Schweinswalschutz: Neues Forschungsprojekt in der Ostsee gestartet
Unter der Leitung des Deutschen Meeresmuseums startet mit CUMBIAH (Conservation Union for Management of the Baltic Harbour Porpoise Populations and Their Habitat) ein internationales Forschungsprojekt zum Schutz der Schweinswale in der zentralen Ostsee und der Beltsee. Ziel ist es, verlässliche Daten zu sammeln, um den aktuellen Zustand der Populationen und ihres Lebensraums zu erfassen und darauf basierend wirksamere Schutzmaßnahmen einzuleiten.
Die Schweinswal-Population der zentralen Ostsee ist akut vom Aussterben bedroht, Schätzungen zufolge gibt es nur noch wenige Hundert Individuen. Die Schweinswal-Population der Beltsee gilt als gefährdet und ist seit Jahren rückläufig. Bisherige Daten über die Populationen sind teils veraltet und lückenhaft, was einen effektiven Schutz erschwert.
Genau hier setzt das neue, auf fünf Jahre ausgelegte Projekt CUMBIAH (Conservation Union for Management of the Baltic Harbour Porpoise Populations and Their Habitat; auf Deutsch: Union für das Schutzmanagement der Schweinswalpopulationen in der Ostsee und ihrer Lebensräume) an. Ziel ist es, den Erhaltungszustand der Schweinswale in der zentralen Ostsee sowie in der Beltsee wissenschaftlich fundiert zu erfassen. Die Ergebnisse sollen unter anderem dazu genutzt werden, die Schutzmaßnahmen besser an die Verbreitung und das Verhalten der Populationen anzupassen, sowie die Berichtspflichten der Ostsee-Anrainerstaaten, unter anderem im Rahmen des ASCOBANS-Abkommens, zu erfüllen. Finanziert wird das Vorhaben zu großen Teilen vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV).
Akustikforschung und Umwelt-DNA
Methodisch kombiniert CUMBIAH bewährte und innovative Ansätze: Mithilfe stationärer akustischer Rekorder (so genannter C-PODs) werden die hochfrequenten Echoortungslaute der Schweinswale langfristig erfasst – dabei liegt ein Fokus unter anderem auf der akustischen Identifikation von Schweinswal-Jungtieren. Die Forschenden wollen ermitteln, wann Schweinswale geboren und wo sie aufgezogen werden. Ergänzend kommt erstmals in diesem Kontext die Analyse von Umwelt-DNA (eDNA) zum Einsatz. Durch den Nachweis genetischer Spuren im Meerwasser kann die Anwesenheit der Wale auch dort dokumentiert werden, wo visuelle Beobachtungen kaum möglich sind. Zudem gibt die eDNA Aufschluss über Beutevorkommen. Außerdem werden auch im Rahmen des Projekts Totfunde untersucht. Dieser kombinierte Ansatz ermöglicht eine differenzierte und Ostsee-weite Bewertung von Verbreitungsmustern, Populationsstrukturen sowie der Lebensraumnutzung und -qualität der bedrohten Schweinswalpopulationen. Zudem sollen Unterwasserlärm und Fischereiaufwand kartiert – also besonders stark betroffene Gebiete grafisch sichtbar gemacht werden, um die Gefahren und geografischen Überschneidungen mit dem Schweinswal-Lebensraum auszuwerten und die Wale so langfristig besser zu schützen.
"Dieses vielschichtige internationale Forschungsprojekt klingt vielversprechend. Umso wichtiger ist es aber, die aus den Daten abgeleiteten effektiven Schutzmaßnahmen dann auch wirklich im gesamten Verbreitungsgebiet umzusetzen. Außerdem wäre es wünschenswert, einheitliche nationale Schweinswal-Beobachtungsprogramme in der gesamten Ostsee auch nach Projektabschluss aufrecht zu erhalten. So könnte ein dynamischer und damit effektiver und langfristiger Artenschutz Realität werden."
Tamara Narganes Homfeldt, Meeresbiologin bei WDC Deutschland
WDC engagiert sich seit vielen Jahren umfassend für den Schutz des Schweinswals. Mit Hilfe eines eigenen Webseiten-Bereichs, mit Präsenz auf unterschiedlichen Veranstaltungen sowie durch Bildungsangebote informieren wir die Öffentlichkeit über die Situation der kleinen Wale. Gleichzeitig bringen wir unsere Expertise in politische Prozesse auf nationaler und internationaler Ebene ein – unter anderem im Kontext von ASCOBANS – und fordern verbindliche Maßnahmen zur Reduzierung von Beifang, Unterwasserlärm und anderen durch den Menschen verursachten Bedrohungen. Darüber hinaus unterstützen und initiieren wir Forschungs- und Schutzprojekte, um Gefährdungsursachen wissenschaftlich zu analysieren und effektive Lösungen zu entwickeln.
Unser Forschungsprojekt zu Schweinswalen
Kennen Sie schon Frank und Lynn von Stichting Rugvin? Die beiden leisten gerade Pionierarbeit in Sachen Schweinswal-Forschung. Was sie genau untersuchen und warum, erfahren Sie auf unserer Projekt-Seite.
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Zum Schweinswal
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich denke es ist gut und wichtig Population, Verhalten, Aufenthalt usw. zu erforschen und zu dokumentieren. Aber es ist Fakt, das die Wale in ihrem Bestand bedroht sind und es eigentlich höchste Zeit für Maßnahmen ist. Die Gefahr durch Netzte ist doch beispielsweise bekannt und meines Wissens auch, dass Pinger die Wale fernhalten. Gibt es also Maßnahmen, Aktionen alle Netze mit Pingern auszustatten, wenn man die Netze schon nicht verbieten kann? Falls nicht, würde das nicht Sinn machen, wenn es wirklich um den Schutz der Tiere geht und nicht (nur) um Forschung per se, eingeworbene Gelder und Publikationen?
Wie gesagt, ich denke Erforschung ist wichtig, aber tut man es nicht um sinnvolle Aktionen folgen zu lassen?
Beste Grüße, Ute Wirkner
Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihr Interesse am Schutz der Schweinswale.
Beifang in Stellnetzen ist eine der größten Bedrohungen für Schweinswale, insbesondere in der Ostsee. Forschung kann hier helfen, konkrete Schutzmaßnahmen zu verbessern und politisch voranzubringen.
Auch der Einsatz von Pingern kann den Beifang deutlich reduzieren. Gleichzeitig sind sie jedoch keine langfristige Lösung: Sie erzeugen zusätzlichen Unterwasserlärm und können Schweinswale aus wichtigen Lebensräumen verdrängen. Daher gelten sie eher als Übergangslösung, solange effektivere und weniger störende Methoden entwickelt und umgesetzt werden.
Wir setzen uns deshalb für einen umfassenden Ansatz ein. Dazu gehören strengere Schutzmaßnahmen, die Einschränkung besonders riskanter Fischereimethoden sowie die Weiterentwicklung alternativer Technologien. Entscheidend ist dabei auch die praktische Umsetzung: Diese muss politisch unterstützt werden, etwa indem die Fischereibetriebe beim Umstieg auf schonendere Ausrüstung entsprechend gefördert werden.
Die Forschung ist dabei kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Grundlage, um wirksame Maßnahmen zu entwickeln und tatsächlich umzusetzen.