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Strandungen

Warum stranden Wale und Delfine?

 

Immer wieder stranden Wale und Delfine. Das hat ganz unterschiedliche Ursachen und reicht von Desorientierung, Krankheit, Verletzung, bis hin zum Tod. Oft ist die Ursache auch menschengemacht: Beifang, Kollisionen mit Schiffen, Lärm, Giftstoffe und Plastikmüll führen dazu, dass tote, verletzte oder geschwächte Wale und Delfine stranden.

Strandungen können in unterschiedlicher Form auftreten: einzeln oder in (teils großen) Gruppen. Massenstrandungen sind typisch für Arten, die in Gruppen mit einer Matriarchin (einem "Leittier") leben und durch enge soziale Bindungen organisiert sind.

Grindwale

Bei Strandungen von Grindwalen (auch Pilotwale genannt) wird oft eine Orientierungsschwäche der Matriarchin vermutet (die alten Weibchen übernehmen diese Rolle). Außerdem können auch kranke oder verletzte Individuen den Rest der Gruppe Richtung Strand leiten. Die Art ist bekannt dafür, in großen Gruppen zu stranden, weil ihre Familienbindung so stark ist, dass sie sich nie im Stich lassen. Selbst wenn einzelne Individuen zurück auf das offene Meer gebracht werden können, schwimmen sie häufig zurück an den Strand und stellen ihr eigenes Überleben für ihre Angehörigen aufs Spiel.

Welche Ursachen kommen in Frage?

  • Extremereignisse, wie z.B. eine Explosion oder ein Unfall mit chemischen Mitteln führen oft dazu, dass verschiedene Arten (Fische, Robben, Wale, teilweise auch Seevögel) stranden und sterben.
  • Veränderungen der Meeresumwelt, wie beispielsweise Strömungen oder ein ungewöhnliches Vorkommen der Beute, können Strandungen verursachen. Im Jahr 2016 strandeten 30 Pottwale an den Nordseeküsten: Man vermutete man, dass sie ihren Beutetieren (Tintenfische) gefolgt waren.
  • Unterwasserlärm, z.B. durch militärische Übungen oder seismische Untersuchungen, aber auch anhaltender Lärm durch Schiffsverkehr schädigt das empfindliche Gehör der Wale und Delfine (bis hin zur Taubheit oder dem Tod) und führt zu Orientierungsproblemen bei Meeressäugern.
  • Fehlende Erfahrung der Individuen für Gefahrensituationen kann zu Strandungen führen. Junge Wale und Delfine können z.B. bei der Jagd in zu seichte Gewässer gelangen und sich dort "festsetzen".
  • Krankheiten wie z.B. eine bakterielle oder virale Infektion, sind bekannt dafür, zu Massenstrandungen von Walen oder Delfinen zu führen.
  • Sozialverhalten und Gruppenbindungen sind oft für Massenstrandungen verantwortlich. Die Familienmitglieder verhalten sich ihren Artgenossen gegenüber loyal, auch wenn sie selbst in Gefahr geraten. Wenn einzelne Individuen desorientiert sind, hat das Auswirkungen auf die gesamte Gruppe.
  • Sonnenwinde in Kombination mit deren Auswirkungen auf das Magnetfeld der Erde könnten ebenfalls Ursachen sein. Dies ist zwar noch nicht erwiesen, es gibt aber Hinweise auf diesen Zusammenhang bei verschiedenen Strandungen.

Warum sind im Jahr 2016 so viele Pottwale in Nord- und Ostee gestrandet?

Grindwale sind bekannt dafür, in großen Gruppen zu stranden. © Anne B. Bernhard
Grindwale sind bekannt dafür, in großen Gruppen zu stranden. © Anne B. Bernhard
Gestrandeter Gemeiner Delfin
Schweinswal-Strandung Sylt 2018
Gestrandeter Pottwal in Dithmarschen. © Brunckhorst LKN-SH
Gestrandeter Pottwal in Dithmarschen. © Brunckhorst LKN-SH

Warum können gestrandete Wale nur selten gerettet werden?

Häufig sind gestrandete Wale oder Delfine bereits tot, wenn sie am Strand entdeckt werden. Doch auch wenn sie noch am Leben sind, kann man sie nicht ohne weiteres zurück ins Meer ziehen. Zum Beispiel sind viele Wale tonnenschwer und sehr kräftig. Es würde ein erhebliches Verletzungsrisiko für die Meeressäuger und die Rettungskräfte bestehen, wenn man versucht, sie zurück ins Wasser zu ziehen.

Außerdem muss der Rettungsplan individuell angepasst werden: Je nach Zustand des gestrandeten Individuums, der jeweiligen Art, ob Flut oder Ebbe ist, ob Strömungen vorhanden sind oder ob die Wetterbedingungen eine Rettung überhaupt zulassen. Trotzdem gilt: Je früher ein gestrandeter Wal oder Delfin entdeckt wird, desto besser!

Kann man Strandungen verhindern?

Solange die Ursachen nicht geklärt sind, wird dies nur schwer möglich sein. Es gibt Ansätze, bei denen versucht wird, Wale mit Booten in eine bestimmte Richtung zu leiten. Diese Versuche sind jedoch nicht unbedingt erfolgreich, wie beispielsweise bei einem verirrten Schnabelwal in der Ostsee. Die Wale könnten sich zudem von den Booten bedrängt oder gestresst fühlen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Ursachen erforscht werden, nur so kann man das Problem an der Wurzel bekämpfen und weitere (menschengemachte) Strandungen verhindern.

Unsere Arbeit zu Strandungen an der US-Ostküste

Seit 20 Jahren kümmern sich Mitarbeiter:innen von WDC im Nordosten der USA um lebende, verletzte und tote Wale, Delfine und Schweinswale. So entwickelte WDC das an der US-Ostküste geltende Strandungsprotokoll. Mit diesem Protokoll konnten Dutzende von gestrandeten Meerestieren (v.a. Wale, Delfine und Robben) gerettet werden. 2021 startete WDC ein neues Rettungs-Team für Strandungen in der Region Marshfield bis Plymouth, Massachusetts.

WDC Mitarbeiter:innen im US-Büro sind im Umgang mit gestrandeten Meeressäugern ausgebildet und trainieren auch freiwillige Helfer:innen. Die Daten und Erfahrungen von Strandungen werden für weitere Schutzmaßnahmen genutzt und helfen etwa, das Risiko von Kollisionen mit Schiffen und das Verfangen in Fischereigeräten zu mindern.

Was kann ich tun, wenn ich einen gestrandeten Wal oder Delfin finde?

Der erste und wichtigste Schritt ist, so schnell wie möglich professionelle Hilfe zu informieren (zum Beispiel die Küstenwache oder Schutzstationen). Im Zweifel verständigen Sie unverzüglich die Polizei. Viele Länder verfügen über ein sogenanntes "Strandungsnetzwerk" mit speziell ausgebildeten Hilfskräften, die im Notfall reagieren können.

Nähern Sie sich dem gestrandeten Individuum am besten nicht selbstständig – warten Sie bis Hilfe eintrifft und halten Abstand. Bitte beachten Sie: Meeressäuger sind Wildtiere. Sie können Krankheiten auf den Menschen übertragen und Helfer:innen unbeabsichtigt – zum Beispiel durch Bewegungen ihrer Schwanzflosse – verletzen. Versuchen Sie nicht, schwere Wale oder Delfine ohne das geeignete Gerät zu bewegen. Ziehen sie auch niemals einen Delfin an der Schwanzflosse zurück ins Meer, da dies zu Stress und Verletzungen bei dem Individuum führen könnte. Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit den Individuen immer gründlich die Hände. Kinder sollten von gestrandeten Meeressäugern fern gehalten werden.

Unsere US-Kolleg:innen reagieren auf eine Delfin-Strandung. © WDC Nordamerika
Unsere US-Kolleg:innen reagieren auf eine Delfin-Strandung. © WDC Nordamerika
Rettungskräfte helfen einem gestrandeten Grindwal in Neuseeland. © O. Neil
Rettungskräfte helfen einem gestrandeten Grindwal in Neuseeland. © O. Neil

Eintauchen

Rundkopfdelfin

Unser Projekte

Eine Übersicht der Forschungs- und Schutzprojekte von WDC.

Walfluke

Flukenidentifikation

Die Flukenidentifikation führt zu wichtigen Forschungsergebnissen.

Conran & Castillo 1_0715_Charlie Phillips

Wale und Delfine in deutschen Gewässern

Auch in deutschen Gewässern kommen Wale und Delfine vor.