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Der Horror – das Massaker an 1.428 Delfinen auf den Färöer-Inseln

Faeroer01_C_Whale-and-Dolphin-Conservation

Wie Sie und Millionen von Menschen auf der ganzen Welt war ich entsetzt über die Nachricht, dass am 12. September 2021 bei einer Treibjagd an einem Strand der Färöer-Inseln 1.428 wunderschöne atlantische Weißseitendelfine abgeschlachtet wurden. Ich brauchte einige Zeit, diese unglaubliche Zahl zu begreifen. Schließlich spürte ich ein tiefes Gefühl dessen, was meine Kollegin Philippa treffend als einen gemeinsamen Verlust bezeichnete.

 

Ein Versuch zu verstehen

Ich arbeite seit fast 10 Jahren daran, die Jagd auf Delfine und Kleinwale zu beenden. Meine Arbeit konzentrierte sich insbesondere auf die färöische Treibjagd – bekannt als Grindadráp (oder kurz Grind). Diese Jagden, die hauptsächlich auf Langflossen-Grindwale abzielen, sind seit Jahrzehnten international berüchtigt und werden weltweit verurteilt. Einst eine Möglichkeit, Nahrung zu beschaffen und das Überleben der färöischen Bevölkerung zu sichern, sind die Jagden heute völlig unnötig und grausam für Delfine, Wale, ihren Lebensraum und die Menschen.

Ungefähr zu der Zeit, als ich diese Arbeit für WDC übernahm, änderte sich die Perspektive unter Naturschützer*innen und der Bevölkerung auf den Färöer-Inseln. Man erkannte, dass mit Schuldzuweisungen, Beleidigungen und Fingerzeigen nichts zu gewinnen war und wir begannen, die Hintergründe dieser Jagden im 21. zu beleuchten.

Nachdem ich 2013 selbst vor Ort war, habe ich einen Blog (auf Englisch) geschrieben. Mein Ziel war ein maßvoller, fairer Blick, der natürlich von der Hoffnung getrieben wurde, dass die Menschen, die ich auf den Inseln getroffen hatte, Denkanstöße finden würden.

 

Ein Massenschlachten

Vieles was ich damals schrieb, gilt immer noch, aber leider lässt sich nicht leugnen, dass sich nicht viel geändert hat. Immer noch werden jedes Jahr Hunderte Grindwale und Weißseitendelfine ans Ufer getrieben und geschlachtet. Niemand auf den Inseln ist bereit, offen darüber zu sprechen, was mit dem übrig gebliebenen Fleisch passiert, mit den restlichen Kadavern und warum es noch immer keine Quote für die Anzahl der Delfine und Wale gibt, die getötet werden. In den meisten Fällen, in denen eine Delfin- oder Grindwal-Gruppe entdeckt und gejagt wird, wird jedes Individuum getötet; von schwangeren Müttern über Mütter und Väter, Babys, Geschwister, Tanten, Onkel und Cousins. Ganze Familien und Freundesnetzwerke werden ausgelöscht – ein Massenschlachten.

Ganze Delfinfamilien werden an Land getrieben und grausam geschlachtet. (C) WDC

 

Lokale Wut

Es ist interessant zu sehen, dass dieses Mal – mit 1.428 getöteten Delfinen – die lokale Reaktion auf den Färöern anders war. Die Empörung ist groß. Die Leute fordern, dass die Gesetzgebung überprüft und geändert wird, damit der Grindadráp nur das Töten von Grindwalen erlaubt. Die extreme Brutalität dieser besonderen Jagd steht außer Frage – die Delfine wurden stundenlang gejagt, von Booten überfahren, dann ins seichte Wasser getrieben und dort stundenlang festgehalten, während die Menschen versuchten mit der schieren Zahl der zu tötenden Delfine fertig zu werden. Berichten zufolge waren einige Delfine noch am Leben, als sie auf den Haufen ihrer toten Familienmitglieder und Freunde geworfen wurden. Mir kommen die Tränen bei dem Gedanken, wie sich diejenigen, die noch am Leben waren, gefühlt haben müssen, als sie miterlebten, wie ihre Lieben abgeschlachtet wurden, leidend und hilflos.

Ich bin froh, dass jetzt auf den Inseln selbst so heftig diskutiert wird und diese armen Delfine vielleicht nicht umsonst ihr Leben verloren haben. Hoffentlich kommt es zu einem Wandel von Herzen, Meinungen und Gesetzen. Ich fordere die Menschen auf den Färöern jedoch auf, eines zu bedenken: Der Grindadáp ist von Natur aus grausam, es gibt keine „humane“ Möglichkeit, Delfine und Wale mit Messern und Lanzen zu töten. Manchmal geht es schneller, manchmal dauert es länger, aber es ist immer mit immensem Leid und Schmerz verbunden.

 

Tradition ist nicht Grund genug

Das Kernproblem bleibt für mich (und gute Kontakte auf den Inseln sagen Ähnliches) folgendes: Die Inseln haben eine Bevölkerung von rund 50.000 Menschen, sind also eine eng verbundene Gemeinschaft. Viele der Färinger essen das Fleisch nicht, sind nicht am Grindadráp interessiert und nehmen nie teil. Unsere Kontakte auf den Färöern schätzen, dass vermutlich rund 1.000 Menschen aktiv an den Jagden teilnehmen. Ich bezweifle nicht, dass vielen von ihnen das Fleisch schmeckt. Dies ist jedoch nicht Grund genug, Grindwale und Delfine grausam zu schlachten, ohne Rücksicht auf ihr Wohlergehen, die ökologischen Auswirkungen und das Potenzial, ganze Populationen endgültig auszulöschen. Tradition ist kein Grund weiter zu töten, wenn die Notwendigkeit Lebensmittel auf diese Art zu beschaffen, nicht mehr existiert.

Ich vermute den Hauptantrieb für die Jäger*innen, ist eine Art Abenteuerrausch, ein Adrenalinkick – eine Art „Ich gegen das Biest“. Ich möchte nicht  sagen, dass diese Walfänger*innen schlimme Sadist*innen sind, aber in der heutigen Zeit ist der Grindadráp ziemlich unverständlich und scheint von einer Art Urtrieb befeuert zu werden. Ganz ähnlich wie bei den unnötigen Hetzjagden auf Füchse in Großbritannien oder den Treibjagden auf Wildschweine oder Rotwild hier in Deutschland.

 

Neue Gesetze nötig

Ich möchte hoffnungsvoll bleiben, aber ich glaube, solange der Grind legal ist, wird es Leute geben, die ihn weiterführen und ihn verteidigen – aus einem fehlgeleiteten Sinn für Tradition und Gemeinschaft. Ich nehme an, das Einzige, was den Grind beenden würde, wäre eine Änderung der färöischen Gesetze.

Es sieht so aus, als ob dieser Horror-Grind der 1.428 Delfine zu einem Ende der Jagd auf Delfine führen könnte. Aber wie beendet man die Jagd auf Grindwale? Wie meine Kollegin Elsa aus Chile kürzlich zu mir sagte: „Vorfälle wie dieser werden nicht aufhören, wenn die Gesellschaft keinen rechtlichen Rahmen hat, um den Schutz der Umwelt als grundlegendes Menschenrecht zu gewährleisten.“ Wir alle – alle unsere Nationen einschließlich der Färöer, müssen zusammenarbeiten, um zu retten und zu pflegen, was von der Schönheit und dem Wunder des blauen Planeten – unserer Heimat – übrig ist, den wir mit bemerkenswerten Wesen wie den Atlantischen Weißseitendelfinen und Grindwalen teilen.

Ein Atlantischer Weißseitendelfin mit Baby. (C) Nicola Hodgins

 

Was tut WDC?

  • Wir informieren Politiker*innen und Entscheidungsträger*innen über die Jagd, um politischen Druck auf die färöische Regierung und den Premierminister auszuüben, damit sie ihre „Überprüfung der Delfinjagd“ beschleunigen.
  • Wir stimmen uns mit Partner*innen, Fischkäufer*innen und Unternehmen in der EU, in Großbritannien und den USA ab, um kommerziellen Druck auf die färöische Regierung auszuüben, die Jagden zu beenden.
  • Wir fordern, dass die „Überprüfung der Delfinjagd“, die von der Regierung der Färöer als Folge der (sowohl einheimischen als auch internationalen) Empörung versprochen wurde, unverzüglich und kooperativ erfolgt und die jüngsten naturschutz- und tierschutzwissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt.
  • Wir weisen Regierungen darauf hin, dass der Verkauf des Grindwal-Fleisches kommerziell in Restaurants und Geschäften betrieben wird und in keiner Weise eine „Subsistenzjagd“ darstellt.
Faeroer02_C_Whale-and-Dolphin-Conservation

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Über Astrid Fuchs

Astrid Fuchs leitet bei WDC Deutschland den Bereich Policy und strategische Entwicklung. Daneben koordiniert sie die EU-Arbeit und betreut die Bereiche Walfang und Delfinarien.

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