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Walfang in Island: Gerichtsurteile gefallen

Kristján Loftsson, Geschäftsführer des Walfang-Unternehmens Hvalur hf., blickt auf einen 2022 erlegten Finnwal. Der Wal musste mit zwei Harpunen beschossen werden, bevor er seinem Todeskampf erlag. © Hard To Port
Kristján Loftsson, Geschäftsführer des Walfang-Unternehmens Hvalur hf., blickt auf einen 2022 erlegten Finnwal. Der Wal musste mit zwei Harpunen beschossen werden, bevor er seinem Todeskampf erlag. © Hard To Port

Die Gerichtbeschlüsse im Strafprozess gegen zwei Aktivistinnen sowie der Entschädigungsklage gegen Hvalur hf. wurden bekannt gegeben. Ob die Walfang-Flotten von Kristján Loftsson 2026 unter der geltenden Lizenz auslaufen werden, bleibt weiter unklar.

Das Bezirksgericht von West-Island hat sein Urteil im Verfahren gegen das isländische Walfang-Unternehmen Hvalur hf. gesprochen. Angestellte hatten Lohnauszahlungen trotz temporärer Walfang-Verbote in den Jahren 2023 und 2024 – verhängt durch die damalige Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir aufgrund von Tierschutzverstößen bei der Jagd – gefordert. Geschäftsführer Kristján Loftsson hatte gemeldet, dass das Unternehmen durch die Ausfälle im Zeitraum vom 1. Oktober 2023 bis 30. September 2024 umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro verloren habe und folglich bereits eingestellte Arbeiter:innen in diesen Jagd-Saisons nicht ausbezahlen könne. Anfang dieses Jahres fand der Gerichtsprozess für eine Entschädigungsklage gegen Hvalur hf. statt.

Das Gericht hat zwei Kläger:innen jeweils einen Monat Kündigungsfrist zugesprochen, sodass sie umgerechnet rund 14.500 Euro plus Zinsen als Lohnauszahlung erhalten. Zwei weitere Kläger:innen erhielten jedoch keine Entschädigung, da sie 2023 ihre erste Jagd-Saison begonnen hätten und daher keinen Anspruch auf die gleiche Kündigungsfrist hatten. Der isländische Gewerkschaftsverband VLFA bezeichnete das Ergebnis als wichtigen Teilerfolg, plant jedoch, die abgelehnten Ansprüche anzufechten. Der Gewerkschaftsführer kritisierte außerdem das Verhalten der ehemaligen Ministerin und wies darauf hin, dass das Hvalur hf. beabsichtigt, Schadensersatzforderungen gegen den isländischen Staat zu prüfen.

"Für die Debatte um den Fortbestand des isländischen Walfangs ist dieses Urteil wichtig: Es zeigt, dass die Regierung nicht automatisch Schadenersatz zahlen muss, wenn sie eine Walfang-Saison stoppt oder verzögert. Es bleibt bei einem Einzelfall-Urteil, sehr eng bezogen auf Details einzelner Arbeitsverträge und Arbeitsrecht. Das Gericht hat nicht über die Legitimität des Walfangs entschieden und auch nicht anerkannt, dass die Regierung generell schuldhaft gehandelt hätte. Das schwächt also die Erzählung des Walfang-Lagers, dass die Regierung grundsätzlich Schadenersatz schuldet, wenn sie die Jagd reguliert."

Luke McMillan, Leiter des Bereichs Jagd und Gefangenschaft bei WDC

Auch das Urteil des Bezirksgerichts von Reykjavík im Strafprozess gegen die beiden Aktivistinnen Elissa Phillips und Anahita Sahar Babaei liegt nun vor. Im September 2023 hatten Phillips und Babaei die Masten zweier Walfangschiffe von Hvalur hf. erklommen, um gegen die Wiederaufnahme der Jagd zu protestieren. Sie wurden wegen Hausfriedensbruchs und Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen schuldig gesprochen, zu jeweils umgerechnet rund 1.400 Euro Geldstrafe verurteilt und verpflichtet, sämtliche Gerichtskosten zu tragen – insgesamt rund 28.650 Euro. Ihre Verteidigung bestätigte, dass eine Berufung erwogen wird.

Walfang-Lizenz im Niemandsland

Trotz anhaltender Proteste in der isländischen Bevölkerung wurden die auslaufenden Walfang-Lizenzen Ende 2024, unter suspekten Machenschaften innerhalb der damaligen Übergangsregierung, erneuert. Hvalur hf. ist demnach rechtlich befugt, bis 2030 jährlich 201 Finnwale zu töten. Jedoch blieb Loftssons Walfang-Flotte 2025 im Hafen. Grund dafür ist der sinkende Absatzmarkt, unter anderem da Japan als Hauptabnehmer für isländisches Finnwal-Fleisch im Jahr 2024 selbst die Jagd auf Finnwale aufnahm.

Unterdessen wurde der Befund der isländischen Lebensmittel- und Veterinärbehörde von 2023, dass die Walfang-Methoden gegen das isländische Tierschutzrecht verstoßen, nie offiziell geklärt. Die daraufhin verhängte Aussetzung wurde aufgehoben, ohne dass Belege dafür vorlagen, dass sich die Bedingungen verbessert hätten. Die Tierschutzprobleme, die zu der Aussetzung geführt hatten, bleiben ungelöst.

Islands derzeitige Ministerin für Industrie und Handel, Hanna Katrín Friðriksson, hat öffentlich erklärt, dass der Walfang enden sollte und nach keinem Maßstab nachhaltig sei. Ein Gesetzesentwurf zum Verbot des kommerziellen Walfangs sollte in dieser Legislaturperiode ins Parlament eingebracht werden – er ist jedoch nicht erschienen. Die Ministerin spricht nun von Herbst 2026.

"Die Regierung sagt, der Walfang solle enden. Der Markt ist zusammengebrochen. Die Schiffe liegen still. Doch die rechtliche Ermächtigung, jährlich 201 Finnwale zu töten, besteht weiterhin, und Loftsson hat öffentlich die Hoffnung geäußert, dass sich die Marktbedingungen bis 2026 ausreichend verbessern, um die Jagd wieder aufzunehmen. Damit befindet sich die Lizenz in einem politischen Niemandsland. Das ist bedeutsam, denn eine Lizenz ist nicht bloß symbolisch: Solange sie existiert, kann der Walfang jederzeit während der sommerlichen Jagdsaison ohne weitere Regierungsentscheidung wieder aufgenommen werden. Das einzige Hindernis ist wirtschaftlicher Natur, nicht rechtlicher oder politischer."

Luke McMillan, Leiter des Bereichs Jagd und Gefangenschaft bei WDC

Island bleibt eines von nur drei Ländern – neben Norwegen und Japan – die kommerziellen Walfang trotz des Moratoriums der Internationalen Walfangkommission (IWC) von 1986 betreiben. Gemeinsam mit Partner-NGOs hat WDC als "End Commercial Whaling Commission" am 15. Februar, zum Welt-Wal-Tag, eine weltweite Petition gestartet, um ein Ende der Jagd zu fordern. Der Appell richtet sich sowohl an die verbleibenden Walfang-Nationen als auch an die weiteren Mitgliedsländer, die aufgefordert werden, ihre Haltung gegen den Walfang zu bekräftigen. Die Unterschriften sollen bei der nächsten IWC-Tagung im September 2026 an das Sekretariat übergeben werden.

Petition gegen kommerziellen Walfang

Unterstützen Sie unsere Forderung nach einem Ende des kommerziellen Walfangs, im Rahmen der nächsten IWC-Tagung, mit Ihrer Unterschrift.

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