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Foto ID Team in Oosterschelde © M. Kaldenberg

Schweinswale, Niederlande

WDC unterstützt die Forschung der niederländischen Organisation Stichting Rugvin zu Schweinswalen und der Bedeutung ihrer Ausscheidungen für den marinen Nährstoffkreislauf.

In der Forschung zur Bedeutung von Wal-Kot für ein gesundes Ökosystem im Meer wurden bisher überwiegend Großwale, wie Buckelwale, untersucht. Indem sie regelmäßig an die Wasseroberfläche schwimmen und dort Kot und Urin ausscheiden, düngen sie das Phytoplankton (kleinste Meerespflanzen in den oberen Wasserschichten) mit Nährstoffen. Wie Pflanzen an Land, betreibt das Phytoplankton im Meer Photosynthese: Es nimmt CO aus der Atmosphäre auf und wandelt es in Sauerstoff (O) und Kohlenstoff (C) um. Der Kohlenstoff wird in den Pflanzenzellen gespeichert und bleibt über die Nahrungskette im Meer gebunden. Der Sauerstoff wird an die Umgebung abgegeben und versorgt die Meeresbewohner. Als "Gärtner der Meere" übernehmen die Großwale mit ihren Ausscheidungen somit eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz und der Gesunderhaltung der Meere. Inwiefern auch Kleinwalen diese Rolle zugeschrieben werden kann, wurde 2021 bei einem Workshop der Internationalen Walfangkommission IWC und dem Übereinkommen über die Erhaltung der wandernden wildlebenden Tier-Arten (kurz CMS - „Convention on the Conservation of Migratory Species“) international als Wissenslücke deklariert.

 

Im Labor

Stichting Rugvin leistet Pionierarbeit, indem sie erstmals die Bedeutung des Kots von Kleinwalen für die Meeresumwelt untersucht − stellvertretend die Ausscheidung von Gewöhnlichen Schweinswalen 

Der Schweinswal ist der kleinste heimische Wal Europas und kommt unter anderem in der Nordsee und in küstennahen Gebieten wie der niederländischen Oosterschelde vor. Trotz seiner Verbreitung ist über seine ökologische Rolle noch vergleichsweise wenig bekannt. Genau hier setzt das Rugvin-Projekt an. 

Die Forschungsarbeit soll Aufschluss darüber geben, zu welchem Grad auch kleinere Meeressäuger in den Küstengewässern zu einem ausgewogenen Nährstoffhaushalt und letztlich zur Klimastabilität beitragen.  

Laborarbeit © Stichting Rugvin
Laborarbeit © Stichting Rugvin
Kleine Tiegel mit Schweinswal-Kot in unterschiedlicher Konsistenz auf Labor-Regal
Schweinswal-Kot in unterschiedlicher Konsistenz © Lynn van Boheemen/Rugvin-Foundation

Mit Hilfe von Kotproben von verstorbenen gestrandeten Schweinswalen kann der Effekt der im Kot enthaltenen Nährstoffe auf das Phytoplankton in Meerwasserproben untersucht werden. Im Labor wird das Meerwasser mit unterschiedlichen Konzentrationen von Schweinswal-Kot versetzt. Anschließend wird untersucht, wie sich das Phytoplankton entwickelt. Außerdem werden die verschiedenen Nährstoffkonzentrationen innerhalb von Schweinswal-Kot analysiert. Auf Grundlage aller Ergebnisse wollen die Forschenden am Ende modellieren, wie und zu welchem Grad Schweinwale aktiv zur Nährstoffverteilung im Meer beitragen.   

Neben Laboranalysen ist die Feldforschung ein zentraler Bestandteil des Projekts. Im niederländischen Teil der Nordsee zwischen Antwerpen und Rotterdam beobachtet das Rugvin-Team regelmäßig Schweinswale, um mehr über ihre Verbreitung, Population und natürliche Verhaltensweisen herauszufinden und so Empfehlungen für Schutzmaßnahmen ableiten zu können. Diese Arbeit erfordert Geduld, Erfahrung und gutes Timing – denn die Meeressäuger sind scheu und Sichtungserfolge sind in der rauen Nordsee sehr wetterabhängig.

Feldforschung: Schweinswale beobachten, dokumentieren und verstehen

Frank Zanderink, Geschäftsführer von Stichting Rugvin, und sein Team sind regelmäßig in der Oosterschelde, einem Meeresarm in der niederländischen Provinz Zeeland, unterwegs, um Schweinswale in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten und wichtige Daten über die Population zu sammeln. 

Dabei dokumentieren die Forschenden: 

  • Sichtungen einzelner Schweinswale und ihre Aufenthaltsorte  
  • Verhalten an der Wasseroberfläche, von Ruhephasen über Wanderungsbewegungen bis hin zur Jagd auf Beute 
  • Gesundheitszustand der Individuen 
  • Entwicklung der Population: Anzahl von Neugeborenen bzw. Mutter-Kind-Paaren 

Die Foto-Identifikation ermöglicht es, Schweinswale anhand kleiner äußerer Merkmale wie Narben oder Kerben zu unterscheiden. So kann das Team verfolgen, welche Individuen regelmäßig in der Region unterwegs sind – und wie es der Population insgesamt geht. Foto-ID-Kataloge von Schweinswalen sind sehr selten; in der Oosterschelde begünstigen die geographischen Gegebenheiten und eine recht sesshafte Population diese Forschungsmethode jedoch.

Warum ist diese Forschung so wichtig? 

Das Rugvin-Projekt soll eine wichtige Wissenslücke schließen und den Blick auf die ökologische Bedeutung von Schweinswalen erweitern, denn: 

  • Phytoplankton bindet CO und spielt eine Schlüsselrolle im globalen Klimasystem 
  • kleine Wal-Arten wurden in diesem Zusammenhang bisher kaum erforscht  
  • Schweinswale könnten aktiv zur Nährstoffverteilung im Meer beitragen 

Indem erforscht wird, welche Bedeutung Schweinswale für den Meeres- und Klimaschutz spielen, können auch noch stärkere Argumente und Empfehlungen für ihren Schutz abgeleitet werden.

Ergebnisse & Erfolge: 

  • Erste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Schweinswal-Kot das Wachstum von Phytoplankton fördert, dieses Wachstum aber von der Zusammensetzung der Phytoplankton-Arten und den vorhandenen Nährstoffen abhängig ist. Deswegen wird im nächsten Schritt das Augenmerk auf der Nährstoff-Analyse des Kots liegen. 
  • Auf der European Cetacean Society Conference hat WDC einen Expert:innen-Workshop initiiert, der die Grundlage für eine internationale Wal-Kot-Datenbank legt. Ziel: Kotproben von Walen und Delfinen weltweit für Forschung zugänglich zu machen – um ihre Rolle im Ökosystem besser zu verstehen und Schutzmaßnahmen zu verbessern. 

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Springender Schweinswal. © Chrys Mellor

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