Schwimmen mit Delfinen

Schwimmen mit Delfinen und Delfintherapie

Für Wale und Delfine kann der Wunsch nach Nähe schwerwiegende Folgen haben. Angebote für Schwimmen mit Delfinen nehmen jedoch weltweit zu. Gleichzeitig fördert die meist unkritische Berichterstattung in den Medien die Nachfrage.

Schwimmen mit Delfinen

Warum spricht sich WDC gegen Schwimmen mit Delfinen aus?

Wale und Delfine können nicht artgerecht in Zoos und Delfinarien gehalten werden. Auch gegen das Schwimmen mit Delfinen - sowohl im Delfinarium als auch in freier Wildbahn - sprechen starke Argumente:

  1. Das Risiko aggressiven Verhaltens gegenüber Menschen (zum Beispiel, wenn sie keine Rückzugsmöglichkeit haben oder ihren Nachwuchs beschützen wollen).
  2. Das Risiko der Krankheitsübertragung vom Menschen auf den Delfin und umgekehrt.
  3. Schwimmer*innen können die empfindliche Haut von Delfinen verletzen (zum Beispiel durch Schmuck oder durch Fingernägel beim Festhalten).
  4. Das Risiko, dass Delfine zu Interaktionen mit Menschen gezwungen werden (beispielsweise durch Futterentzug).
  5. Die Tatsache, dass für Delfinarien und Delfintherapie-Angebote Individuen aus ihrer natürlichen Umgebung gerissen werden. Sie werden tausende Kilometer weit transportiert, um in Delfinarien für Menschen verfügbar zu sein.
  6. Untersuchungen ergaben, dass Delfine in Gegenden, in denen viele kommerzielle Schwimmtouren und andere Aktivitäten stattfinden, ihren natürlichen Lebensraum verlassen, um ruhigere Gebiete aufzusuchen.
  7. Bei Delfintherapie konnten keine langfristigen Erfolge nachgewiesen werden.

1. Schwimmen mit Delfinen in der Natur

Im Rahmen von Whale Watching Aktivitäten wird häufig Schwimmen mit Delfinen in freier Wildbahn angeboten. Von Ägypten bis zu den Azoren, von Kuba bis Neuseeland sind diese Angebote zu finden.

Whale Watching Boot
Whale Watching Boot (C) Gerhard Wallmeyer

Schwimmen mit Delfinen: Keine gute Idee!

Zahlreiche Studien dokumentieren Verhaltensänderungen bei Delfinen, die langfristig Störungen durch Ausflugsbooten ausgesetzt sind. Sie verlassen sogar zeitweise ihre angestammten Lebensräume.

Achtung: Viele Reisekrankenversicherungen decken Unfälle beim Schwimmen mit Delfinen nicht ab, da es als risikoreiche Aktivität eingestuft wird.

Whale Watching Unternehmen auf der ganzen Welt haben Schwimmen mit Delfinen im Programm – dabei gäbe es zahlreiche Möglichkeiten, die Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, ohne sie dabei zu stören.

Wale und Delfine verbringen in der Natur viel Zeit mit der Jagd. Werden sie dabei dauerhaft gestört oder abgelenkt, kann es passieren, dass sie nicht genug Beutetiere zu sich nehmen und abmagern. Auch die Aufzucht von Nachwuchs und die Interaktion mit Artgenossen nehmen Zeit in Anspruch.

Um Schwimmer*innen in der Nähe von Delfingruppen abzusetzen, muss das Boot möglichst nah an die Tiere herangebracht werden. Dabei besteht das Risiko, dass die Delfine Stress empfinden oder sogar durch Boote verletzt werden. Es gibt zahlreiche Vorfälle, bei denen Delfine durch Schiffspropeller verletzt wurden.

Langzeitstudien haben gezeigt, dass ständige Störungen sich auf das Wohlbefinden von Individuen und ganzen Populationen auswirken kann. Auch das Anfüttern von Delfinen, um sie an Boote und Schwimmer*innen zu gewöhnen, birgt Risiken. Es kann eine Abhängigkeit vom Menschen entstehen und die Delfine verlernen ihr natürliches Jagdverhalten. Außerdem suchen sie bewusst die Nähe zu Booten und Menschen – die vielleicht nicht an Interaktionen interessiert sind (beispielsweise, wenn Fischerboote Netze auswerfen, in denen sich die Delfine dann verfangen).

2. Schwimmen mit Delfinen in Gefangenschaft

Viele Delfinarien bieten ihren Besucher*innen die Möglichkeit, mit Delfinen zu schwimmen oder zu interagieren. Dies geschieht nicht nur in Hotelpools in der Karibik oder in Delfinarien in China, sondern sogar in Deutschland.

Das Delfinarium Duisburg bietet Kindern die Möglichkeit, sich von Delfinen in einem kleinen Boot durch das Becken ziehen zu lassen. Das birgt sowohl für Kinder als auch für Delfine zahlreiche Verletzungsrisiken. Die Großen Tümmler in Duisburg sind kraftvolle Wildtiere, die ein Kind ernsthaft verletzen können, wenn sie in Panik geraten oder sich bedroht/unwohl  fühlen.

Delfine sind große und starke Tiere, die an ein Leben im Meer perfekt angepasst sind. Werden sie in einem kleinen Becken eingesperrt und zu Interaktionen mit Menschen gezwungen, kann es zu aggressivem Verhalten mit ernsten Konsequenzen kommen. Doch auch unbeabsichtigt können sie Menschen schwere Verletzungen zufügen: Große Tümmler werden bis zu 3,80 Meter lang und bis zu 650 kg schwer!

Eine von WDC durchgeführte Studie über Interaktionen zwischen Delfinen und Besucher*innen in amerikanischen Delfinarien listet mehrere Vorfälle wie z.B. Drohgebärden, Bisse und Stöße gegen die Besucher*innen im Wasser. Auch lassen die Ergebnisse der Studie eine mögliche Übertragung von Krankheiten zwischen Menschen und Delfinen vermuten.

Ein Extrembeispiel für die Gefahren, die Schwimmen mit Meeressäugern mit sich bringen kann, ist der Tod der SeaWorld-Trainerin Dawn Brancheau im Jahr 2010. Orca Tilikum zog sie bei einer Show unter Wasser und verletzte seine Trainerin tödlich. Einer von bisher vier Todesfällen mit Orcas in Gefangenschaft.

Delfinarium in Pukhet
Delfinarium in Phuket, Thailand (C) Phuket says no to dolpin shows

Hotelpools als Delfinarium?

In manchen Hotels, z.B. in Mexiko, wird Gästen Schwimmen mit Delfinen in winzigen Becken angeboten. Die Delfine sind den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt, da die Pools nicht tief genug sind, um der starken Sonneneinstrahlung zu entfliehen. Bei einigen Angeboten dauert die Interaktion mit den Hotelgästen den ganzen Tag, sodass den Delfinen keine Rückzugsmöglichkeiten zugestanden werden. Das Risiko, dass die Delfine aggressiv werden und Hotelgäste verletzen, steigt durch Enge und Dauer der Interaktion.

3. Delfintherapie

Hinter dieser Therapieform für geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen verbergen sich meist kommerzielle Interessen von Delfinarien. Die Delfintherapie gilt als höchst kontrovers – nicht zuletzt wegen der Risiken für Mensch und Tier.

Schwimmen mit Delfinen

Delfintherapie ohne Erfolg?

In der Wahrnehmung der Eltern profitieren ihre Kinder von der Teilnahme an der Delfintherapie. Es konnten jedoch keine langfristigen Therapieerfolge nachgewiesen werden.

Bei der Delfintherapie wird eine Interaktion zwischen Mensch und Delfin erzwungen. Die Teilnehmer*innen der Therapie, meist Kinder oder Erwachsene mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, müssen in ungewohnter Umgebung Vertrauen zu einer ihnen völlig fremden Art aufbauen. Für die Delfine kann diese Interaktion großen Stress bedeuten, was wiederum das Verletzungsrisiko für Mensch und Tier erhöht. Dauerhafter Stress kann zudem das Immunsystem der Delfine schwächen.

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Delfintherapie einen langfristigen Nutzen für die Beteiligten hat. Selbst Mitbegründer*innen der Behandlungsmethode bezweifeln inzwischen deren Nutzen. Die Delfintherapie hat sich jedoch zu einem finanziell lukrativen Geschäftszweig entwickelt, weshalb sie vielerorts angeboten wird. Ähnliche Therapieformen mit Haustieren zeigen bessere Ergebnisse – zusätzlich sind sie kostengünstiger und lassen sich in der Nähe des Wohnortes der Betroffenen umsetzen und somit langfristig aufbauen.

In Deutschland gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen für diese Therapieform. Es ist deshalb für Behörden nicht möglich, die Einhaltung von Gesundheits- und Sicherheitsstandards sicherzustellen. Des Weiteren sind Anbieter*innen von Delfintherapie nicht verpflichtet, eine spezielle Ausbildung oder ein Zertifikat vorzuweisen. Für Teilnehmer*innen, ihre Familien und ihre Betreuer*innen ist es deshalb kaum möglich, die Qualifikationen bzw. das Wissen und die Erfahrung der Anbieter*innen zu beurteilen.

Delfinbeobachtung Moray Firth
Delfine in der freien Natur beobachten (C) WDC / Charlie Phillips

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