Strandungen

Warum stranden Wale und Delfine?

Immer wieder stranden Wale und Delfine. Das hat ganz unterschiedliche Ursachen und reicht von Desorientierung, Krankheit, Verletzung, bis hin zum Tod. Oft ist die Ursache auch menschengemacht: Beifang, Kollisionen mit Schiffen, Lärm, Giftstoffe und Plastikmüll führen dazu, dass tote, verletzte oder geschwächte Wale und Delfine stranden.

Strandungen können in unterschiedlicher Form auftreten: einzeln oder in (teils großen) Gruppen. Massenstrandungen sind typisch für jene Arten, die einem Leittier folgen und deren Gruppen durch enge soziale Bindungen organisiert sind.

(C) Michael Scheer

Pilotwale

Bei Strandungen von Pilotwalen wird oft eine Orientierungsschwäche des Leittiers vermutet (die alten Weibchen übernehmen diese Rolle). Außerdem können auch kranke oder verletzte Tiere den Rest der Gruppe Richtung Strand leiten.

Wenn bei einer Strandung andere Tiere (z. B. Fische) gefunden werden oder wenn viele verschiedene Arten betroffen sind, kann auf ein besonders starkes Ereignis geschlossen werden: zum Beispiel eine Explosion oder ein Unfall mit chemischen Mitteln.

Welche Ursachen kommen in Frage?

  • Veränderungen der Meeresumwelt wie beispielsweise Strömungen oder ein ungewöhnliches Vorkommen der Beute. Als 2016 30 Pottwale an den Nordseeküsten strandeten, vermutete man, dass sie ihren Beutetieren gefolgt waren (Tintenfische).
  • Unterwasserlärm, zum Beispiel durch militärische Übungen oder seismische Untersuchungen. Unterwasserlärm schädigt das empfindliche Gehör (bis hin zur Taubheit) und führt zu Orientierungsproblemen bei Meeressäugern.
  • Fehlende Erfahrung der Tiere für die richtige Wanderroute oder im Umgang mit unbekanntem Terrain, bzw. sich in Notsituationen oder unter Stress angemessen zu verhalten.
  • Krankheiten wie zum Beispiel eine bakterielle oder virale Infektion, die bekannt dafür sind, zu Massenstrandungen von Walen oder Delfinen zu führen.
  • Sozialverhalten: Die Gruppenmitglieder verhalten sich ihren Artgenossen gegenüber loyal, auch wenn sie selbst in Gefahr geraten. Möglich ist auch, dass bestimmte Tiere eine Leitfunktion haben. Wenn diese Tiere desorientiert sind, hat das Auswirkungen auf die gesamte Gruppe.
  • Sonnenwinde in Kombination mit deren Auswirkungen auf das Magnetfeld der Erde könnten ebenfalls Ursachen sein. Dies ist zwar noch nicht erwiesen, es gibt aber Hinweise auf diesen Zusammenhang bei verschiedenen Strandungen.

Warum sind im Jahr 2016 so viele Pottwale in Nord- und Ostee gestrandet?

Gestrandeter Gemeiner Delfin
Schweinswal-Strandung Sylt 2018
Gestrandeter Pottwal in Dithmarschen
(C) Brunckhorst LKN-SH

Warum können gestrandete Wale nur selten gerettet werden?

Häufig sind gestrandete Wale oder Delfine bereits tot, wenn sie am Strand entdeckt werden. Doch auch wenn sie noch am Leben sind, kann man sie nicht ohne weiteres zurück ins Meer ziehen. Zum Beispiel sind viele Wale tonnenschwer und sehr kräftig. Es würde ein erhebliches Verletzungsrisiko für Tier und Mensch bestehen, wenn man versucht, sie zurück ins Wasser zu ziehen.

Außerdem muss der Rettungsplan individuell an das gestrandete Tier und die Umgebung angepasst werden, je nach Zustand des Tieres, der jeweiligen Art, ob Flut oder Ebbe ist, ob Strömungen vorhanden sind oder ob die Wetterbedingungen eine Rettung überhaupt zulassen. Trotzdem gilt: Je früher ein gestrandeter Wal oder Delfin entdeckt wird, desto besser!

Kann man Strandungen verhindern?

Solange die Ursachen nicht geklärt sind, wird dies nur schwer möglich sein. Es gibt Ansätze, bei denen versucht wird, Wale mit Booten in eine bestimmte Richtung zu leiten. Diese Versuche sind jedoch nicht unbedingt erfolgreich, wie beispielsweise bei einem verirrten Schnabelwal in der Ostsee. Die Wale könnten sich zudem von den Booten bedrängt oder gestresst fühlen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Ursachen erforscht werden, nur so kann man das Problem an der Wurzel bekämpfen und weitere (menschengemachte) Strandungen verhindern.

Unsere Arbeit zu Strandungen an der US Ostküste

Seit 20 Jahren kümmern sich Mitarbeiter*innen von WDC im Nordosten der USA um lebende, verletzte und tote Wale, Delfine und Schweinswale. So entwickelte WDC das an der US Ostküste geltende Strandungsprotokoll. Mit diesem Protokoll konnten Dutzende von gestrandeten Tieren gerettet werden.

WDC Mitarbeiter*innen im US Büro sind im Umgang mit gestrandeten Tieren ausgebildet und trainieren auch freiwillige Helfer*innen. Die Daten und Erfahrungen von Strandungen werden für weitere Schutzmaßnahmen genutzt und helfen etwa das Risiko von Kollisionen mit Schiffen und das Verfangen in Fischereigerät zu mindern.

Was kann ich tun, wenn ich einen gestrandeten Wal oder Delfin finde?

Der erste und wichtigste Schritt ist, so schnell wie möglich professionelle Hilfe zu holen (zum Beispiel Küstenwache, Seehundjäger oder Schutzstationen). Im Zweifel verständigen Sie unverzüglich die Polizei. Viele Länder verfügen über ein sogenanntes „Strandungsnetzwerk“ mit speziell ausgebildeten Hilfskräften, die im Notfall professionelle Hilfe leisten können.

Nähern Sie sich dem Tier stets mit Vorsicht – im Zweifelsfall warten Sie besser, bis Hilfe eintrifft und halten Abstand. Bitte beachten Sie: Meeressäuger sind Wildtiere. Sie können Krankheiten auf den Menschen übertragen und Helfer*innen unbeabsichtigt – zum Beispiel durch Bewegungen ihrer Schwanzflosse – verletzen. Versuchen Sie nicht, schwere Wale oder Delfine ohne das geeignete Gerät zu bewegen. Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit den Tieren immer gründlich die Hände. Kinder sollten von gestrandeten Tieren fern gehalten werden. Ziehen sie auch niemals einen Delfin an der Schwanzflosse zurück ins Meer.

Gestrandeter Pilotwal
(C) O Neil
(C) O Neil

Eintauchen

Rundkopfdelfin

Unser Projekte

Eine Übersicht der Forschungs- und Schutzprojekte von WDC.

Walfluke

Flukenidentifikation

Die Flukenidentifikation führt zu wichtigen Forschungsergebnissen.

Conran & Castillo 1_0715_Charlie Phillips

Wale und Delfine in deutschen Gewässern

Auch in deutschen Gewässern kommen Wale und Delfine vor.