Zum Inhalt springen
Rundkopfdelfine vor der Isle of Lewis, Schottland © Nicola Hodgins/WDC
Alle Blogbeiträge
  • Alle Blogbeiträge
  • Beifang
  • CBD
  • CITES
  • CMS
  • Delfinarien
  • Grüner Wal
  • High Seas Treaty
  • IWC
  • Meeresschutz
  • Plastik
  • Projekte
  • UNFCCC
  • Walbeobachtung
  • Walfang
Gruppe mit Ferngläsern an der Küste

Frostige Mission an Schottlands Küsten: Freiwillige erheben drei Winter lang Daten zum Schutz von Walen und Delfinen

Mehr über die Wale und Delfine zu erfahren, die entlang unserer Küsten leben, ist unerlässlich,...
Teilnehmer:innen des Workshops am Strand

Vom Fischfang zur Walbeobachtung: WDC-Workshop in El Salvador

Wale und Delfine in freier Wildbahn zu sehen, ist ein unvergessliches Erlebnis. Im besten Fall...
Statue eines Buckelwals mit Kalb in Taiji

WDC in Japan – Teil 6: Eine lehrreiche Reise

Auf meiner dreiwöchigen Reise durch Japan konnte ich mit vielen Menschen sprechen, mir die Walfleisch-Automaten...
Schweinswal, der als Beifang gestorben ist.

Stoppen wir jetzt die Grundschleppnetzfischerei!

Gemeinsam mit Patagonia fordern wir einen sofortigen Stopp der Grundschleppnetzfischerei in Meeresschutzgebieten und küstennahen Zonen....

WDC in Aktion: Den Geheimnissen der Rundkopfdelfine auf der Spur

Um Wale und Delfine zu retten, müssen wir ihre Lebensräume schützen. Die Gewässer um die Isle of Lewis, eine Insel der Äußeren Hebriden vor Schottland, sind ein wichtiger Lebensraum für Rundkopfdelfine. Unsere Bemühungen haben dazu geführt, dass sie zu einem Meeresschutzgebiet („Marine Protected Area“) erklärt wurden. Aber unsere Arbeit dort ist noch lange nicht beendet. Wir kehren jedes Jahr zurück, um diese bemerkenswerten Delfine zu studieren – denn umso besser wir sie verstehen, desto effektiver können wir sie schützen. Ein Blog von WDC-Wissenschaftlerin Nicola Hodgins.

In den späten 1990er Jahren wurden Rundkopfdelfine in den Küstengewässern um die Isle of Lewis viel häufiger gesichtet als jemals zuvor. Da sich die Delfine bis dato eher in küstenfernen Gewässern aufhielten, wussten wir nicht viel über sie. In Reaktion auf die vermehrten Sichtungen haben wir eine ganze Reihe wichtiger Forschungsarbeiten angestoßen und mitfinanziert. Als wir 2010 in die Region zurückkehrten, riefen wir das „Lewis Risso's Project“ ins Leben, um mehr über Verhalten und Lebensraum dieser Meeressäuger in Erfahrung zu bringen – eine wichtige Basis für ihren langfristigen Schutz. Wir haben festgestellt, dass dieses Gebiet für Rundkopfdelfine von entscheidender Bedeutung ist: Viele Individuen kehren jedes Jahr dorthin zurück, manche konnten wir fast in jedem Jahr sichten. Außerdem beobachteten wir eine beträchtliche Anzahl von Müttern mit jungen Kälbern, die sich in diesen geschützten Gewässer aufhalten.

In Zusammenarbeit mit anderen Nichtregierungsorganisationen, Küstengemeinden, Freiwilligen und WDC-Unterstützer:innen legten wir der schottischen Regierung unserer Forschungsergebnisse vor und forderten die Einrichtung eines Meeresschutzgebiets (MPA) rund um die Isle of Lewis, um die Rundkopfdelfine zu schützen. Im Jahr 2020 wurde unser Traum wahr und das Meeresschutzgebiet „Nordost-Lewis“ für Rundkopfdelfine (und Sandaale) wurde offiziell ausgewiesen. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Um einen sinnvollen Schutz zu gewährleisten, müssen die Maßnahmen auch tatsächlich wirksam sein und die Delfinpopulation somit langfristig überwacht werden.

Kormoran fliegt über Rundkopfdelfin
Rundkopfdelfin und Kormoran © Nicola Hodgins/WDC

Wen haben wir im Jahr 2023 gesehen?

Im letzten Sommer waren wir wieder auf dem Wasser, um nach Rückenflossen Ausschau zu halten – und wir wurden nicht enttäuscht. Wir trafen nicht nur auf einige bekannte und einige neue Individuen, sondern begegneten auch vielen anderen Arten. Unvergesslich wird für mich die Begegnung mit einer Gruppe von etwa 25 bis 50 Delfinen bleiben, die im Kielwasser unseres Bootes spielten und den freien Ritt auf unserer Bugwelle genossen. Delfine zu sehen, die mit solcher Begeisterung aus dem Wasser springen, zaubert mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht.

Doch auch einen der größten Wale durften wir bewundern – den mächtigen Finnwal! Bei fast perfekten Bedingungen wagten wir uns in tiefere Gewässer nahe der östlichen Grenze des Schutzgebiets, als wir einen riesigen „Blas“ (ausgeatmete Atemluft von Walen an der Wasseroberfläche) entdeckten. Vorsichtig näherten wir uns, schalteten die Motoren aus und ließen uns treiben. Innerhalb weniger Minuten tauchte der Gigant nur wenige Meter von unserem Boot entfernt auf, der riesige weiße Unterkiefer war knapp unter der Wasseroberfläche zu sehen. Ich bin Finnwalen schon früher begegnet, aber nicht in einem Boot, das kleiner war als der Wal. Als dieses majestätische Wesen um und unter unserem Boot schwamm, fühlten wir uns alle demütig und sehr klein.

Jeder Tag auf dem Wasser hielt für uns neue Freuden bereit: die Sichtung verschiedenster Großwal- und Delfinarien bis hin zu den unterschätzten kleinen Schweinswalen, die sich hier das ganze Jahr über aufhalten. Kegelrobben und Seehunde sind in diesen Gewässern ebenso zuhause wie eine Vielzahl von Seevögeln. Dieses Jahr konnten wir deutlich mehr Vögel beobachten. 2022 hatte die Vogelgrippe verheerende Auswirkungen auf unsere gefiederten Freunde und wir sahen mehr tote Basstölpel als lebende. Im letzen Jahr vollführten wieder unzählige von ihnen akrobatische Flüge am Himmel. 

Finnwal an der Wasseroberfläche
Finnwal vor der Insel Lewis, Schottland © Nicola Hodgins/WDC

Narben erzählen Geschichten

Aber zurück zu den Rundkopfdelfinen. Das Sammeln all dieser Daten bedeutet vor allem eines: viel zum Auswerten! Wenn wir Rundkopfdelfine entdecken, versuchen wir, so viele Fotos wie möglich von beiden Seiten ihrer Rückenflossen zu machen, denn das hilft uns, einzelne Tiere über die Jahre hinweg wieder zu erkennen. Ihre Narben sind einzigartig und verändern sich im Laufe der Zeit. Indem wir all diese Fotos bekannter Individuen in einem Katalog zusammentragen und sortieren („Foto-ID-Katalog“) können wir anfangen, die Geschichte ihres Lebens zu erzählen. 

Als wir 2010 mit der Arbeit begannen, beobachteten wir eine Gruppe von etwa 10 Delfinen, die alle stark vernarbt waren und viele Tage und Wochen miteinander verbrachten. Seitdem bin ich ihnen fast jedes Jahr wieder begegnet. Einige tragen neue Narben, andere sind durch das Alter weiß geworden, aber alle hängen immer noch zusammen herum und nennen diese Gewässer ganz eindeutig ihr Zuhause.

Es gibt noch so viel über diese faszinierenden Individuen zu lernen und in den kommenden Monaten werde ich die Daten der letzten 14 Jahre auswerten. Damit werde ich hoffentlich dazu beitragen können, einige der dringendsten Fragen zu beantworten, nämlich vor allem: Wer hält sich hier auf und warum?

Rundkopfdelfine © Sonja Eisfeld-Pierantonio
Rundkopfdelfine © Sonja Eisfeld-Pierantonio
Nicola Hodgins von WDC auf Forschungsboot
Nicola Hodgins von WDC erforscht Rundkopfdelfine schon lange © WDC

Die Bedeutung von Foto-Identifikation

Wir haben ein ähnliches Fotoidentifikationsprojekt mit Rundkopfdelfinen an der Nordostküste Schottlands, auf den Orkney- und Shetland-Inseln sowie am anderen Ende des Vereinigten Königreichs im Südwesten Englands durchgeführt. In Zusammenarbeit mit Freiwilligen, die uns freundlicherweise ihre Bilder zur Verfügung stellen, legen wir umfassende Fotokataloge der bekannten Arten an. Dank ähnlicher Erhebungen, die in den letzten 20 Jahren in den Gewässern von Nordwales durchgeführt wurden, verfügen wir nun auch über einen umfangreichen Katalog von Rundkopfdelfinen aus diesem Gebiet. Wir beabsichtigen, unsere Kataloge mit denen anderer Organisationen wie der Seawatch Foundation und dem Hebridean Whale and Dolphin Trust zu vergleichen, um noch mehr über diese bemerkenswerten Delfine zu lernen – rund um Schottland, aber auch ganz Großbritannien. So können wir sie und ihre Lebensräume auch in Zukunft zu schützen.

Das Meer und seine Bewohner sind das Herz und die Seele von WDC und ich freue mich sehr, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann, Rundkopfdelfine besser zu verstehen, ihre Bedeutung zu unterstreichen und letztendlich dafür zu sorgen, dass ihre Populationen gedeihen.

Folgen Sie WDC auf Social Media!

Mehr Nachrichten

Lesen Sie weitere News und Blogs aus der Welt der Wale und Delfine.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Über Nicola Hodgins

Policy Manager at WDC

Hinterlassen Sie einen Kommentar