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Wir lieben Olympia, lieben Wale – aber sagen NEIN zum Walfang

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In Krisenzeiten ist es wichtig, dass wir die Möglichkeit haben, uns abzulenken. Mit Blick auf unsere Klimakrise, das Artensterben und den von Covid heimgesuchten Planeten Erde bieten die Olympischen Spiele genau das für viele von uns auf der ganzen Welt – Ablenkung.

Es ist wirklich wunderbar und lobenswert, dass die japanische Regierung entschlossen ist, die Olympischen Spiele und Paralympics 2020 in Tokio zu den "Grünen Spielen" zu machen, wie der Präsident des japanischen Olympischen Komitees, Tsunekazu Takeda, erklärte.

 

Der Walfang ist ein hässlicher Fleck auf den Bemühungen, die Olympischen Spiele grün zu machen.

Es gibt jedoch einen großen, hässlichen und völlig "un-grünen" Fleck auf diesem Plan: den kommerziellen Walfang, der von der japanischen Regierung nach wie vor sanktioniert und unterstützt wird – derselben Regierung, die als Gastgeberin einer klimafreundlichen Olympiade bekannt werden möchte.

Der Walfang ist von Natur aus grausam – und das Abschlachten von Walen und Delfinen zur Erzielung finanzieller Gewinne ist völlig veraltet und verachtenswert. Seit vielen Jahrzehnten gibt es für die Menschen in Japan keine Notwendigkeit mehr, Walfleisch zu essen. Tatsächlich ist der kommerzielle Walfang, der von den USA nach Japan gebracht wurde, um die Bevölkerung nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs mit Proteinen zu versorgen, für viele Japaner*innen heute überhaupt kein Thema mehr. Das Interesse am Verzehr von Walfleisch ist sehr gering – doch die Industrie wird von einer kleinen politischen Lobby gestützt, die nicht von der Idee ablassen will, dass sich mit dem Töten der größten Lebewesen der Welt durch explodierende Harpunen Geld verdienen lässt.

Das Abschlachten von Walen verursacht nicht nur unglaubliches Leid für diese hochsozialen und selbstbewussten Tiere, sondern hat auch große Auswirkungen auf unseren Planeten – und letztlich auch auf uns.

Wale sind unsere Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel und müssen zentraler Bestandteil unserer Bemühungen sein, um weitere Arten vor dem Aussterben zu bewahren.  Wale und Delfine spielen eine Schlüsselrolle bei der Reduktion von CO2, dem Treibhausgas, das am meisten zu unserer Klimakrise beiträgt. Wale tragen auch dazu bei, dass die Fischpopulationen und andere Meeresbewohner gedeihen und wachsen.

 

Wale spielen eine erstaunliche Rolle im Ökosystem Meer, das jedes Lebewesen auf der Erde am Leben erhält – auch uns.

Wir Menschen haben unserem Planeten enormen Schaden zugefügt, indem wir Millionen von Walen getötet haben – mehr als 3 Millionen allein im 20. Jahrhundert. Bis zu 90 Prozent einiger Populationen wurden dabei ausgelöscht oder an die Grenze zum Aussterben gebracht, wie z.B. die Populationen des mächtigen Blauwals. Dank der Wissenschaft und Forschung erkennen immer mehr Regierungen und Entscheidungsträger*innen an, dass die Erholung der Walpopulationen dazu beitragen kann, die von uns verursachten Klima- und Umweltschäden zu bekämpfen.

Wale verteilen durch ihre Schwimmbewegungen Nährstoffe in den Meeren. Diese Nährstoffverteilung im Meer ist auch als "Walpumpe" bekannt. Ein ausgeglichener Nährstoffhaushalt ist für das marine Ökosystem und die Produktion von mikroskopisch kleinen Pflanzen, dem Phytoplankton, das mehr als die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs produziert, unerlässlich. Durch ihre eigenen Ausscheidungen bringen Wale außerdem neue Nährstoffe in das Ökosystem ein: Walkot und -urin sind hervorragende Düngemittel für das Phytoplankton.

 

 

Mehr Walkot bedeutet mehr Phytoplankton. Phytoplankton absorbiert Kohlenstoff aus der Atmosphäre und produziert Sauerstoff – Millionen Tonnen davon.

Weltweit absorbiert das Phytoplankton bis zu 35 Prozent des gesamten, von uns produzierten CO2 und wandelt es in Sauerstoff um. Auch Wale tragen zur Reduktion von CO2 bei: Sie speichern in ihrem Körper tonnenweise Kohlenstoff, der sich folglich nicht mehr zu klimaschädlichem CO2 verbinden kann. Man bezeichnet das auch als „natürliche Kohlenstoffsenke“. Wenn Wale sterben, sinken sie meist auf den Meeresboden und werden dort zur Oase für zahlreiche Tiefseebewohner. Die Tiefseeorganismen nehmen den im Walkadaver gespeicherten Kohlenstoff und andere Nährstoffe auf und speichern diese weiter. Forscher*innen schätzen jedoch, dass die Großwale aufgrund des Walfangs und ihrer reduzierten Anzahl heute etwa 9 Millionen Tonnen weniger Kohlenstoff speichern, als vor dem Walfang.

 

Klimawandel und Artensterben sind die größten Bedrohungen für alles Leben auf der Erde.

Je mehr Wale es gibt, desto mehr Phytoplankton kann wachsen und der Atmosphäre CO2 entziehen; und  desto mehr Fische können gedeihen und zu einem gesunden Ökosystem beitragen.

Immer häufiger erleben wir die verheerenden Folgen des Klimawandels am eigenen Leib. Wir fordern die japanische Regierung deshalb in unser aller Interesse dazu auf, das Schlachten von Walen und Delfinen einzustellen. Nicht nur, weil sie wunderbare Lebewesen sind, die das Recht haben, sicher, unversehrt und frei zu leben – sondern auch, weil sie unsere Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel sind. Wenn wir unseren blauen Planeten retten wollen und auch unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft auf der Erde ermöglichen wollen, müssen wir Wale schützen.

Um es mit den Worten des wunderbaren Heathcote Williams zu sagen: "Aus dem Weltraum ist der Planet blau. Vom Weltraum aus gesehen ist der Planet nicht das Territorium der Menschen, sondern das der Wale."

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Über Astrid Fuchs

Astrid Fuchs leitet bei WDC Deutschland den Bereich Policy und strategische Entwicklung. Daneben koordiniert sie die EU-Arbeit und betreut die Bereiche Walfang und Delfinarien.

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