Neue Studie: Pottwale bilden „Clans“ von bis zu 20.000 Individuen
Einer neuen Studie zufolge leben Pottwale in Gruppen von bis zu 20.000 Individuen zusammen, die sich in ihrer kulturellen Ausprägung voneinander unterscheiden und hauptsächlich aus weiblichen Walen zusammensetzen. Die Wissenschaftler:innen erkennen Ähnlichkeiten mit der menschlichen Sozialstruktur.
Mit Hilfe von Unterwassermikrophonen (so genannter „Hydrophone“) und Drohnen untersuchte Pottwal-Spezialist Hal Whitehead von der Dalhousie Universität in Halifax, Kanada, die Lautäußerungen von Pottwalen und ihre Nahrungsgebiete. Er kam zu dem Ergebnis, dass sich die tieftauchenden Meeressäuger zu Gruppen von bis zu 20.000 Individuen zusammenschließen – so genannten „Clans“.
Die Clans unterscheiden sich durch Variationen der Lautäußerungen ihrer Mitglieder deutlich voneinander. Die für Pottwale typischen Vokalisationen sind markante, Morse-ähnliche Klicks, die als „Codas“ bezeichnet werden. Diese Variationen sind mit menschlichen Dialekten vergleichbar. Sieben verschiedene Clans von insgesamt 300.000 Individuen hat das Team um Whitehead im Pazifik identifiziert.
Individuen unterschiedlicher Clans träfen, aber paarten sich nicht, so Whitehead in seiner Studie. Die Clans bestünden zudem fast ausschließlich aus weiblichen Walen. Männliche Individuen besuchten die Weibchen nur zeitweise, um sich fortzupflanzen.
Konsens auf "Walisch"
Whitehead und sein Team stellten überdies fest, dass die Sozialstruktur eines Pottwal-Clans menschlichen Strukturen ähnelt: Pottwale scheinen eher auf Konsens als auf Führung von oben zu setzen, um gemeinschaftliche Entscheidungen zu treffen. Whitehead konnte große Gruppen von Walen dabei beobachten, wie sie augenscheinlich eine Stunde oder länger dafür benötigten, um sich auf eine gemeinsame Kursänderung um 90 Grad zu einigen.
Seit 1985 erforscht Hal Whitehead Pottwale und weist daraufhin, dass sich die zu Zeiten des kommerziellen Walfangs intensiv bejagten Populationen genetisch verändert hätten: Die Fruchtbarkeit habe abgenommen, die Familiengruppen seien zum Teil zersplittert. Die Wale seien zudem kleiner geworden.
Mehr wert als Gold
In der Hochphase des kommerziellen Walfangs war der Pottwal sehr begehrt, einerseits wegen der milchig weißen Substanz (spermaceti = Walrat) in seinem Kopf, andererseits wegen der Ambra, einem Eingeweidesekret. Ambra wurde in der Parfumproduktion eingesetzt und es gab eine Zeit, da war sie mehr wert als ihr Gewicht in Gold. Der Walrat im Kopf des Pottwals wurde für Kosmetika, Kerzen und als Schmieröl verwendet. Heute kann er durch synthetische Stoffe oder Jojoba-Öl ersetzt werden.
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