Wale adieu: Vertreibt Unterwasserlärm Schweinswale bald aus den deutschen Meeren?
Jedes Jahr im Frühjahr verwandelt sich die Küste von Wilhelmshaven in einen Hotspot für Wal-Beobachter:innen: Schweinswale, die einzigen heimischen Wale Deutschlands, schwimmen in den Jadebusen, um dort nach Nahrung zu suchen. Für viele Menschen ist es ein magischer Moment, die kleinen Zahnwale aus nächster Nähe zu beobachten. Kein Wunder also, dass vom 17. bis 27. April bereits zum neunten Mal die Wilhelmshavener Schweinswal-Tage stattfanden.
Zwischen Faszination und Bedrohung
Wal-Fans aus ganz Deutschland pilgerten an die Nordsee, um mit etwas Glück dieses faszinierende Naturschauspiel beobachten zu können: Schweinswale im Jadebusen. Ein wichtiges Anliegen der Wilhelmshavener Schweinswal-Tage war es, auch auf die vielen Bedrohungen der kleinen Schweinswale aufmerksam zu machen. Mit einer Sonderausstellung im Erdgeschoss des Besucherzentrums Wattenmeer wurde das Thema Unterwasserlärm umfassend beleuchtet.
Wale sind für die Orientierung, Kommunikation und Jagd auf ihr gutes Gehör angewiesen. Kleinere Wale wie der Schweinswal erzeugen Töne mit hohen Frequenzen, Meeresriesen wie Buckelwale hingegen singen in tiefen Tonlagen, die meist außerhalb des Hörbereichs des Menschen liegen.
Zu den natürlichen Geräuschen im Ozean, die durch Wellen, Wetterereignisse oder Meerestiere entstehen, kommen nun menschengemachte Lärmbelastungen hinzu: Schiffslärm, der Bau von Offshore-Windkraftanlagen, die Erkundung des Meeresbodens mit Schallkanonen oder Sonar sind auch in der Nordsee bereits auf ein problematisches Niveau angestiegen.
Ein (Hör-)Erlebnis der besonderen Art
Im Rahmen der Sonderausstellung konnte man in einem „Sonic Chair“ Platz nehmen und nachempfinden, wie Unterwasserlärm auf Wale und Delfine wirkt: Schall breitet sich unter Wasser etwa viereinhalb Mal schneller aus als in der Luft und ist dadurch nicht nur über weite Distanzen wahrnehmbar, sondern besonders im hohen Frequenzbereich eine massive Belastung für die Meeressäuger. Auf Dauer führt Lärm zu Desorientierung, Stress, Kommunikationsstörungen, Problemen bei der Nahrungssuche – und kann im schlimmsten Fall zur kurzfristigen Taubheit oder sogar zum Tod der Wale führen.
Zeit zu Handeln ist jetzt
Whale and Dolphin Conservation ist eine starke Stimme für Wale und setzt sich mit aller Kraft für den Schutz der Meeressäuger ein. Wir fordern strengere Lärmschutzvorgaben und, dass ausgewiesene Schutzzonen endlich halten, was ihr Name verspricht: sichere Rückzugsorte für Schweinswale und ihre Jungen zu sein.
Gemeinsam können wir uns für eine Welt stark machen, in der alle Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben.
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