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Mit Fernglas und Kamera halten Ehrenamtliche an der Küste Schottlands Ausschau nach Walen und Delfinen. © Jonas Heimbach
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Gast-Autor Jonas Heimbach

Jonas Heimbach ist Buchautor und Naturfotograf aus Koblenz. Wale und Delfine haben es ihm besonders angetan – und ihn nach Schottland geführt.

In seinem letzten Gast-Blog berichtete Jonas von seinem ersten Treffen mit WDC und tollen Schweinswal-Sichtungen in Wilhelmshaven sowie Delfin-Beobachtung mit Charlie Phillips in Schottland. Im zweiten Teil seines Gast-Blogs nimmt er uns mit auf die Shetland-Inseln, wo er sich für das Shorewatch-Programm von WDC engagiert – und Unvergessliches erlebt!

Von Aberdeen aus reiste ich per Nachtfähre ab und kam am nächsten Morgen unausgeschlafen in Lerwick, der Hauptstadt der Shetland-Inseln an. Am Rande der Stadt gab es einen Aussichtspunkt, von wo aus ich meine erste Shorewatch-Session machen wollte. Die Punkte, von wo aus man die Beobachtungen machen sollte, waren fest vorgegeben und konnten online eingesehen werden. Meistens stand dort auch eine mit einem Vorhängeschloss gesicherte Kiste, in denen ein Fernglas, ein Klemmbrett und sonstige Utensilien bereit lagen, die man beim Shorewatch brauchte. Die Regeln waren klar vorgegeben: Den einsehbaren Küstenabschnitt gedanklich in vier Segmente einteilen und jeden eine Minute lang per Fernglas absuchen. Anschließend eine Minute mit bloßem Auge den gesamten Abschnitt überblicken und diesen Prozess zweimal wiederholen, so dass man auf eine Gesamtbeobachtungszeit von zehn Minuten kam. Dies war eine Shorewatch-Session, von denen maximal zwei in einer Stunde am selben Standort erlaubt waren. Auf dem Klemmbrett notierte ich dann Dinge wie Sichtweite, Seegang, Anzahl von Booten und natürlich die Wale und Delfine, die ich in dieser Zeit zu sehen bekam. An diesem Morgen hatte ich jedoch kein Glück, dafür beobachtete mich aber ein Mann, der nach der ersten Session auf ein Wort zu mir kam. Ich erzählte ihm von meiner Arbeit und er berichtete mir anschließend, dass vor zwei Tagen noch eine Gruppe von Orcas hier in Lerwick gesehen worden waren, die die Bucht der Hauptstadt nach Robben abgesucht hatten. Die Bevölkerung der Shetland-Inseln war sichtlich stolz auf ihre ortstreue Orca-Population. Viele Mauern in der Stadt waren voll von Zeichnungen von ihnen und jeder Einheimische, den ich traf, hatte seine ganz persönlichen Orca-Geschichten zu erzählen.

Ein Zelt steht auf einer grünern Wiese, im Hintergrund sieht man einen Sandstrand und das Meer.
Meine Unterkunft für die meiste Zeit auf den Shetland-Inseln. © Jonas Heimbach

Verbunden durch die Wale  

Die kommenden Tage nutzte ich, um mich langsam an das Leben auf Shetland zu gewöhnen. Ich hatte mich bewusst dafür entschieden, auf der Insel den Großteil der Zeit im Zelt zu schlafen. In Schottland war Wildcampen erlaubt, wodurch ich so einiges an Geld einsparte und gleichzeitig nah an den Beobachtungspunkten übernachten konnte. Das WDC-Büro in UK hatte mir leider keine Unterkunft für die Zeit hier zur Verfügung stellen können, was aber auch leicht erklärbar war: Das Shorewatch-Programm war eigentlich eher für Leute gedacht, die auch in Schottland lebten und Interesse hatten, sich nebenher mit dem Schutz Walen und Delfinen zu befassen. Dass jemand extra aus Deutschland für dieses Projekt anreisen könnte, schien hier niemand wirklich erwartet zu haben. Dennoch sollte mir die unglaublich gastfreundschaftliche Art der Schott:innen das Leben hier schnell deutlich angenehmer machen.

Alle Ehrenamtlichen auf Shetland waren in einer großen WhatsApp-Gruppe miteinander vernetzt und auch alle anderen Einwohner:innen der Inseln wirkten wie eine große Familie. Nach nur zwei Wochen kannte ich mehrere Leute, die mir ein warmes Mittagessen oder eine Nacht in ihrem Gästezimmer anboten. Wenn ich mich auf der Insel fortbewegen wollte, musste ich einfach nur am Straßenrand meinen Daumen ausstrecken und hatte meist keine fünf Minuten später eine Mitfahrgelegenheit. In Facebook-Gruppen wurde sich regelmäßig über Walsichtungen upgedatet und schnell kannte ich die besten Beobachtungsplätze. Schweinswale, die sich in den Buchten vor Orcas versteckten, waren irgendwann ein fast alltäglicher Anblick.

Auf der Suche nach Großwalen 

Mit dem Ziel, größere Wale zu finden, trampte ich zum Aussichtspunkt Sumburgh Head an der Südspitze der Insel. Ich schlug mein Zelt in der Nähe eines Leuchtturms auf und im dazugehörigen Café The Observatory erzählte man mir, dass in den letzten zwei Wochen jeden Tag mindestens ein Wal von hier aus gesehen wurde. So war ich voller Hoffnung, als ich am nächsten Morgen unter einem Holz-Pavillon Stellung bezog. Doch der erste Tag verlief erfolglos, fast zwölf Stunden beobachtete ich bei windigem Wetter das Meer und als ich am Abend missgelaunt in mein Zelt zurück kroch, hatte ich nur einen einzigen Seehund gesehen. Am nächsten Morgen jedoch war ich gerade erst eine Stunde am Aussichtspunkt, da tauchte aus dem von der aufgehenden Sonne golden aufleuchtenden Wasser der riesige schwarze Rücken eine Zwergwals auf. Für mich war es definitiv die spektakulärste Sichtung! 

Ich besuchte Sumburgh Head noch mehrere Male, in der Hoffnung, Orcas oder Weißseitendelfine zu sehen, womit ich jedoch kein Glück hatte. Dafür gelang mir an meinem letzten Abend jedoch ein Foto eines scheuen RundkopfdelfinsDieser Erfolg sollte sich noch auszahlen! Ein paar Monate später wurden alle Teilnehmer:innen des Shorewatch-Programms auf Shetland gebeten, Bilder von Rückenflossen von Rundkopfdelfinen für einen Katalog, in dem Individuen erfasst werden, zu schicken. Ich war sehr stolz, ebenfalls eines dazu beitragen zu können!

Rückenflosse eines Zwergwals
Das Highlight meiner Reise: Ein Zwergwal. © Jonas Heimbach
Rundkopfdelfin taucht aus dem Wasser auf
Auch Rundkopfdelfine ließen sich blicken. © Jonas Heimbach

Unvergessliche Erinnerung und ein Beitrag zum Meeresschutz

Als ich nach knapp einem Monat die Shetland-Inseln wieder verließ, hatte ich unvergessliche Erinnerungen im Gepäck. Die herzlichen und hilfsbereiten Menschen, die raue Küstenlandschaft und die Tierwelt mit ihrer Vielzahl an Seevögeln, Robben, zahlreichen Walen und Delfine haben meine Zeit zu einem großartigen Abenteuer gemacht. Gleichzeitig bin ich dankbar, dass ich über das Shorewatch-Programm und die Zusammenarbeit mit WDC zusätzlich auch noch einen sinnvollen Beitrag zur Aufklärung über die Wale und Delfine vor Schottland leisten konnte. Ich werde nicht zum letzten Mal dort gewesen sein und hoffe sehr, weitere Abenteuer dieser Art zu erleben und die Arbeit mit WDC noch zu vertiefen.

Mehr dazu...

...wie das Shorewatch-Programm in Schottland WDC dabei hilft, Wale und Delfine besser zu schützen.

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