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Ganges-Delfin (Shushuk) © Nadim Parves
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Wie kann der Ganges-Delfin in Bangladesch geschützt werden?

Alison Wood

Alison Wood

Alison ist Teil des WDC-Teams in UK. Sie leitet die Arbeit zum Schutz von bedrohten Flussdelfin-Arten und koordiniert die Zusammenarbeit mit Partner-Projekten in verschiedenen Ländern.

Seit einem Jahr unterstützt WDC die Arbeit von Shahanaz Zaman in Bangladesch zum Schutz der dortigen Population von Ganges-Delfinen, die einer Vielzahl an Bedrohungen ausgesetzt ist. In diesem Blog erzählt Shahanaz ihre inspirierende Geschichte, wie sie dazu kam, sich für diese seltene Delfinart einzusetzen.

Die Flüsse Ganges, Brahmaputra und Meghna in Bangladesch entspringen im mächtigen Himalaya. Sie sind das Herz unseres Landes und versorgen Millionen von Menschen mit Nahrung, Wasser, Lebensgrundlage und spirituellem Trost. Doch wir sind nicht die Einzigen, für die diese trüben, fruchtbaren Gewässer lebensnotwendig sind. In ihnen lebt ein geheimnisvolles und vom Aussterben bedrohtes Lebewesen: der Ganges-Delfin, der vor Ort als "Shushuk", "Shishu", "Sus" oder "Hum Mach" bekannt ist.

Der Shushuk ist ein seltenes und ganz besonderes Wunder, das nur in den gemeinsamen Flussgebieten von Bangladesch, Indien und Nepal lebt. Er ist anmutig und intelligent und orientiert sich in seiner Wasserwelt hauptsächlich anhand von Geräuschen, da er blind ist und lediglich die Intensität und Richtung des Lichts wahrnehmen kann. Sein Lied ist ein stilles Spiel aus Sprüngen und Gleitbewegungen, ein geheimer Tanz im Herzen unserer Flüsse.

Leider ist die Nähe zu uns Menschen auch gleichzeitig die größte Bedrohung für die Shushuk. Mit nur noch etwa 2.300 Individuen in Bangladesch ist dieser einzigartige Delfin vom Aussterben bedroht. Er ist einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt, von der Zerstörung ihres Lebensraums bis hin zum Rückgang des Süßwasserzuflusses. Die häufigste Todesursache ist jedoch das versehentliche Verfangen in Fischereigeräten.

Ganges-Delfin (Shushuk)
Ganges-Delfin (Shushuk) © Nadim Parves

So können Sie helfen

Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Arbeit und helfen dabei, die Ganges-Delfine zu schützen.

Netze, die Familien ernähren und Millionen Menschen mit Fisch versorgen, sind zu stillen, tödlichen Delfinfallen geworden. Um die Fangmengen und Einkommen zu maximieren, verwenden Fischer:innen hauptsächlich Kiemennetze, die im Wasser eine unsichtbare Barriere bilden. Diese ist für die Echoortung der Delfine oft nicht wahrnehmbar. Unbeabsichtigte Todesfälle in den Netzen – Beifang – sind der Hauptgrund für den Rückgang der Shushuk-Population und treiben sie an den Rand des Aussterbens – ein Verlust, der die Gesundheit des Fluss-Ökosystems und der davon abhängigen Gemeinschaften unwiderruflich schädigen würde.

Ganges River dolphin (Shushuk) near fishing boat
Ganges-Delfin und Fischerboot © Nadim Parves

Jahrelang war der Shushuk für mich ein Wesen, vor dem ich Angst hatte – eine geheimnisvolle, unsichtbare Präsenz unter der Wasseroberfläche, ein Grund, das Schwimmen im Fluss zu meiden. Doch 2022 änderte sich meine Sichtweise durch eine direkte Begegnung während einer Studienreise in die Sundarbans (das größte zusammenhängende Mangrovenwaldgebiet der Erde) grundlegend. Durch das Fernglas beobachtete ich ihre atemberaubenden, fröhlichen Sprünge, ihr verspieltes Planschen und ihre anmutigen Körper. Aus purer Begeisterung wurde eine tiefe Verbundenheit. Mir wurde klar, dass ich mich für den Schutz dieser unglaublichen Delfine einsetzen musste, und dieser Moment bestimmte den weiteren Verlauf meines Lebens.

Ich habe sie im Madhumati-Fluss beobachtet und jede ihrer Bewegungen festgehalten. Der Rhythmus ihres Lebens – das Springen, Hüpfen und Gleiten der vielen Shushuks – freuen mich unglaublich. Seitdem widme ich jeden freien Moment ihrer Erforschung und ihrem Schutz. Letztes Jahr machte ich mich mit Unterstützung von WDC daran, wirklich zu verstehen, wie die lokalen Fischereigemeinden die Shushuks wahrnehmen. Es ist klar, dass der Tod durch Verfangen in Netzen eine Krise darstellt, die eine dringende Lösung erfordert – einen Weg, unsere Flüsse für Delfine sicher zu machen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Gemeinden weiterhin für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Angespornt durch das, was ich in den Gemeinden gesehen und erfahren hatte, war mir klar, dass ich schnell handeln und die Ursachen für den Tod von Delfinen durch Verfangen in Fischereiausrüstung untersuchen musste.

Ich analysierte Medienberichte über tote Delfine, um herauszufinden, wo sie besonders häufig starben. In Bezirken wie Chattogram, Bagerhat und Patuakhali kam es wiederholt zu solchen Vorfällen. Ich musste die Sichtweise der Fischer:innen verstehen und bildete ein zweiköpfiges Team aus, das mich begleitete. Wir sprachen mit den Fischer:innen, um ihr Wissen, ihre Einstellungen und ihre Praktiken zu verstehen. Unser Ziel war es, die Ursachen für das Verfangen zu identifizieren und vor allem die Motivationen und Hindernisse zu ermitteln, die wohlmöglich einen Rettungsversuch eines verfangenen Delfins beeinflussen.

Ich habe festgestellt, dass die Lösung nicht nur darin besteht, Netze zu verbieten oder anzupassen; sie liegt vielmehr im Wissen, in der Einstellung und im Handeln der Fischer:innen. Warum sollte jemand den Verlust seines Netzes riskieren, um ein Lebewesen zu retten, vor dem er Angst hat oder das er als Konkurrenten betrachtet? Es geht darum, Angst und Gleichgültigkeit in ein Gefühl der gemeinsamen Verantwortung umzuwandeln. Eine dauerhafte Veränderung erfordert nicht nur Vorschriften, sondern auch einen positiven Wandel in der Wahrnehmung, im Handeln und in der Praxis der Fischer:innen, die derzeit nicht zum Schutz dieser großartigen Delfine beitragen.

Interview with fishers
Interview mit Fischern © SZS

Unsere Erkenntnisse helfen uns nun dabei, einen Aktionsplan zur Verringerung der Delfintodesfälle in Netzen zu erarbeiten, der auf dem Engagement und der Unterstützung der lokalen Bevölkerung basiert. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften und deren Stärkung stehen im Mittelpunkt dieser Bemühungen, wobei der Schwerpunkt auf kosteneffizienten, innovativen Ansätzen liegt, die direkt auf sie zugeschnitten sind: Kampagnen auf Booten, die Verbreitung und das Verständnis wichtiger Naturschutzbotschaften sowie interaktive Kommunikationsplattformen, um eine dauerhafte Verbindung zu den Fischer:innen aufzubauen. Dies ist kein Befehl von oben, sondern eine Einladung, sich als Hütende des Flusses zu engagieren.

Es ist noch ein langer Weg, bis die Flüsse Bangladeschs wieder ein sicherer Lebensraum für die Shushuk sind. Doch dank Ihrer Unterstützung ist der Weg klarer geworden. Ich bin entschlossen, diesen Weg zu gehen, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam mit den Flussgemeinden eine Zukunft sichern können, in der sowohl Menschen als auch Delfine gedeihen können.

Im Namen der Ganges-Delfine danke ich Ihnen, dass Sie an diese Mission glauben.

Wir danken Shahanaz für diesen spannenden Gast-Beitrag.