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© Flavio Gasperini
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Ein Ozean voll Hoffnung

Das Hochsee-Abkommen, das 95 Prozent der Erdfläche schützen soll, ist ein eindrucksvolles Beispiel globaler Zusammenarbeit.

Ed Goodall geht der Frage nach, wie wir dieses Übereinkommen erreicht haben und wie es jetzt weitergeht:

Letzten Sommer schrieb ich frustriert einen Blog über die Notwendigkeit, die Hochsee vertraglich zu schützen. Schon damals waren sich die Staats- und Regierungschefs einig, dass eine Zusammenkunft aller Nationen nötig ist, um diese riesigen Gebiete zu schützen. Zum Zeitpunkt meines letzten Blogbeitrags, befanden wir uns mitten in der fünften Verhandlungsrunde, die mit großer Verärgerung auf allen Seiten zu Ende ging. Wieder einmal hatten die beteiligten Länder keine gemeinsame Basis gefunden. Die Gespräche endeten in einer Pattsituation und der Termin für die Wiederaufnahme der Gespräche wurde verschoben. Währenddessen bewegten wir uns immer näher auf einen Kollaps von Klima und Biodiversität zu.

Den Ball flach halten

Die Entscheidungsträger:innen sind sich der wissenschaftlichen Realität dessen, was sie tun müssten, durchaus bewusst. Manchmal finde ich diese Verschwendung von kostbarer Zeit unerträglich. Doch dann, im Dezember, änderte sich etwas:

Die Länder der Welt versammelten sich in Montreal zu einer weiteren "COP" der Vereinten Nationen – zur COP15, die UN-Artenschutzkonferenz (Convention of Biological Diversity, CBD). Sie ist die "Schwester" der bekannteren Klima-COP; beide wurden auf dem Rio Earth Summit 1992 ins Leben gerufen.  China war für die Ausrichtung und Durchführung der COP15 verantwortlich. Aufgrund der Pandemie und der strikten Lockdowns des Landes wurde die Konferenz jedoch immer wieder verschoben – selbst nachdem viele Länder ihre Einschränkungen wieder lockerten. China war drauf und dran die Konferenz auf die lange Bank zu schieben, während die Erde in einer Krise steckt und uns die Zeit zum Handeln davonrennt. Das Sekretariat der UN-Artenschutzkonferenz hat ihren Sitz in Montreal und beschloss letztlich, die Konferenz in Montreal auszurichten, um den Fortschritt zu beschleunigen, da es keine Hoffnung gab, dass China kurzfristig die COP15 ausrichten würde.

In monatelangen, kurzfristig organisierten Sitzungen wurden verschiedene Textentwürfe für das globale Schutzabkommen zur biologischen Vielfalt erarbeitet. Abschnitte, auf die sich die Regierungsdelegierten nicht einigen können, werden in Klammern gesetzt und zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal besprochen. Aber jedes Mal wurde versucht, die in Klammern gesetzten Texte aufzuweichen. Klammern bedeuten keine Einigung. Klammern schinden Zeit. Klammern können bedeuten, dass eine weitere Art ausstirbt, bevor wir etwas tun. In Montreal saßen die Delegierten in fensterlosen Räumen, erschöpft von einer Reihe von Konferenzen zur Rettung der Welt. Draußen fiel der Schnee und drinnen versuchte man, die Klammern bestmöglich aufzulösen. Bis zu den letzten Tagen sah es so aus, als ob wir wieder einmal darauf zusteuern würden, das Problem auszusitzen und aufzuschieben.

Geschichte schreiben

Doch dann änderte sich etwas. Die Länder begannen, sich auf einen Text zu einigen, der von Chinas Präsident vorbereitet wurde. Die Auflösung der Klammern im Text führte dazu, dass die Delegierten auf einmal den Blick auf das große Ganze richteten, auf die gemeinsamen Elemente, die uns alle vereinen – die Notwendigkeit eines gesunden Planeten. Das Ergebnis war sicher nicht perfekt. Globale Vereinbarungen, die im Konsens getroffen werden müssen, sind das nie. Aber das "Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework", ein globales Rahmenwerk zum Schutz der Biodiversität, war geboren! Die Vereinbarungen waren vielleicht nicht so ehrgeizig, wie es sich viele NGOs und Aktivist:innen, inklusive WDC, gewünscht hatten. Aber sie waren mehr, als viele Länder jemals zuvor zugesagt hatten. Ich war bei diesem historischen Moment dabei und glaube bis heute, dass der Hammer, der am 19. Dezember 2022 in den frühen Morgenstunden fiel, einen Wendepunkt in der Geschichte darstellte.

Die Erde braucht unsere Hilfe.

Ehrgeizige Ziele

Die Delegierten kehrten in ihre Heimatländer auf der ganzen Welt zurück, entledigten sich für ein paar Tage ihrer formellen Kleidung und verbrachten Zeit mit ihren Lieben, während die Erde eine weitere Umlaufbahn die Sonne vollendete. 2023. Sieben Jahre, um die Welt zu retten. Es geht wieder los.

Montreal hatte der Welt neben vielen anderen ehrgeizigen Zielen die Aufgabe gestellt, bis 30 Prozent der Land- und Meeresflächen bis 2030 zu schützen und wiederherzustellen – das "30x30-Ziel". Das Problem war jedoch, dass dieses Ziel ohne ein Abkommen zum Schutz der Hochsee unerreichbar war. Darüber waren sich auch die Regierungen bewusst, sodass im Februar eine neue Verhandlung (bereits die fünfte!) über ein Hochseeabkommen in New York einberufen wurde. Die ersten Tage verliefen nach einem ähnlichen Muster wie in Montreal. Viele Klammern. Stundenlange Diskussionen über einzelne Wörter. Enttäuschung.

Ein Tropfen wird zum Ozean

Dann dieser kleine Tropfen Hoffnung. Ein Durchbruch. Die Klammern lösten sich. Aus dem Tropfen wurde ein Rinnsal, ein Bach, ein Sturzbach und dann ein Ozean. Plötzlich erschien ein Text. War das wirklich geschehen? Die Welt erkannte gemeinsam, dass eine Einigung möglich ist. Nach fast 20 Jahren. Eine ganze Generation von Gesprächen war nötig gewesen, um dieses Ziel zu erreichen. Aber nun gab es den Vertragstext zum Schutz von zwei Dritteln der Meere, der sogenannten Hochsee – 95 Prozent der Erdfläche. Das "High Seas Treaty", das Hochsee-Abkommen war beschlossen.

Wir haben beim Schutz der Meere und seiner Bewohner keine Zeit mehr zu verlieren. © Christopher Swann

Und jetzt?

Wir von WDC sind Teil der "High Seas Alliance" und haben uns lange für ein starkes und rechtlich bindendes Abkommen eingesetzt. Dank diesem können wir große Teile der Erdoberfläche, nämlich den Ozean und alles Leben darin, schützen – von den größten Walen bis hin zu den kleinsten Würmern. Der Vertrag selbst ist noch nicht in Kraft getreten. Er muss zunächst rechtskräftig gemacht werden – ein langwieriger und mühsamer Prozess, der wahrscheinlich bis 2025 dauern wird. Danach bleiben uns weniger als fünf Jahre, um den Planeten zu retten. Deshalb müssen wir uns vorbereiten!

Ein wichtiger Schritt wird die Einrichtung von Meeresschutzgebieten (MPAs), in Zusammenarbeit der Länder sein. Dabei müssen wir sicherstellen, dass die MPAs sinnvoll sind und keine Praktiken zulassen, die die biologische Vielfalt beeinträchtigen. Die Vorteile sind unstreitbar, denn das Leben kehrt in diese Gebiete zurück. Die Länder müssen jedoch sicherstellen, dass ihre Rechtsvorschriften mit denen des Vertrags übereinstimmen und Schlupflöcher beseitigen, die Missbräuche zulassen.

Eine Sache, bei der wir den Vertrag dringend brauchen, ist die Beeinflussung der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority). Sie muss ein Moratorium oder eine vorsorgliche Pause für den Tiefseebergbau erwirken. Denn der Tiefseebergbau löscht das Leben noch effektiver und schneller aus, als wir es ohnehin schon tun. Im Meeresboden werden riesige Mengen Kohlenstoff gespeichert, der sich folglich nicht mehr zu klimaschädlichem CO2 verbinden kann. Auch im Körper von Walen wird zeitlebens Kohlenstoff gespeichert – sterben sie, sinken ihre Körper auf den Meeresgrund. Dort werden die Kadaver von zahlreichen Tiefseeorganismen zersetzt, die den Kohlenstoff aufnehmen und weiter binden. Wale tragen also zur natürlichen Kohlenstoffsenke am Meeresgrund bei. Das geht aber nur, solange die Tiefsee als intaktes Ökosystem erhalten bleibt.

Die Uhr tickt immer lauter. Wenn man genau hinhört, kann man trotzdem den Ozean und seine Macht im Hintergrund anschwellen hören. Eine Macht, die nach Walgesang und Delfinklicks dröhnt. Ein Ozean, der nur darauf wartet, wieder zum Leben zu erwachen. Geben wir ihm wieder etwas Luft zum Atmen! Fangen wir mit 30 Prozent an. Mal sehen, wie weit wir diese Zahl nach oben treiben können, sobald die Welt erkennt, was wir gemeinsam erreichen können. Wenn wir erkennen, was auf dem Spiel steht.

[shariff]

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