Wal-Monitoring im fernen Norden Schottlands – Teil 1
Gast-Autor Jonas Heimbach
Jonas Heimbach ist Buchautor und Naturfotograf aus Koblenz. Wale und Delfine haben es ihm besonders angetan – und ihn nach Schottland geführt.
Schon seit seiner Kindheit begeistert sich Jonas für Tiere und Natur und nachdem er bei einer Whale Watching-Tour in Norwegen zum ersten Mal einen Pottwal gesehen hat, begann er sich auf Wale und Delfine zu spezialisieren. In Büchern und Vorträgen nimmt er Menschen auf seine Reise-Abenteuer mit und unterstützt im Sommer 2025 das Shorewatch-Projekt von WDC in Schottland.
Teil eins seines Reiseberichts lesen Sie hier.
Als Student der BioGeo-Wissenschaften habe ich schon immer viel Freude an wissenschaftlicher Feldarbeit mit Tieren gehabt. Gleichzeitig begeistere ich mich schon seit meiner Kindheit für Wale und Delfine. Als ich durch das WDC Shorewatch-Programm die Chance bekam, diese zwei Leidenschaften miteinander zu verbinden und damit zu einem besseren Schutz der Wale beitragen zu können, sollte dies der Startschuss für ein unvergessliches Abenteuer auf den Shetland Islands in Schottland werden!
Treffen in Wilhelmshaven
Wenn man sich für Wale und Delfine interessiert, darf man sich in Deutschland über nicht allzu viele Sichtungen freuen. Hin und wieder verirrt sich zwar vielleicht mal ein Delfin oder ein junger Wal vor die deutsche Küste, doch an einheimischen Arten haben wir „nur“ den Gewöhnlichen Schweinswal und selbst diesen kann man meist nur mit einer großen Portion Glück beobachten. Mit einer Ausnahme: Die Schweinswal-Tage in Wilhelmshaven! Eine Frühjahrs-Veranstaltung, bei der es neben zahlreichen Ausstellungen und Infoständen auch die Möglichkeit gibt, per Schiff raus auf den Jadebusen zu fahren und nach den Schweinswalen zu suchen.
Whale Watching in Deutschland, diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen! Ich buchte mir ein Ticket und ein paar Wochen später stand ich auch schon am Hafen – bereit, die Schweinswale in Aktion zu sehen. Aus ganz Deutschland waren Menschen hier angereist, um dieses Naturschauspiel mitzuerleben und die Vorfreude war deutlich zu spüren. Und wir hatten Glück! Keine zehn Minuten, nachdem wir den Hafen verlassen hatten, sah ich links vom Boot eine kleine dreieckige Rückenflosse aus dem Wasser auftauchen und alle an Bord waren begeistert.
Der kleine Schweinswal zeigte sich uns mehrere Male und während ich ihn durch den Sucher meiner Kamera verfolgte, kam ich ins Gespräch mit einem Fotografen von WDC, der mich einlud, nach der Fahrt ins Wattenmeer-Besucherzentrum zu kommen. Dort kam ich am WDC-Stand mit Katharina ins Gespräch. Wir sprachen über die Arbeit mit Walen und ich fragte sie nach dem Shorewatch-Programm in Schottland – einem Freiwilligenprojekt, bei dem sich Wal-Fans mit Ferngläsern an die Küste stellen und von dort aus Wal- und Delfin-Beobachtungen dokumentieren. Die gesammelten Daten über Art, Anzahl etc. werden dann in ein Online-Portal eingegeben und können Wissenschaftler:innen dabei helfen, die Bewegungen der Wale und Delfine vor Schottland besser nachzuvollziehen.
Ich hatte von diesem Projekt bereits gehört und erhoffte mir hier ein paar nähere Informationen über die Teilnahme an diesem Projekt. Katharina war sofort begeistert, wir tauschten Kontaktdaten aus und ein paar E-Mails und Telefonate später stand der Plan: Ich würde für mehr als sechs Wochen mit Zelt und Rucksack quer durch Schottland reisen, am Shorewatch-Programm mitarbeiten und gleichzeitig für WDC Deutschland Videomaterial für Social Media erstellen.
Die Reise beginnt
Ein paar Monate später stieg ich in Inverness im Norden von Schottland aus dem FlixBus. Hier sollte meine erste Station liegen. Die Stadt lag am Moray Firth, einer Bucht mit einer ortstreuen Population von Großen Tümmlern, die als einer der besten Walbeobachtungs-Orte in Schottland gilt. Hier sollte ich einen Mann namens Charlie Phillips treffen. Er kannte die Delfine in dieser Bucht wie kein Zweiter, arbeitete eng mit WDC zusammen und wollte mir im Rahmen einer Whale-Watching-Tour heute seine Lieblingstiere zeigen. Charlie erwartete mich am Eingang des Besucherzentrums. Mit seinem grauen Bart, dem breiten Körperbau und der ausgeblichenen Regenjacke sah er wie ein typischer Seemann aus, doch als ich ihm die Hand schüttelte, lächelte er breit und führte mich nach einem kurzen Gespräch auch sofort zu den Booten.
Mit einer kleinen Besucher:innengruppe fuhren wir bei perfekten Wetterbedingungen (kein Wind und spiegelglatte Wasseroberfläche) hinaus auf die Bucht und entdeckten schon nach kurzer Zeit eine Gruppe von fünf Schweinswalen. Eine seltene Sichtung! Die Schweinswale können nur bei besonders ruhiger See beobachtet werden und gehen den Tümmlern so gut wie möglich aus dem Weg, denn weil sie deutlich kleiner sind, werden sie von ihnen auch gerne mal gejagt und "gemobbt", wie Charlie es formulierte.
Wir fuhren weiter in die Bucht hinaus, sahen Seevögel und eine Kolonie von Kegelrobben und fanden schließlich die Großen Tümmler. Ich schätzte die Gruppengröße auf sechs bis acht Individuen und beobachtete begeistert, wie sie sich dem Boot neugierig näherten. Für Charlie schien das hier wie ein Treffen mit alten Freunden zu sein. Jeden einzelnen Delfin konnte er mit einem Blick auf die Finne sofort erkennen und beim Namen nennen und auch die Delfine schienen sich von unserer Anwesenheit nicht gestört zu fühlen. Sie zeigten ihre Finnen oder schlugen mit der Fluke auf die Wasseroberfläche und einer von ihnen sprang am Ende sogar mit ganzem Körper aus dem Wasser. Zurück am Ufer ging ich mit Charlie noch Pommes essen und machte mit ihm währenddessen ein Interview für WDC.
Wie es Jonas beim Shorewatch auf den Shetland Inseln ergangen ist, erfahren Sie im zweiten Teil seines Gast-Blogs.
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