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Was hat die Kultur von Walen mit Artenschutz zu tun?

(C) Pexels / Kira Louw
(C) Pexels / Kira Louw

1997 starteten die Raumsonden Voyager 1 und 2 – mit an Bord eine Zeitkapsel, die Grüße in 55 unterschiedlichen Sprachen enthielt sowie den Gesang von Buckelwalen.  Aber warum wurde ausgerechnet der Gesang der Buckelwale ausgewählt, um das Leben auf dem Planet Erde zu repräsentieren?

Vielleicht weil der Buckelwalgesang so eindringlich und unvergesslich ist? Oder weil er einen Hinweis auf die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten liefert? Könnte der besondere Walgesang für andere Lebensformen in unserem Sonnensystem so verlockend sein, dass wir daraufhin tatsächlich eine Antwort von fernen, außerirdischen Intelligenzen erhalten könnten?

Möglicherweise landete der Buckelwalgesang auch auf der Goldenen Platte an Bord der Voyager, damit nicht nur die reiche genetische Vielfalt der Erde abgebildet würde – sondern auch ein wichtiges Beispiel für die nicht-menschliche Kultur auf unserem blauen Planeten. Schließlich könnte die Kultur bei anderen Lebewesen als dem Menschen für jede außerirdische Intelligenz von würdigem Interesse sein ...

 

Wie beeinflusst Kultur das Überleben von Walen & Delfinen?

Spulen wir etwa 44 Jahre vor und nehmen an, unsere Spezies hat mehr über die vielfältige Intelligenz auf unserem Planeten erfahren und erkannt, dass Wale und Delfine auf viele verschiedene Arten Kultur zeigen. Dazu gehören auch der Gesang, die Migration, das Erlernen von Jagdstrategien und sogar der Gebrauch von Werkzeugen. Das wachsende Verständnis für die Bandbreite der Kultur von Walen und Delfinen wirft eine sehr wichtige Frage auf: Wie könnte die Kultur der Wale ihren Schutz beeinflussen – positiv oder negativ? Könnte die Kultur bei Walen und Delfinen etwa dafür sorgen, dass die Meeressäuger mit Blick auf den Klimawandel neue Verhaltensweisen erlernen, um ihr Überleben zu sichern? Order könnte die Wal-Kultur Schwachstellen schaffen und sogar neue Verhaltensweisen verhindern, die für das Überleben entscheidend sind? Es stellt sich heraus, dass beides zutrifft.

 

Über die Gabel, Stäbchen und Hände

Wenn Sie die außergewöhnliche Doku-Reihe "Secrets of the Whales" (National Geographic) gesehen haben, werden Sie die schönen, fesselnden Aufnahmen und Erzählungen noch gut in Erinnerung haben. Die Dokumentarfilm-Serie gibt Einblicke in das Leben der Wale, zeigt es jedoch aus einer ganz neuen Perspektive. Die Serie bietet nämlich einige wunderbare Beispiele für die Kultur der Wale und Delfine: von Orcas in Neuseeland, die gelernt haben, Stachelrochen zu jagen, ohne sich zu stechen; zu Belugas in der Hudson Bay in Alaska, die lernen, sich im Eis, in Untiefen und auf Sandbänken zurechtzufinden; zu singenden und blubbernden Buckelwalen. Einer der Forscher*innen, die in der Serie vorgestellt werden, ist Shane Gero. Er studiert Pottwale vor der Karibik und beschrieb die Kultur bei Walen sehr treffend mit "Verhalten ist das, was man tut – Kultur ist, wie man es tut". Ein sehr anschauliches Beispiel sind die Essgewohnheiten von uns Menschen. Wir alle essen, aber manche essen mit einer Gabel, andere mit Stäbchen oder mit den Händen, je nach ihrer Kultur.

Jahrzehntelange Forschung, teilweise unter widrigsten Bedingungen, hat uns diese Offenbarung der Wal-Kultur ermöglicht und zeigt sich nun so ästhetisch in der Doku-Serie "Secrets of the Whales". Dabei drängt sich eine wichtige Frage auf, die in der Serie jedoch offen bleibt: Was bedeuten diese neuen Enthüllungen über die Kultur der Wale und Delfine nun für ihren Schutz?

 

Kann Kultur den Artenschutz beeinflussen?

Um genau diese Frage zu klären und sie ein wenig tiefer zu ergründen, veranstaltete WDC 2014 gemeinsam mit der "Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals" (CMS; Bonner Konvention) einen Workshop. Der Workshop brachte eine internationale Gruppe von Expert*innen zusammen, um dieses Thema genauer zu untersuchen. Es war der Start für eine umfassende Erforschung der vielen Möglichkeiten, wie die Kulturen von (wandernden) Arten mit ihrem Schutz zusammenhängen könnten. Die Expert*innen befassten sich mit der Untersuchung, wie wir Populationen kulturell abgrenzen können, bis hin zur Durchführung von konkreten Schutzmaßnahmen.

 

Neue Wege des Denkens und des Schutzes inspirieren

Die Filmemacher von "Secrets of the Whales" erhoffen sich, dass die persönlichen Geschichten von Walen und Delfinen, die in der Doku-Reihe erzählt werden, den Zuschauer*innen dabei helfen, anders über den Naturschutz zu denken. In einem kürzlich veröffentlichten Rahmenpapier strebt WDC genau dasselbe an: Auch wir möchten die Perspektive der Wal-Kultur nutzen, um den Artenschutz zu verbessern. Die Wissenschaft auf diesem Gebiet schreitet schnell voran, und eine kürzlich durchgeführte Analyse alter Walfangaufzeichnungen ergab, dass naive Pottwale wahrscheinlich von erfahrenen Walen gelernt haben, Walfangschiffe zu meiden.

Die Herangehensweise der Filmproduzenten ist lobenswert: Ohne Zweifel wird uns die Kombination aus wissenschaftlicher Forschung und dem Verständnis von unserer eigenen, menschlichen Kultur dabei helfen, die Kultur anderer Lebewesen auf diesem Planeten und deren Auswirkungen auf ihr Überleben, in Zukunft besser zu verstehen.

 

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

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