Wale und Delfine in deutschen Gewässern

Wale und Delfine in deutschen Gewässern

Auch in unseren heimischen Gewässern kann man mit etwas Glück Wale und Delfine beobachten. Abgesehen von vereinzelten Sichtungen von z. B. Buckel- oder Finnwalen, kommen Delfine wie der Große Tümmler, der Weißschnauzendelfin oder auch der Zwergwal, der kleinste Vertreter der Großwale, mehr oder weniger häufig in der Nordsee vor. Einer der kleinsten Wale unserer Erde, der Schweinswal, ist sogar bei uns zuhause - und zwar sowohl in der Nord- als auch in der Ostsee.

Schweinswal

(C) ORES Ursula Tscherter

Wo und wie leben Schweinswale?

Der Gewöhnliche Schweinswal (Phocoena phocoena) kommt in den Gewässern rund um die Britischen Inseln, Norwegen, Grönland und in der Nord- und Ostsee vor. Im Gebiet vor Sylt, in der Eckernförder und der Kieler Bucht aber auch um Fehmarn kann man sie regelmäßig beobachten, teilweise sogar von Land aus.

Insgesamt gibt es mindestens vier Populationen in deutschen Gewässern: eine in der Nordsee, zwei in der westlichen Ostsee sowie den winzigen (Rest)Bestand der zentralen Ostsee. Vor allem die Bestände in der Ostsee sind in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden, da der Mensch stark in den Lebensraum der Schweinswale eingreift.

Schweinswale bevorzugen vor allem flache Gewässer. Nicht selten wandern sie im Frühjahr in die Küstengewässer und im Herbst und Winter in küstenfernere Gebiete. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Fischen, die sie am Meeresgrund suchen. Schweinswale sind meistens einzeln oder in kleinen Gruppen unterwegs. Größere Verbände bis maximal zehn bis 15 Tiere werden als Schulen bezeichnet und werden eher selten beobachtet.

Schweinswalschutzgebiet Sylt

Das Land Schleswig-Holstein hat bereits im Jahr 1999 die Gewässer vor der Insel Sylt zu einem speziellen Schutzgebiet für Schweinswale erklärt. Dennoch wird das Schutzgebiet nach wie vor touristisch fast uneingeschränkt genutzt, Fischer verwenden Stellnetze, Speedboote fahren hindurch und es finden dort sogar militärische Übungen statt. Das wichtige Schutzgebiet vor Sylt bietet den Schweinswalen daher nicht genug Schutz! Im Naturschutzgebiet "Sylter Außenriff", das sich nach Westen an das Schweinswalschutzgebiet anschließt, sieht es nicht besser aus.

Schweinswale in Elbe und Weser

Nach fast 100jähriger Abwesenheit kehren die Schweinswale in die großen norddeutschen Flüsse Ems, Jade, Weser und Elbe zurück. Ein Sichtungsprogramm hat gezeigt, dass die Kleinwale in der Zeit von März bis Juni vermehrt im Mündungsbereich und im küstennahen Verlauf der Flüsse zu sehen sind. Manchmal schwimmen sie sogar bis nach Bremen und Hamburg, um ihrer Beute zu folgen: Fischen auf den Weg zu ihren Laichplätzen.

Die zahlreichen Funde toter Schweinswale entlang der Elbe sind ein trauriger Beweis für die vielen Gefahren, denen Schweinswale in den stark befahrenen Wasserstraßen ausgesetzt sind. Insbesondere die Schiffsschrauben von Motorbooten, die durch Bauarbeiten aufgewirbelten Giftstoffe und der extreme Lärm stellen eine große Gefahr für die kleinen Wale dar.

Der Verein Schweinswale e.V. widmet sich gezielt der Erforschung, Sichtung und Dokumentation von Schweinswalen in den deutschen Flüssen und setzt sich für den verbesserten Schutz der Schweinswale mit konkreten praktischen Schutzmaßnahmen und die Bekanntheit der scheuen Flussbesucher ein.

Schweinswal

Beifang: der leise Killer

Hunderttausende Wale und Delfine verenden jedes Jahr in Fischernetzen.

WDC setzt sich für Schweinswale ein:

  • Wir erarbeiten Konzepte, wie Schweinswale am effektivsten zu schützen sind.
  • Wir setzen uns im Dialog mit Politiker*innen, Behörden und Entscheidungsträger*innen sowohl national als auch bei der EU für effektive Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee ein.
  • Wir leisten Bildungsarbeit, um Menschen für den Schutz der Schweinswale zu sensibilisieren.
  • Wir treten in einen konstruktiven Dialog mit Fischerei, Wissenschaft, Industrie und Umweltschützer*innen, um den Einsatz umweltfreundlicher Alternativen (z. B. alternative Fischfang-Methoden) zu fördern.
  • Wir setzen uns für Schallschutzmaßnahmen beim Bau von Offshore Windparks ein.

Große Tümmler sind selten in der deutschen Nordsee anzutreffen

Große Tümmler kann man hin und wieder in der deutschen Nordsee antreffen, auch wenn sie dort nicht mehr heimisch sind. Gemäß der Roten Liste Deutschland gilt der Große Tümmler bei uns (ähnlich wie in den Niederlanden) seit 1970 als ausgestorben.

Dank der großen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Tümmler ist jedoch nicht auszuschließen, dass sie in Zukunft wieder an die deutsche Nordseeküste zurückkehren, wenn angemessene Schutzräume vorhanden sind, d. h. es dort wieder günstige Lebensbedingungen für sie gibt.

Selfie & Delfie: Delfine in der Ostsee?

In den letzten Jahren wurden mehrfach Große Tümmler in der Ostsee gesichtet. Im Dezember 2015 tauchten beispielsweise zwei Delfine bei Lübeck auf und hielten sich eineinhalb Monate in der Kieler Förde und bei Eckernförde auf, wo es zahlreichen Beobachter*innen gelang, Fotos und Videos von ihnen zu machen. Das lag auch daran, dass die Tümmler immer wieder die Nähe zu Booten suchten und in deren Bugwellen ritten.

Bei aller Begeisterung müssen wir jedoch stets im Hinterkopf behalten, dass es sich um sensible und gleichzeitig kraftvolle Wildtiere handelt, die so ungestört wie möglich bleiben sollten. Weil dies unter den gegebenen Umständen oft schwierig ist und viele Menschen diese Tiere beobachten möchten, hat WDC Leitlinien für ihre Beobachtung erstellt. Sie dienen dazu, sowohl die Delfine als auch die Menschen zu schützen. Wir tragen als Beobachter*innen die Verantwortung für ihr Wohlergehen und müssen deshalb dafür sorgen, dass wir weder sie noch uns in Gefahr bringen.

Großer Tümmler in der Ostsee
Delfin bei Kiel (C) Mette Rohde

WDC-Leitlinien

Delfinbeobachtung in Deutschland

Sichtungskarte Große Tümmler in Deutschland

Zwergwale – größer als ihr Name und immer noch bejagt

Der Zwergwal hält sich in der zentralen Nordsee gerne über der Doggerbank, einer großen und artenreichen Sandbank auf. Die Doggerbank erstreckt sich auch in deutsche Gewässer, weshalb die Wale auch „bei uns“ regelmäßig zu sehen sind. Leider werden sie in Europa durch Norwegen, Island und Grönland (Dänemark) bejagt sowie im Pazifik und in der Antarktis durch Japan.

Artenführer

Der gewöhnliche Zwergwal im WDC-Artenführer:

Zwergwal
Zwergwal
(C) GREMM

Pottwale in der Nordsee?

Im Januar und Februar 2016 sind insgesamt 29 Pottwale an den Küsten Deutschlands, der Niederlande, Großbritanniens und Frankreichs gestrandet. WDC hält diese Zahl für alarmierend: Es handelt sich um einen traurigen Rekord, denn nie zuvor strandeten so viele Pottwale zur gleichen Zeit.

In den geringen Wassertiefen der Nordsee kommen Pottwale normalerweise nicht vor. Vermutlich aus arktischen Gewässern Richtung Süden schwimmend, sind sie möglicherweise zu früh bzw. bei der Verfolgung ihrer Beute in die durchschnittlich nur etwa 100 Meter tiefe Nordsee abgezweigt und kamen so von ihrer angestammten Route in wärmere Gewässer ab.

Neben den Pottwalen sind im gleichen Zeitraum und Gebiet außerdem ein junger Schwertwal, zwei Zwergwale, eine Streifendelfin-Mutter mit Jungtier sowie ein Gemeiner Delfin aufgefunden worden. Die Strandungen von unterschiedlichen Arten könnte ein Indiz dafür sein, dass eine Kombination unterschiedlicher Ursachen auf die Meeressäuger einwirkte, zu denen mutmaßlich auch Einflüsse durch den Menschen gehörten.

Pottwalstrandungen in der Nordsee
Gestrandeter Pottwal Helgoland
(C) Malte Georg

Strandungen

Was kann man tun, wenn man einen gestrandeten Wal oder Delfin findet?

Gestrandeter Pottwal in Dithmarschen
(C) Brunckhorst LKN-SH

Eintauchen

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Artenführer

Informationen zu über 80 Wal- und Delfinarten, vom Blauwal bis zum Großen Tümmler.

Gruppenfoto Beach Clean Up Sylt

Urban/Coastal Clean-Up Guide

Helfen Sie mit und organisieren Sie Ihre eigene Clean-Up-Aktion.

Ölplattform Delfin

Bedrohungen

Welche Bedrohungen gibt es für Wale und Delfine in ihrem Lebensraum?