Hohe Quoten, unermessliches Leid: Norwegens Walfang-Saison beginnt
Zum Start der Walfang-Saison in Norwegen hat die Regierung die Fangquote für Zwergwale erneut erhöht und auf insgesamt 1.641 Individuen festgesetzt.
Ab dem 1. April wird die norwegische Walfangflotte erneut in See stechen und Hunderte der hochintelligenten, empfindungsfähigen Wale töten, die eine entscheidende Rolle in den marinen Ökosystemen und in im Kampf gegen die Klimakrise spielen.
Diese Quote stellt eine Erhöhung gegenüber den Vorjahren dar – von 1.406 Walen im Jahr 2025 – und das, obwohl die Quoten nicht ausgeschöpft werden, die Nachfrage nach Walfleisch weiterhin sinkt und die öffentliche Besorgnis und Ablehnung der Jagd wächst. Norwegen betreibt weiterhin kommerziellen Walfang, da es formell Einspruch gegen das weltweite, kommerzielle Walfang-Verbot (Moratorium) der Internationalen Walfangkommission (IWC) erhoben hat. Das bedeutet, dass Norwegen die Quoten einseitig und ohne internationale Kontrolle festlegt.
Nun, da eine neue Saison beginnt, muss man sich fragen: Für wen ist diese Jagd eigentlich gedacht?
Im Widerspruch zur öffentlichen Meinung
Der Walfang in Norwegen wurde bislang als kulturelle Tradition dargestellt, als nachhaltig oder sogar notwendig, doch heute hat er zunehmend den Anschluss an die moderne norwegische Gesellschaft verloren.
Heutzutage essen nur noch sehr wenige Norweger:innen regelmäßig Walfleisch. Eine von Norwegens größter Tierschutzorganisation NOAH in Auftrag gegebene Umfrage aus dem Jahr 2024 ergab, dass nur ein Prozent der Norweger:innen häufig Walfleisch isst. Die Nachfrage ist nicht nur gering, sie nimmt weiter ab.
Vor allem für die jüngeren Generationen hat das Thema kaum Relevanz: Viele wissen gar nicht, dass in Norwegen noch immer kommerzieller Walfang betrieben wird, während andere ihn aus ethischen und ökologischen Gründen bereits aktiv ablehnen.
Der Widerstand wächst also spürbar: Die Umfrage von 2024 zeigt, dass mittlerweile jede:r dritte Norweger:in den Walfang ablehnt – vor wenigen Jahren war es noch jede:r Vierte. Ein weiteres Drittel ist unentschlossen, was verdeutlicht, wie dünn die öffentliche Unterstützung für diese Industrie geworden ist.
Unterschreiben Sie die internationale Petition gegen Walfang
Das verborgene Problem
Angesichts der geringen Nachfrage nach Walfleisch muss man sich fragen, was mit den getöteten Walen geschieht. Während ein Großteil des Fleisches nach Japan exportiert wird, ist ein weiterer großer Teil als "lokale Delikatesse" für Tourist:innen bestimmt. Urlauber:innen, die vor Ort Walfleisch probieren, tragen also dazu bei, dieses grausame und unnötige Töten aufrechtzuerhalten.
Walfleisch-Erzeugnisse landen jedoch nicht nur auf den Tellern der Menschen – sie finden außerdem Verwendung in der Produktion von Tierfutter. Norwegen folgt zwar den EU-Vorschriften für tierische Nebenprodukte, jedoch gelten diese nicht für Meeressäugetiere. Diese Gesetzeslücke hat sich das größte Walfang-Unternehmen des Landes, Myklebust, zu Nutze gemacht, um sich weitere Absatzmärkte zu erschließen. Produktion und Verkauf von Tierfutter mit Walfleisch verstoßen in Norwegen somit nicht gegen das Gesetz, der Verkauf in andere Länder ist jedoch unter CITES ausdrücklich verboten und illegal. Laut Behörden wurden in Finnland 2022 trotzdem rund 36 Tonnen illegal importiertes Walfleisch in Hundefutter nachgewiesen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies kein Einzelfall war.
Wenn Walfleisch in den Markt für Tiernahrung umgeleitet wird, deutet dies auf mangelnde Transparenz und unzureichende Gesetzgebung hin, wirft schwerwiegende rechtliche Fragen auf und lässt vermuten, dass die Branche trotz schwacher Nachfrage künstlich am Leben erhalten wird.
Zudem untergräbt dies eine der zentralen Rechtfertigungen für den Walfang – nämlich, dass er angeblich dazu dient, einen echten Bedarf für den menschlichen Verzehr zu decken.
Was die Daten offenbaren
Hinter der Rhetorik von Tradition oder Nachhaltigkeit verbirgt sich eine ganz andere Realität, die durch Norwegens eigene elektronische Meldesysteme an Bord der Walfang-Schiffe ans Licht kommt.
Die Analyse der Daten des Meldesystems aus den Jahren 2021 bis 2025 bietet einen seltenen Einblick in die tatsächlichen Abläufe der Walfang-Praxis. Die Ergebnisse sind zutiefst beunruhigend:
- 2.504 Zwergwale mussten in den Jahren 2021 bis 2025 ihr Leben lassen.
Norwegische Walfänger:innen töteten mehrere Hundert Wale pro Jahr. - Rund 40 Prozent aller jährlich getöteten Wale war schwanger.
Dass trächtige Weibchen besonders häufig zur Zielscheibe werden, ist kein Zufall: Sie halten sich oft in nahrungsreichen Küstenregionen sowie nahe der Wasseroberfläche auf und bewegen sich aufgrund ihres Zustands langsamer. - Die Jagd ist alles andere als human.
Im Durchschnitt waren 1,23 Harpunenschüsse erforderlich, um einen Wal zu töten. Das bedeutet, dass mindestens 22,8 Prozent mehr Schüsse abgegeben, als Wale getötet wurden – einschließlich der Schüsse, die ihr Ziel völlig verfehlten. - Die Wale erfahren unermessliches Leid.
Wir wissen zudem, dass jeder fünfte von einer Harpune getroffene Wal lange Zeit leiden musste, bevor er starb.
Der norwegische Walfang ist keine "saubere" oder effiziente Jagd, wie sie gern von Walfänger:innen dargestellt wird: Sie wirft ernsthafte Bedenken sowohl hinsichtlich des Wohlergehens der Wale als auch hinsichtlich der weitreichenden Auswirkungen auf die Wal-Populationen auf.
Ein Ausblick
In den kommenden Monaten werden wir unsere Arbeit vor Ort intensivieren, um die Realität der norwegischen Walfang-Praxis weiter aufzudecken:
- Beobachtung und Analyse der Walfang-Aktivitäten in Nordnorwegen im Sommer 2026
- Lieferketten und Endmärkte für Wal-Produkte untersuchen sowie Einleitung rechtlicher Schritte gegen die illegale Verwendung von Wal-Nebenprodukten in Tierfutter
Wir werden also weiter daran arbeiten, neue Beweise zu sammeln, damit die norwegischen Entscheidungsträger:innen und die Öffentlichkeit nicht mehr ignorieren können, was auf dem Meer geschieht.
Ich plane zudem, diesen Sommer erneut an der Arendalsuka, teilzunehmen − Norwegens größter politischer Bürgerveranstaltung. Dort werde ich Politiker:innen persönlich treffen und sie dazu drängen, Fragen zu dieser größtenteils immer noch im Verborgenen agierenden Industrie zu beantworten. Auch können wir bei der Arendalsuka unsere Partner:innen in Norwegen zusammenbringen, die sich gegen die Jagd aussprechen, und gemeinsam weiter Druck aufbauen.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen sicherstellen, dass Entscheidungen über Wale auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, ethischen Grundsätzen und dem öffentlichen Interesse beruhen – und nicht auf den Interessen einer Industrie, die darum kämpft, ihre eigene Existenz zu rechtfertigen.
Das Blatt wendet sich
Der Walfang in Norwegen wird zwar fortgesetzt, gerät jedoch zunehmend ins Abseits, wird kritisch hinterfragt und steht im Widerspruch zu modernen Werten.
Die öffentliche Meinung wandelt sich. Die Nachfrage geht zurück. Und neue Erkenntnisse werfen dringende Fragen darüber auf, wie die Branche hinter den Kulissen arbeitet.
Immer mehr Norweger:innen fragen sich, ob der Walfang noch in die Zukunft ihres Landes gehört. Viele sind noch unentschlossen, doch genau darin liegt unsere Chance etwas zu verändern.
Es geht nicht mehr nur um eine Debatte über Tradition oder Nachhaltigkeit, sondern um Verantwortlichkeit, Transparenz und die Art von Zukunft, die wir für Wale und für uns selbst gestalten wollen.
Ein Armband für Zwergwale
Gemeinsam mit Bracenet haben wir den Zwergwalen in Norwegen ein eigenes Armband aus Geisternetzen gewidmet. Sie finden es in unserem WDC-Shop.
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Die Fischerei sollte verboten u die Wal abschlart nur für das gut GELD diese Menschen haben keine Herz ❤ u sind primitiven.
Was in den Köpfen der Menschen vorgeht, die entweder Wale jagen oder sie essen, ist und bleibt ein Rätsel! Liegt denn das Artensterben, und dabei ganz besonders das der Wale, nicht auf der Hand?
Ich wünsche all diesen Menschen, die Fähigkeit, sich in die Wale reinversetzen zu können!
Schande über Norwegen! In der Ostesee wird alles unternommen um einen Buckelwal zu retten damit er in der Nordsee den Schlachtschiffen der Norweger zum Opfer fällt – ganz klasse! Schande über uns Menschen!
Wann begreifen wir kolkektiv, dass wir Menschen Gast sind! Die Schöpfung ist uns in allem überlegen und wir wagen ihre Ausbeutung? Ja, sie ist unser Versorger, aber das heißt nicht, dass wir alles essen müssen, dürfen, was sich bewegt!!!
Wo bleibt die Demut und wahrfafte Fürsorge?
Die Fragen sind endlos.Und so auch die Möglichkeiten, der Schöofung ein Diener zu werden.