Neue Walfang-Lizenzen: Islands Chance, das Blatt für Wale zu wenden?
In Island wurden trotz anhaltender Diskussionen über Tierschutzverstöße bei der Jagd auf Wale, neue Walfang-Lizenzen ausgestellt – und das de facto auf unbestimmte Zeit. Ein herber Rückschlag, nach all den kleinen Erfolgen, die in den vergangenen Monaten eher auf ein Ende des isländischen Walfangs hindeuteten. Ein Hoffnungsschimmer bleibt jedoch: Die neue Koalitionsregierung könnte die Lizenzen, die durch die derzeitige Übergangsregierung erteilt wurden, zurückziehen. Eine Chance für Island, einen mutigen Wandel zu vollziehen − hin zu einer Zukunft, die auf Nachhaltigkeit, Umweltschutz und ethischen Prinzipien beruht.
Vergangene Woche hat die isländische Übergangsregierung zwei Walfang-Lizenzen erteilt, die die Jagd auf 201 Finnwale und 217 Zwergwale, über einen Zeitraum von fünf Jahren erlauben. Diese Lizenz von Hval hf. soll jedes Jahr am 4. Dezember automatisch um ein weiteres Jahr verlängert werden. Laut dem Lebensmittelministerium bedeutet das, dass die ursprünglich auf fünf Jahre befristete Lizenz jedes Jahr erneut gültig wird. Es gibt keine rechtliche Obergrenze dafür, wie oft die Lizenz verlängert werden kann, sie ist somit völlig unbefristet.
Doch warum kann Island während der Amtszeit einer Übergangsregierung Walfang-Lizenzen erteilen – vor allem, wenn der öffentliche Widerstand gegen den Walfang noch nie so stark war? Die Antwort liegt in den engen Verflechtungen von Politik und Industrie: Ministerpräsident Bjarni Benediktsson und seine Partei haben enge Verbindungen zum isländischen Fischerei- und Walfang-Sektor, einschließlich Kristján Loftsson, dem Eigentümer des Walfangunternehmens Hvalur hf. Es ist keine Überraschung, dass diese Lizenzen durchgesetzt wurden, kurz bevor die neue Koalitionsregierung – bestehend aus Parteien, die vereint gegen den Walfang sind – ihr Amt antreten konnte. Die Entscheidung beruht auf korrupten Machenschaften und hat eine Welle der Empörung angestoßen.
Die gute Nachricht ist jedoch, dass diese Ereignisse eine breitere Diskussion über die Zukunft Islands ausgelöst haben. Die Isländer:innen werden sich über die ökologischen und ethischen Folgen des Walfangs bewusst und es zeichnet sich eine große Chance ab, etwas zu verändern.
Eine Koalition für den Wandel
Mit der neuen Koalitionsregierung, die klar gegen den Walfang Stellung bezieht, steht Island vor einem Wendepunkt: Die Sozialdemokraten, die Reformpartei und die Volkspartei haben deutlich gemacht, dass sie den Walfang auslaufen lassen wollen. Ihre Position spiegelt die wachsende Stimmung im Land wider und schafft die Voraussetzungen dafür, dass Island eine überholte Praxis hinter sich lässt und sich der weltweiten Naturschutzbewegung anschließt. Dies ist mehr als nur eine politische Gelegenheit: Es ist eine Chance für Island, sich als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, Ökotourismus und Meeresschutz zu positionieren. Durch die Umstellung vom Walfang auf den wachsenden Ökotourismus könnte Island seine einzigartige Naturschönheit nutzen, um seine Wirtschaft anzukurbeln und die Meeresökosysteme zu schützen.
Walfang ist ein schlechtes Geschäft
Das wirtschaftliche Argument gegen den Walfang ist ebenfalls gewichtig: Walfang ist nicht nachhaltig. Island erzielt durch Walbeobachtung jährlich Millionen und zieht damit umweltbewusste Tourist:innen aus aller Welt an. Der Walfang hingegen trägt nur 0,79 Prozent zum Gesamtexportwert der isländischen Meeresprodukte bei und ist seit Jahren ein Verlustgeschäft. Angesichts wachsender Schulden und eines schrumpfenden Marktes ist Walfang weder wirtschaftlich sinnvoll noch ethisch vertretbar.
Lizenzen können angefochten werden
Übergangsregierungen sind nicht dazu befugt, solch weitreichende, kontroverse Entscheidungen zu treffen und der Vorwurf der unzulässigen Einflussnahme auf den Entscheidungsprozess könnte den Weg für rechtliche Schritte ebnen: Es besteht die Möglichkeit, die Lizenzvergabe anzufechten und rückgängig zu machen.
Islands eigene Gesetze, darunter das Tierschutzgesetz von 2014, erkennen Tiere als fühlende Wesen an und verlangen ihren Schutz vor Leid, Not, Angst und Schmerzen.
Island ist auch an internationale Verträge gebunden, wie das Walfang-Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) und das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES), das die Bedeutung der Erhaltung von Meeressäugetieren und des Schutzes gefährdeter Arten hervorhebt. Mit der Erteilung von Walfang-Lizenzen und der Fortsetzung der Walfleisch-Exporte nach Japan entscheidet sich die isländische Regierung, diese verbindlichen, internationalen Abkommen weiter zu missachten, was unter Umständen erhebliche rechtliche und diplomatische Folgen haben könnte.
Islands Moment, zu glänzen
Island steht vor einer historischen Entscheidung: Will es seinen umstrittenen Kurs fortsetzen oder eine nachhaltige Zukunft einläuten? Die neue Regierung kann den entscheidenden Schritt gehen, die Lizenzen zu annullieren und eine Ära des Walschutzes einzuleiten.
Die Zeit zum Handeln ist jetzt! Die Zukunft liegt in Islands Händen.
Wir bei WDC werden uns gemeinsam mit vielen Isländer:innen weiter für einen politischen Wandel einsetzen, bei dem Tier- und Umweltschutz ernstgenommen und Korruption oder das Ausnutzen von politischen Grauzonen endgültig abgeschafft werden.
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