Marineland, Kanada: Belugas könnten in die USA umziehen
Berichten aus Kanada zufolge hat der geschlossene Meerespark Marineland Ausfuhrgenehmigungen beantragt, um die verbleibenden Wale und Delfine in Einrichtungen in den USA zu überführen. Andernfalls, so heißt es, drohe die Tötung der 30 Belugas und vier Delfine, die sich derzeit in der Anlage befinden. Die Einzelheiten des geplanten, dringenden Umzugs wurden der US-Bundesregierung vorgelegt, die nun über die Anträge entscheiden muss.
Kontroversen und finanzielle Schwierigkeiten plagen Marineland seit vielen Jahren. Der Park schloss im Spätsommer 2024 seine Pforten für die Öffentlichkeit und versucht seitdem, das Gelände zu verkaufen. Allein in den letzten zwei Jahren sind mehrere Wale und Delfine in der Anlage gestorben.
Marineland wollte die Belugas ursprünglich in dem Themenpark Chimelong Ocean Kingdom in Zhuhai, China, unterbringen. Die kanadische Regierung äußerte Bedenken hinsichtlich der Behandlung der Wale in dieser Einrichtung. Sie verweigerte daher die Ausfuhrgenehmigung mit der Begründung, dass es nach kanadischem Recht inzwischen illegal sei, Wale und Delfine zu Unterhaltungszwecken zu missbrauchen, und dass eine Ausfuhr in eine Einrichtung, die Meeressäuger ebenfalls zu diesem Zweck benutze, nicht genehmigt werden könne.
Neuesten Berichten zufolge plant Marineland nun, die verbleibenden Belugas und auch die verbleibenden Großen Tümmler an SeaWorld sowie an das Georgia Aquarium, das Shedd Aquarium und das Mystic Aquarium in den USA zu übergeben. In der Vergangenheit hatte das Delfinarium bereits einige Individuen in die USA gebracht. Inzwischen gab die kanadische Fischereiministerin bekannt, dass die Ausfuhrgenehmigungen unter Vorbehalt erteilt wurden. Es fehlen jedoch noch Informationen seitens Marineland für die endgültigen Genehmigungen. Danach sind noch weitere Hürden auf US-Seite zu nehmen, um Einfuhrgenehmigungen für die Belugas zu erhalten.
Ein Meeresrefugium in Nova Scotia wurde lange als Alternative für die Belugas diskutiert, jedoch ist das Projekt noch in der Entstehung und könnte maximal zehn der 30 Belugas aufnehmen.
"Solange die Belugas nicht in Marineland verbleiben können, müssen sie aufgeteilt werden. Egal, wohin sie gebracht werden – ob in ein Refugium oder ein anderes Delfinarium – die Trennung von ihrer Gruppe und der Transport bedeutet für die sozialen Meeressäuger enormen Stress. Die traurige Wahrheit ist, dass es keine ideale Lösung für alle 30 Belugas geben wird, denn der Grundstein für das Problem wurde vor Jahrzehnten gelegt. Marineland hat die Belugas jahrelang gezielt gezüchtet, sodass eine große Gruppe entstanden ist. So konnten die Betreiber:innen des Parks sicherstellen, weiterhin von der Gefangenschaftshaltung der Meeressäuger zu profitieren. Jetzt, da der Park geschlossen ist, haben die Verantwortlichen aber keine Lösung für die 30 Individuen."
Tamara Narganes Homfeldt, Koordinatorin für den Ausstieg aus Delfinarien bei WDC
Update 11.06.26 | Das zuständige kanadische Ministerium hat den Transport der 30 Belugas in vier Einrichtungen in den USA und nach Valencia (Spanien) genehmigt. Vor der Ausreise aus Kanada müssen allerdings alle Individuen noch medizinisch untersucht werden. Außerdem fehlen aktuell noch die nötigen Import-Genehmigungen der USA und Spaniens und dann eine finale Absegnung der kanadischen Regierung. .
Update 25.06.26 | Die Genehmigungen für den Transport von 28 der 30 Belugas in die USA liegen nun vor. Zwei Belugas (Cleopatra und Jellybean) sollen nach Spanien gebracht werden, hierfür gibt es momentan noch keine offizielle Bestätigung seitens der spanischen Behörden oder der Einrichtung in Valencia.
Wussten Sie ...?
... dass weltweit aktuell ungefähr 300 Belugas in Gefangenschaft leben müssen?
Folgen Sie WDC auf Social Media!
Folgen Sie WDC auf Social Media!
Mehr Nachrichten
Lesen Sie weitere News und Blogs aus der Welt der Wale und Delfine.
Zoo Beauval verwirft Pläne für ein neues Delfinarium in Frankreich
Diese Woche gab der Direktor des Zoos Beauval bekannt, dass er den Bau des neuen Delfinariums unter anderem aus Kostengründen abbrechen wird.
Ungewisse Zukunft für Norwegens Walfang?
Dank Ihrer Unterstützung konnte Lottie von WDC auch in diesem Jahr wieder an der Arendalsuka-Konferenz in Norwegen teilnehmen.
Delfine setzen auch an der Ostküste Australiens Muscheln zur Jagd ein
Wie Forschende nun belegen konnten, nutzen auch Große Tümmler an der südöstlichen Küste von Australien Muscheln, um Fische zu fangen.
Beifang von Schweinswalen: Wo Deutschland nachbessern muss
In ihrem Blog erläutert WDC-Expertin Marine, weshalb Beifang für Schweinswale so gefährlich ist und wo Deutschland im Walschutz nachbessern muss.
„Beneath the surface“: Neuer WDC-Bericht enthüllt das Leid der Wale in Norwegen
Die Analyse offizieller Daten stellt die Konformität des norwegischen Walfangs mit Tierwohl und Nachhaltigkeit grundlegend infrage.
Belgien bestätigt Aus für Delfinarien bis 2037
Ab 2037 wird es in Belgien keine Delfine in Gefangenschaft mehr geben. Das letzte Delfinarium muss bis dahin schließen, die Regierung genehmigte einen Auslaufplan.
Orca-Interaktionen vor Gibraltar
Seit 2020 kommt es vor der Straße von Gibraltar zu Interaktionen zwischen Iberischen Orcas und Segelbooten. WDC fasst die Ereignisse zusammen.
