dringend sichergestellt werden, dass Windkraftanlagen auch in Zukunft keinesfalls innerhalb von Meeresschutzgebieten errichtet werden.

WDC hat 2013 einen umfassenden Bericht zu den Auswirkungen von Energieerzeugung im Meer auf Wale und Delfine erstellt.

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