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Schutz für Wildtiere ist Klimaschutz

Ed Goodall

Ed Goodall

Ed leitet bei WDC den Bereich zwischenstaatlicher Zusammenarbeit. Er trifft sich mit globalen Entscheidungsträger:innen, um den Schutz von Walen und Delfinen zu erhöhen und schädliche, menschliche Einflüsse auf die Natur zu reduzieren.

Wildtier-Populationen, darunter auch Wale und Delfine, spielen eine bedeutende Rolle für die Lösung der Klimakrise. Alles Leben auf der Erde ist miteinander verbunden – deshalb sind wir auf gesunde Ökosysteme angewiesen und müssen sie schützen. Bei zwei bedeutenden Konferenzen habe ich unseren Verbündeten im Meer eine Stimme gegeben, während die Welt-Politiker:innen über unsere Zukunft diskutierten.

Als die Blätter in Großbritannien zu welken begannen und von ihren Zweigen fielen, machte ich mich auf den Weg in die warme, grüne und lebendige Landschaft Kolumbiens. Der Flug von Bogotá nach Cali war eine wichtige Erinnerung daran, was wir an Land zu verlieren haben – hohe Berge, die in Wälder übergehen, die wiederum von selbst geschaffenen Wolken bedeckt sind und vor Artenreichtum strotzen.

Ich war auf dem Weg zur CBD COP16 – der 16. Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, kurz COP) zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention of Biological Diversity, kurz CBD). Die Tagungen finden alle zwei Jahre statt und zielen darauf ab, Entscheidungen darüber zu treffen, wie die biologische Vielfalt der Erde bewahrt werden kann. Dies war die erste COP, seit das „Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework“, das erste globale Rahmenabkommen für den Schutz der biologischen Vielfalt, 2022 in Montreal vereinbart wurde. Das Abkommen legt einen ehrgeizigen Plan vor, wie die Länder sich zum Schutz der Arten vereinen und die Biodiversität der Erde erhalten können. Bei der COP16 gab es viel zu klären – insbesondere wie sich die vielen Pläne und Verpflichtungen umsetzen lassen, wie sich der Erfolg der gesteckten Ziele messen lässt und wer für die Finanzierung all dieser Maßnahmen bis 2030 verantwortlich ist.

Zusammen sind wir stärker

Uns mit Tieren zu umgeben, tut unserer Seele gut und sie sind weit mehr als eine „Nahrungsquelle“ – vor allem anderen sind sie für einen nachhaltigen und funktionierenden Planeten unerlässlich. Unser Fokus bei der COP16 lag deshalb auf dem Tagungsthema „Klima und Biodiversität“: Uns war es besonders wichtig sicherzustellen, dass Wale, Delfine und andere Wildtier-Arten als Teil der Lösung der Klimakrise anerkannt werden. Als Mitglied des Netzwerks „World Federation for Animals“ hat WDC an einem Positionspapier mitgearbeitet, das Regierungen notwendige politische Handlungen vorstellt, um den Schutz von Wildtier-Populationen im Rahmen des Biodiversitäts-Abkommens zu priorisieren.

Schutz für Wildtiere ist Klimaschutz

Zum ersten Mal wurde bei der Biodiversitäts-Konferenz die Rolle von Tieren in Ökosystemen anerkannt: Gesunde Wildtier-Populationen (dazu zählen auch Wale, Delfine und Schweinswale) sind essenziell, um empfindliche Lebensräume widerstandsfähig gegenüber Klimaveränderungen zu machen und Kohlenstoff zu binden. Damit wurde eine wichtige Brücke zwischen zwei bedeutsamen Konventionen für den Arten- und Klimaschutz – der CBD und der UNFCCC – geschlagen. Zuvor wurde die Bedeutung von Wildtier-Populationen auch durch die Internationale Walfangkommission (IWC) und die Convention on the Conservation of Migratory Species (CMS) anerkannt. Dies sind entscheidende Erfolge, um die Herausforderungen der Klima- und Biodiversitätskrise zu meistern und in einem ganzheitlichen Ansatz anzugehen.

Weniger erfolgreich endete die Biodiversitäts-Konferenz hingegen im Punkt Finanzierung: Die Verhandlungen des Abschlusstages dauerten bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Es kam zu keiner Einigung, wie die Finanzierung der Schutzmaßnahmen gesichert werden kann – insbesondere in den Ländern, die am wenigsten zum Verlust der Artenvielfalt beigetragen haben. Einige Länder verhinderten eine Einigung durch eine Blockadehaltung: Sie waren ganz klar gewinnorientiert und priorisierten wirtschaftliche Interessen. Das Wichtigste ist jedoch geschafft: Die Pläne stehen. Die Notwendigkeit, Wildtier-Populationen in Klimaschutzstrategien mitzudenken, wurde anerkannt.

Die Tagung in Cali, Kolumbien war die größte Biodiversitäts-COP aller Zeiten, mit Tausenden von Teilnehmer:innen – darunter Unternehmen, Investor:innen, Regierungsdelegierte, NGOs, Jugendgruppen, Aktivist:innen, Vertreter:innen der indigenen Völker und lokale Gemeinschaften. Sie alle versuchten, die Natur in den Mittelpunkt ihrer Pläne zu stellen – sie alle wissen, dass wir die Natur schützen müssen, um unser eigenes Leben auf der Erde zu sichern. 2025 wird es ein Nachfolgetreffen der COP16 geben, um die noch offenen Punkte zu klären.

Grindwale © Christopher Swann
Wir müssen die Meere renaturieren, sodass sich Wal-Populationen erholen können. © Christopher Swann
Unsere Botschaft ist nicht zu überhören

Da die Vereinten Nationen wenig Rücksicht auf unsere Kalenderplanung nehmen, trat ich nur eine halbe Woche nach der COP16 meine Reise auf die andere Seite der Welt an – auf nach Baku, Aserbaidschan. Bei der UNFCCC COP29 handelt es sich um die 29. Vertragsstaatenkonferenz zum „Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen“ (United Nations Framework Convention on Climate Change, kurz UNFCCC). Allgemein ist sie einfach als „Klimakonferenz“ bekannt, die einmal im Jahr stattfindet.

Von Kolumbien nach Aserbaidschan: Ein drastischer Temperatur- und Kulturwechsel, begleitet von Reinigungstrupps, die dafür sorgten, dass in Baku kein einziges Blatt auf dem Boden lag und Straßenlaternen jeden Morgen gewaschen wurden. Statt entspannter Atmosphäre und umgeben von Grün, befand ich mich nun in einem komplett geschlossenen Veranstaltungsgebäude ohne Fenster, in grauem Farbschema. Nicht gerade die Umgebung, die Leidenschaft und Energie für mehr Klimaschutz entfacht.

Wir schlossen uns erneut mit den Netzwerken „World Federation for Animals“ und „Eurogroup for Animals“ zusammen und veranstalteten eine Ausstellung direkt am Eingang des Konferenz-Areals. Bunt gestaltete Poster und ein eingespieltes Team unseres NGO-Zusammenschlusses sorgten dafür, dass die Regierungsdelegierten auf ihrem täglichen Weg zu den Verhandlungen nicht vergessen konnten, wie wichtig Wildtiere für den Klimaschutz sind.

Ed Goodall am Infostand bei der COP29. © WDC
Hier bin ich an unserem Infostand bei der COP29, um Regierungsdelegierte daran zu erinnern, dass der Schutz von Wildtieren Klimaschutz bedeutet.

Ein bisschen wie bei der Biodiversitäts-COP, von der ich gerade kam, ging es bei dieser Klima-COP hauptsächlich um Finanzen. Einkommensschwache und -mittlere Länder setzten sich dafür ein, dass angemessene Mittel bereitgestellt werden, um sich an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen und auf grünere Technologien umsteigen zu können. Trotz der Tatsache, dass die Klimakrise fast ausschließlich von den reichen Nationen verursacht wurde, die seit Jahrhunderten auf fossile Brennstoffe setzen, sind die Entscheider:innen dieser Nationen nicht wirklich daran interessiert, denjenigen zu helfen, die unter den Folgen leiden. Die COP29 war weitgehend von dieser Realität gelähmt.

Wir ließen uns davon aber nicht entmutigen, sondern hielten an unserer Mission fest, sicherzustellen, dass Wale, Delfine und sämtliche anderen Wildtiere beim Klimaschutz priorisiert werden. Mit dem Netzwerk „World Federation for Animals“ haben wir bei einer Pressekonferenz während der COP29 erstmals die Online-Plattform „Animals For Climate“ vorgestellt.

Ed Goodall bei der Pressekonferenz während der COP29.
Das Team der World Federation for Animals bei der Pressekonferenz.
Die Pressekonferenz bei der COP29.

Es ist mein Job, Sie sowie Wale und Delfine bei diesen hochrangigen Treffen zu vertreten, bei denen Entscheidungen getroffen werden, die unsere gemeinsame Zukunft beeinflussen.

Dieses Tool (im Video erklärt) zeigt, wie sich Schutzmaßnahmen für Wildtiere positiv auf Klimaschutzstrategien auswirken. Es stellt praktikable Maßnahmen vor, mit denen Regierungen Wildtier-Populationen effektiv schützen und zu ihrer Erholung beitragen können. Der Ozean war einst voller Leben. Korallenriffe blühten, es gab unzählige Fische – und vor dem industriellen Walfang im 20. Jahrhundert schwammen rund drei Millionen mehr Wale in den Meeren als heute. Neben der Pressekonferenz sprachen wir auch bei weiteren Veranstaltungen während der COP29 über die Notwendigkeit, den Ozean wieder zu „renaturieren“, indem wir ihm erlauben, sich zu erholen und erneut mit Leben zu füllen.

Wir werden nur lauter

Die COP29 endete mit einem Finanzabkommen, das rund 280 Milliarden Euro pro Jahr bereitstellt. Damit sollen Menschen unterstützt werden, die unter den Folgen des Klimawandels leiden – beispielsweise um Infrastrukturen zu entwickeln, die Auswirkungen von Extremwetterereignissen reduzieren. Außerdem sollen Menschen mit „klimaschädlichen Jobs“ (z.B. in der fossilen Brennstoffindustrie) darin unterstützt werden, neue „klimafreundliche Jobs“ zu finden – damit es beim Umstieg auf erneuerbare Energien zu keiner übermäßigen Arbeitslosigkeit kommt. Diese Summe wird auf alle hochentwickelten Länder wie die USA, die EU und Großbritannien verteilt.

Im Vergleich zum Jahresbudget, das z.B. das US-Militär zur Verfügung hat (rund 756 Milliarden Euro), wirkt der Betrag klein und könnte angesichts der globalen Klimakrise deutlich höher ausfallen. Doch tatschlich ist nicht das Geld das Problem – vielmehr fehlt es den Ländern an Ambitionen, die notwendigen Maßnahmen anzugehen.

Unser kleines, aber mächtiges NGO-Netzwerk ist jedoch wie ein rollender Schneeball. Wir finden immer wieder inspirierende neue Verbündete, wenn wir an diesen Konferenzen teilnehmen. Sie alle helfen dabei, das Lied der Wale, das Heulen der Wölfe und das Trompeten der Elefanten zu einer unüberhörbaren Kakophonie vor den Türen des Konferenzgebäudes zu machen. Wale, Delfine und all ihre entfernten Verwandten sind Teil der Lösung. Sie sind die Bausteine, die die Welt geformt haben, in der wir Menschen uns immer weiter entwickeln konnten. Aber unsere Handlungen haben das Haus, in dem wir aufgewachsen sind, zerstört. Wir müssen jedes Teil sorgfältig aufheben, pflegen und sanft zurücklegen. Wir machen Fortschritte. Wir können den Wind drehen und uns der friedlichen Koexistenz mit der Natur wieder annähern. Wir haben keine andere Wahl. Die Natur wartet darauf, uns zu helfen, wir müssen nur diese kritische Masse erreichen – denjenigen, die die Entscheidungsmacht und die finanziellen Mittel haben, den „Aha-Moment“ der einfachsten Logik einzuläuten.

Doch jetzt brauche ich erstmal eine kleine Pause von diesem Konferenz-Marathon und einen Energieschub, bevor ich 2025 erneut in den Kampf ziehe.

 

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