Kein Walfang in Island – „Sommerpause“ könnte dauerhaftes Ende einläuten
In diesem Sommer wird in Island kein Walfang stattfinden. Sowohl das für die Finnwal-Jagd zuständige Unternehmen Hvalur hf. als auch der einzige Zwergwal-Fänger des Landes werden 2025 nicht auslaufen. Damit bleibt vielen Walen ein grausamer und oft langsamer Tod erspart.
Nachdem bereits im April bekannt wurde, dass das Finnwalfang-Unternehmen Hvalur hf. trotz neu erteilter Lizenz keine Finnwale töten wird, ist nun auch die Zwergwal-Jagd möglicherweise endgültig an einem Wendepunkt angekommen: Der Eigentümer des letzten aktiven Zwergwalfangschiffs, der Halldór Sigurðsson, hat versäumt, rechtzeitig die notwendige Lizenz zur Verarbeitung von Wal-Fleisch zu beantragen – ein bürokratischer Prozess, der Wochen bis Monate dauern kann. Zudem wurde das Schiff zum Verkauf angeboten. Da Lizenzen in Island nicht mit dem Schiff übertragen werden, müsste ein neuer Eigentümer das gesamte Genehmigungsverfahren von vorn beginnen. Eine Zwergwal-Jagd in dieser Saison ist damit ausgeschlossen – vielleicht sogar für immer.
Wirtschaftlich unrentabel, ethisch untragbar
Diese Entwicklung ist nicht überraschend: Die isländische Walfang-Industrie kämpft seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen. Die Nachfrage nach Finnwal-Fleisch ist eingebrochen – insbesondere auf dem japanischen Markt, der bislang als Hauptabnehmer galt. Nach Angaben des japanischen Unternehmens Kyodo Senpaku wird 2025 kein isländisches Wal-Fleisch mehr importiert. Und da Japan selbst wieder Finnwale jagt, ist auch in Zukunft nicht mit einer Wiederaufnahme des Handels zu rechnen. Gleichzeitig lagern rund 2.000 Tonnen isländisches Wal-Fleisch ungenutzt in japanischen Kühlhäusern.
Ein Erfolg für den Schutz der Wale – und für alle Unterstützer:innen
Für die Wale bedeutet die aktuelle Entwicklung eine Atempause – und möglicherweise viel mehr: Die aktuellen Signale deuten darauf hin, dass der Einfluss der Walfang-Industrie endlich schwindet.
WDC begrüßt diesen Rückzug aus dem Walfang ausdrücklich. Unsere internationale Kampagnenarbeit und der öffentliche Druck – auch durch Unterstützer:innen weltweit – zeigen Wirkung. Ein Teil unserer langjährigen Kampagne zur Beendigung dieser Jagden konzentrierte sich darauf, die Einstellung zum Verzehr von Wal-Fleisch zu ändern, die Nachfrage zu senken und die Operationen für die Walfänger finanziell sinnlos zu machen. Die Walfang-Industrie wurde oft von den Regierungen Islands, Japans und Norwegens gestützt, weil mit dem Verkauf des Fleisches nur sehr wenig Geld verdient werden kann. Aber der Kampf ist noch nicht vorbei:
Jetzt braucht es eine klare Entscheidung der Politik
Wichtig ist nun, dass diese "Pause" nicht nur eine Verschiebung, sondern ein echter Wendepunkt wird. Wir fordern die isländische Regierung auf, diese Gelegenheit zu nutzen und einen dauerhaften Schlussstrich unter den Walfang zu ziehen.
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