Walkot-Studie liefert neue Erkenntnisse zur Klimaveränderung in der Arktis
Eine Langzeitstudie liefert neue Hinweise auf die Auswirkungen der Erderwärmung im Arktischen Ozean: Mit Hilfe von Kotproben von Grönlandwalen wurde ein Zusammenhang zwischen den steigenden Temperaturen und giftigen Algenblüten festgestellt.
Ein Forschungsteam der US-amerikanischen Behörde NOAA Fisheries hat über einen Zeitraum von 19 Jahren Kotproben von Grönlandwalen aus der Beaufortsee (einem Teil des Arktischen Ozeans vor Alaska) analysiert, um besser zu verstehen, wie sich der Klimawandel auf das arktische Ökosystem auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass steigende Meerestemperaturen das Wachstum bestimmter Algenarten fördern, die giftige Stoffwechselprodukte – sogenannte Algentoxine – bilden.
Untersucht wurde der Kot von 205 Grönlandwalen, die im Rahmen des so genannten Subsistenz-Walfangs durch indigene Gemeinden in Alaska getötet wurden. Die Fäkalienproben wurden tiefgekühlt und später auf toxische Rückstände analysiert. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen den Algentoxin-Konzentrationen und Umweltfaktoren wie Wassertemperatur, eisfreier Wasserfläche, Windstärke und Luftdruck.
Gefährliche Toxine
Algentoxine reichern sich in der Nahrungskette an und können sowohl Meeressäuger als auch Menschen gefährden: Die Giftstoffe wirken auf das Nervensystem von Walen und Delfinen ein und können die Reaktionsfähigkeit der Meeressäuger verlangsamen, wodurch diese beispielsweise anfälliger für Schiffskollisionen werden. Im Jahr 2015 starben in Chile mindestens 343 Bartenwale, wobei bei 69 Prozent von ihnen extrem hohe Konzentrationen der lähmenden Toxine nachgewiesen wurden.
Die Langzeitstudie verdeutlicht, dass sich der Klimawandel nicht nur auf physikalische Größen wie Eisflächen oder Temperatur auswirkt, sondern auch biologische Prozesse tiefgreifend verändert: Besonders betroffen sind marine Arten wie der Grönlandwal, der aufgrund seiner wertvolle Einblicke in langfristige Umweltveränderungen liefert.
Die Forschungsergebnisse stehen im Einklang mit den zentralen Aussagen des WDC-Berichts "Whales in Hot Water", der bereits im Dezember 2023 die Folgen für Wale, Delfine und das gesamte Meeresökosystem durch zunehmende, giftige Algenblüten im Zusammenhang mit dem Klimawandel aufgezeigt hatte. WDC beobachtet diese Entwicklungen mit großer Sorge – denn sie verdeutlichen, wie empfindlich Wale und Delfine auf Veränderungen in ihrem Lebensraum reagieren.
Buckelwal-Forschungsprojekt in Alaska
Um die Zusammenhänge zwischen marinen Ökosystemen und dem Klimawandel besser zu verstehen, unterstützt WDC ein eigenes Forschungsprojekt in Alaska. Ziel dieser Studie ist es, die Rolle der dort lebenden Buckelwale im Nährstoff- und Kohlenstoffkreislauf zu quantifizieren. Da Buckelwale in allen Ozeanen vorkommen, lassen sich die Erkenntnisse weltweit übertragen – und liefern damit weitere wissenschaftlich fundierte Argumente für den Schutz von Walen und ihrer Lebensräume.
Auch in diesem Projekt wurden Kotproben gesammelt und analysiert, welche Nährstoffe Wale ins Meerwasser absetzen und welche Auswirkungen diese auf die Produktivität der Ozeane haben. Erste Ergebnisse zeigten, dass Wal-Kot das Wachstum mikroskopisch kleiner Pflanzen an der Wasseroberfläche – des Phytoplanktons – ankurbelt.
WDC setzt sich für eine Welt ein, in der alle Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben. Wissenschaftliche Studien wie diese sind eine wichtige Grundlage, um Schutzmaßnahmen gezielt weiterzuentwickeln und Meeresökosysteme auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zu erhalten.
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