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Wal-Knigge: Segler und Wale

Beim härtesten Segelrennen der Welt schneidet die Crew vor dem Start den Stiel ihrer Zahnbürsten ab, um Gewicht zu sparen. Irre, oder? Wie viel Gewichtsunterschied mag das bei einer Crew von zehn Seglern ausmachen? 200g?

Obwohl ich selbst zwei Jahre lang für ein Team des Volvo Ocean Race gearbeitet habe, kann ich leider nicht sagen, ob diese Geschichte stimmt. Unser Team ging definitiv mit Zahnbürsten mit Stiel an Bord. Ich kann aber bestätigen, dass die Segler, die am Volvo Ocean Race teilnehmen (ich hoffe meine Ex-Kollegen verzeihen mir diese Ausdrucksweise), etwas verrückt sind.

Sie sind verrückt nach Geschwindigkeit, Gewichtsoptimierung und Performance. Wie andere Profisportler auch lieben sie die Herausforderung, die Extreme und den direkten Vergleich mit anderen. Gleichzeitig sind mir die „verrückten“ Segler des Volvo Ocean Races auch als Menschen in Erinnerung geblieben, die einen ganz besonderen Bezug zum Meer und seinen Bewohnern haben.

Als ich 2008 beim Volvo Ocean Race mitwirkte, gab es beispielsweise eine Initiative der Segler, die sich dafür engagiert hat, auf die Bedrohung der Wale in den Weltmeeren aufmerksam zu machen. Im Rahmen der WDC-Kampagne „We sail for the Whale“ wurde die Strecke der Segler so optimiert, dass sie nicht mit den Nahrungsgebieten der stark gefährdeten Nordatlantischen Glattwale kollidiert. Es wurden Informationen zu den durchquerten Meeresschutzgebieten gesammelt und es entstand eine Karte, in der alle Wal- und Delfinarten verzeichnet waren, die während des Volvo Ocean Race gesichtet wurden.

Two whales swim alongside a sailboat

Wal voraus!

Diese Karte hängt bis heute über meinem Schreibtisch und erinnert mich an die Segler und die Zeit, die sie im Zuhause der Wale und Delfine verbringen. Das Volvo Ocean Race ist ein Segelrennen, das einmal um die Erde führt. Eine Reise, die bestimmt nicht jeder Segler zurücklegt – was aber nicht bedeutet, dass nicht auch Hobbysegler auf den Meeren unterwegs sind und einen ganz besonderen Bezug zum Element Wasser und im Speziellen zu Walen und Delfinen haben. Deshalb (und weil ich selbst eine begeisterte Mittelmeer-Seglerin bin) habe ich gemeinsam mit dem WDC-Biologen Fabian Ritter eine Karte für das Mittelmeer gestaltet. Darin wird erklärt, welche Wale und Delfine man nicht weit von unserer eigenen Haustüre sichten kann. Wussten Sie, dass es im Mittelmeer auch Orcas, Pottwale und sogar Finnwale gibt? Wo die Chancen am Größten sind, diesen Meeressäugern zu begegnen, erfahren Sie auf der Karte Wal voraus! die Ihnen zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.

Wo bleiben Ihre Manieren?

Neben der Information, welche Wale und Delfine vor den Küsten Italiens, Kroatiens und Spaniens vorkommen, waren uns „die Manieren“ der Segler ein wichtiges Anliegen. Daher zeigt die Karte auch die wichtigsten Verhaltensregeln, die man beachten sollte, wenn man Walen oder Delfinen auf hoher See begegnet. Ein kleiner „Wal-Knigge“ sozusagen. Wenn sie selbst ein Segler sind, zögern sie nicht, die Karte zu verteilen oder zu verschenken. Wenn sie neugierig geworden sind, welchen Delfin oder Wal sie im nächsten Spanienurlaub vielleicht begegnen könnten, wenn Sie Wert auf gute Manieren legen, dann lade ich Sie ein unsere Karte Wal voraus! herunterzuladen, zu studieren und zu teilen.

Infoblatt für Segler „Wal voraus!“ herunterladen

Ruth Schloegl

Über Ruth Schloegl

Leiterin Bildung - Als Bildungsreferentin kämpft Ruth Schlögl gemeinsam mit den jüngsten Umweltschützer*innen für den Schutz von Walen und Delfinen.