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Ein geschlachteter Finnwal wird an Land zerlegt. (C) WDC
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Islands Walfang am Scheideweg

2023 förderte der Bericht der isländischen Lebensmittel- und Veterinärbehörde MAST die Grausamkeit des isländischen Walfangs zutage – und verschaffte den Walen eine kurze Verschnaufpause. Während wir auf die Analyse der Jagden aus dem vergangenen Jahr warten, muss sich auch Walfänger Kristján Loftsson gedulden: Denn die von ihm beantragten Lizenzen zum Töten von Walen wurden noch nicht gewährt. Wir setzen gerade alles daran, um die neue Fischereiministerin davon zu überzeugen, sich auf die Seite der Wale zu stellen und die Jagd nicht zu genehmigen! 

Wenn ich über meine Zeit bei WDC im vergangenen Jahr nachdenke, bleibe ich gedanklich an dem entscheidenden Moment hängen, der den Beginn meiner Arbeit hier prägte: der Bericht der isländischen Lebensmittel- und Veterinärbehörde MAST aus dem Jahr 2023. Er wurde an meinem zweiten Tag bei WDC veröffentlicht und brachte die grausame Realität des isländischen Walfangs vom Sommer 2022 ans Licht. Er löste eine internationale Welle der Empörung aus.   

Die Ergebnisse des MAST-Berichts führten zu  raschen Maßnahmen, um die systemischen Probleme des isländischen Walfangs anzugehen. Dank des unermüdlichen Einsatzes von WDC und engagierter Anwält:innen in Island wurde der Walfang im Juni und Juli 2023 ausgesetzt. Dieses vorübergehende Verbot rettete das Leben von etwa 120 Finnwalen.

Nur eine kurze Verschnaufpause

Die Ruhepause war jedoch nur von kurzer Dauer: Im September 2023 wurde der Walfang unter dem Vorwand verbesserter Jagdmethoden wieder aufgenommen. Trotz der Zusicherungen von Hvalur hf, Islands einzigem Walfangunternehmen, zeichnete die Realität ein völlig anderes Bild: Nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Jagd ereignete sich erneut eine Tragödie. Hvalur 8, eines der Walfangschiffe, wurde wegen eines Verstoßes gegen die Vorschriften von der Jagd ausgeschlossen, nachdem ein Wal erst nach mehreren Harpunentreffern qualvoll starb.

Ein erlegter Finnwal in Island. © Hard To Port
Ein erlegter Finnwal in Island. © Hard To Port

Berichten zufolge fiel auch ein hochschwangerer Finnwal den Harpunen zum Opfer. Der grausame Akt, das ungeborene Wal-Baby auf der Walfangstation aus dem Mutterleib zu zerren, verdeutlichte die Brutalität der isländischen Walfangindustrie. Der Verlust eines weiteren Wals während der Jagd, der schwer verletzt seinem Schicksal überlassen wurde, war eine deutliche Erinnerung an die Risiken und Folgen dieser überholten Praxis. 

Lizenzen für zehn Jahre beantragt 

Im Vorfeld der Veröffentlichung des neuesten MAST-Berichts, der die Jagden vom September 2023 analysiert, werden bei uns die Erinnerungen an die Enthüllungen des letzten Jahres wieder wach. Wir gehen davon aus, dass der diesjährige Bericht ein ähnlich düsteres Bild zeichnen und damit den dringenden Handlungsbedarf unterstreichen wird, dieser barbarischen Industrie ein für alle Mal Einhalt zu gebieten. 

Der Tatsache zum Trotz, dass ein Großteil der isländischen Bevölkerung den Walfang ablehnt, hat Millionär und gleichzeitig letzter Walfänger Islands, Kristján Loftsson, die Anträge für die Jagd auf Finn- und Zwergwale bereits eingereicht. Loftsson gehört zu den mächtigsten Menschen in Island. Wenn er seine Waljagd einstellt, wird Island keinen Walfang mehr betreiben – und damit wären die Finnwale im Atlantik endlich vor Harpunen sicher.  Sollten die Walfang-Lizenzen jedoch erteilt werden, könnten sie für die nächsten zehn Jahre gelten und den Kreislauf von Ausbeutung und Grausamkeit in Islands Gewässern fortsetzen. 

Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer: Während Island mit der Entscheidung über die Erteilung neuer Walfanglizenzen ringt, bietet sich die Gelegenheit, das Blatt zugunsten der Wale zu wenden. Island hat seit kurzem eine neue Fischereiministerin, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir. Wir haben sie dringend gebeten, neue Lizenzen abzulehnen und sich für das Wohlergehen der isländischen Wale einzusetzen. Mit ihrem Amtsantritt besteht die Hoffnung, dass sie den mutigen Schritt wagt, den Walfang zu verbieten. Sie hatte sich bereits im Parlament wie folgt geäußert:
 

„Es gibt wenig Anzeichen dafür, dass der Walfang jemals wieder einen nennenswerten wirtschaftlichen Beitrag leisten wird. Und es ist noch unwahrscheinlicher, dass diese Jagd durch internationale Organisationen im Rahmen des Umweltschutzes anerkannt wird." Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir 

 

Zwei tote Finnwale
Zwei tote weibliche Finnwale, Hvalfjörður 2022. © Hard to Port

Walfanggesetze auf dem Prüfstand 

Die Ministerin ist nicht die einzige, die uns verhalten positiv stimmt, dass der Walfang tatsächlich ein für alle Mal beendet werden kann. Ein weiterer wichtiger Schritt in Island ist die unabhängige Arbeitsgruppe, die mit der Überprüfung der isländischen Walfanggesetze betraut wurde. Diese veralteten Gesetze stammen aus den 1940er Jahren und entsprechen nicht mehr den Werten einer modernen Gesellschaft, in der Tier- und Naturschutz eine Rolle spielt. Im Laufe der Diskussionen zeichnet sich in der isländischen Bevölkerung ein wachsender Konsens darüber ab, dass eine Gesetzesreform unerlässlich ist, um die isländischen Wale vor weiterem Schaden zu bewahren.   

Wir hoffen, dass der neue MAST-Bericht in Verbindung mit den Empfehlungen dieser Arbeitsgruppe alle Zweifel der isländischen Regierungsvertreter:innen darüber ausräumt, dass der Walfang keine Zukunft mehr hat.

Wie immer steht die Zusammenarbeit im Mittelpunkt unseres Einsatzes für die Wale Islands. Indem wir uns mit gleichgesinnten Organisationen zusammenschließen, verstärken wir unsere kollektive Stimme und senden eine starke Botschaft der Solidarität und des Mitgefühls. Uns vereint die Liebe zu den Walen und unsere unnachgiebige Verurteilung des Walfangs. 

Um diesem Ziel näher zu kommen, leisten wir nicht nur politische und Öffentlichkeitsarbeit, sondern finanzieren auch wichtige juristische Analysen, die die Legalität des Walfangs in Island anfechten sollen. Unsere Unterstützer:innen und das Wissen, dass uns jeder Schritt einer Zukunft näherbringt, in der Wale frei und sicher in den Meeren leben können, lassen uns immer wieder Kraft für diesen Kampf tanken. 

Die Wahrheit über den isländischen Walfang:

  • Die Mehrheit der isländischen Bevölkerungen ist gegen den Walfang.
  • Weniger als zwei Prozent der Isländer:innen essen Walfleisch.
  • 40 Prozent der Wale sterben nicht sofort. Die durchschnittliche Zeit bis zum Eintritt des Todes beträgt elfeinhalb Minuten. Ein Wal brauchte zwei Stunden und mehrere Harpunen, um zu sterben.
  • Hvalur hf. wurde bereits mehrfach wegen signifikanter Verstöße gegen den Tierschutz zu Geldstrafen verurteilt.
  • Hvalur hf. hat in den letzten zehn Jahren durch den Walfang 17 Millionen Pfund verloren – Walfang ist für die isländische Wirtschaft NICHT profitabel.
  • Die Jagd verursacht erhebliches Leid und verstößt gegen die isländischen Tierschutzgesetze.
  • Das Töten von Walen ist in zweierlei Hinsicht ein Umweltfrevel: Der Ozean absorbiert mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Erde und Wale tragen zu diesem Prozess bei. Ein gesunder Planet braucht einen gesunden Ozean und der braucht mehr Wale – nicht weniger. Wale sind unsere Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise und das Artensterben. Walfang schadet der Umwelt zusätzlich, indem er die Treibhausgas-Emissionen erhöht.
  • Wenn Island den Walfang weiterhin zulässt, schadet das Islands internationalem Ruf und ist nicht mit den Verpflichtungen des Landes in Bezug auf die biologische Vielfalt vereinbar.
  • Walfang bietet keine langfristige Arbeitsplatzsicherheit für die Beschäftigten.

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Jede Spende, ob groß oder klein, hilft uns dabei, den Walfang in Island zu beenden.

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Über Luke McMillan

Luke is WDC's Head of hunting and captivity.

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