Wärmere Meere, weniger Wale
Einer neuen Studie zufolge schrumpfen die Buckelwal-Populationen im Nordpazifik auf Grund des Klimawandels. Dabei hatten sich die Meeressäuger gerade erst von der kommerziellen Bejagung in der Vergangenheit erholt.
Ein internationales Team aus Forscher:innen unter der Leitung von Ted Cheeseman von der Southern Cross University in Australien wertete Sichtungsdaten von Buckelwalen im Nordpazifik aus den vergangenen 20 Jahren aus und kam zu dem Ergebnis, dass die Populationen der Meeresgiganten erneut schrumpfen.
Im Rahmen ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler:innen sämtliche Daten aus der Foto-Identifikation von Buckelwalen im Nordpazifik der Jahre 2001 bis 2021. Dabei arbeiteten sie mit 46 Organisationen und mehr als 4.000 so genannten “Bürger-Wissenschaftler:innen”, also interessierten Laien, zusammen. Diese Datensammlung ist bisher die größte und lückenloseste ihrer Art bei Walen.
Nachdem die Buckelwale des Nordpazifiks, wie beinah alle Großwalarten, in den 1970er Jahren durch den kommerziellen Walfang an den Rande des Aussterbens gedrängt wurden, belegen die Daten eine Erholung der nordpazifischen Populationen, mit einem Höchststand von schätzungsweise 33.500 Individuen im Jahr 2012. Diese ist vor allem dem Walfangmoratorium und weiteren Schutzgesetzen zu verdanken. Doch in den darauffolgenden neun Jahren haben die Populationen erneut um 20 Prozent abgenommen. Die Forscher:innen machen dafür die Hitzewelle in den Jahren 2014 bis 2016 verantwortlich. Durch die Erwärmung der Meere sei das Nahrungsangebot für die Buckelwale knapper geworden.
Schrumpfende Nahrungsquellen weltweit
Krill ist eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Bartenwale, zu denen auch Buckelwale gehören. Im Südpolarmeer, wohin zahlreiche Wal-Populationen im Polarsommer zur Nahrungsaufnahme wandern, ist das Krill-Vorkommen seit den 1980er Jahren jedoch um 30 Prozent zurückgegangen. Für den Pazifik und den Atlantik wird bis zum Jahr 2100 ein Rückgang um 16 bis 19 Prozent prognostiziert. Die Nahrungsknappheit führt dazu, dass die Meeressäuger weniger Fett speichern können und dadurch nicht mehr ausreichend Energie für ihre langen, saisonalen Wanderungen zur Verfügung haben. Es wurde beobachtet, dass viele Individuen die Wanderungen in die wärmeren Gewässer auslassen, die sie normalerweise zur Paarung aufsuchen. Dadurch werden immer weniger Jungtiere geboren, was die Erholung der Populationen beeinträchtigt.
Weitere Folgen der Ozeanerwärmung
Der WDC-Bericht "Whales in Hot Water" legt dar, wie verheerend die steigenden Temperaturen der Meere für die Wal- und Delfin-Populationen sind: Ihre natürlichen Lebensräume verändern sich so schnell, dass Arten miteinander konkurrieren müssen. Algenblüten setzen Toxine frei, die nun regelmäßig in toten Walen und Delfinen gefunden werden. Die Meeressäuger zeigen veränderte Verhaltensweisen, die sie in stark genutzte Gewässer treiben und dort das Risiko von fatalen Schiffskollisionen erhöhen. Ihr geschwächtes Immunsystem und ein erhöhter Energiebedarf macht sie anfälliger für Krankheiten.
Klimahelden unterwasser
Dabei sind Wale und Delfine unsere Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise: Durch ihr natürliches Verhalten tragen sie dazu bei, dass der Ozean zur Kohlenstoffsenke wird.
“Regierungen müssen sicherstellen, dass Walen und Delfinen ein sicherer Lebensraum zur Verfügung steht, auch mit Hinblick auf die Veränderungen ihrer Verbreitungsgebiete und ihrer Nahrungspräferenzen. Dabei müssen auch aktuelle Forschungsergebnisse in alle nationalen und internationalen meerespolitischen Planungen einbezogen werden. Nur so können Wale und Delfine langfristig ihre wichtige Funktion für die Gesundheit der Meere erfüllen”, sagt Tamara Narganes Homfeldt, Meeresbiologin bei WDC.
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