Erhaltung der letzten Nordatlantischen Glattwale

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Northern Right Wale
Nordatlantische Glattwale stehen am Rand des Aussterbens. Lebten einst noch 10.000 im östlichen und westlichen Nordatlantik sind heute nur noch ungefähr 500 in einem kleinen Verbreitungsgebiet an der Ostküste der USA und Kanadas übrig.

WDC ist im Einsatz, um den stark gefährdeten Nordkaper (Nordatlantischer Glattwal) vor dem Aussterben zu bewahren:

Nordkaper, auch Nordatlantische Glattwale genannt, stehen am Rand des Aussterbens. Einst noch zu Tausenden im gesamten Nordatlantik zu finden, sind heute weniger als 500 Individuen in einem kleinen Verbreitungsgebiet an der Ostküste der USA und Kanadas übrig. Seit dem 11. Jahrhundert intensiv bejagt, waren diese Glattwale beinahe ausgestorben, bis die Jagd auf die Tiere 1935 verboten wurde. Dennoch kämpft die Population bis heute ums Überleben - moderne Gefahren wie der Zusammenstoß mit Schiffen, das Verfangen in Fischereigerät und der Verlust und die Verschmutzung des Lebensraums setzen den Nordkapern zu.  

Das WDC-Projekt zum Schutz der letzten Nordatlantischen Glattwale will das Überleben dieser sanften Riesen mit Hilfe nationaler wie internationaler Maßnahmen sichern. Dazu gehört die Bildungsarbeit in Schulen, um ein Bewusstsein für die Tiere und die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, zu schaffen. WDC stellt Anwälten und Behörden wissenschaftliche Expertise zur Verfügung, um rechtlich bindende Regelungen zu erwirken, die lebensbedrohliche Risiken wie Schiffskollisionen, das Verfangen in Netzen und den Verlust von Lebensraum verringern und zugleich die Einrichtung von Schutzzonen im gesamten Verbreitungsgebiet der Nordkaper erreichen.

Die Gefahren:

Der Mensch war und ist die größte Gefahr für viele Wal- und Delfinarten. Laut der US-Fischereibehörde NMFS (National Marine Fisheries Service) könnte der Verlust von ein bis zwei reproduktionsfähigen weiblichen Glattwalen pro Jahr durch menschengemachte Ursachen zum Aussterben dieser Wale führen. Dennoch sind 2004 mindestens 44 Nordkaper verendet, fast die Hälfte davon waren Weibchen. Tragischerweise war in 86 % der Fälle der Mensch durch Schiffskollisionen oder Fischereigerät nachweislich der Grund für den Tod der Wale. Nach Schätzungen der US-Fischereibehörde müsste ein Glattwal-Weibchen vier Kälber zur Welt bringen, um sich selbst in der Population zu ersetzen; denn zwei dieser Kälber würden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überleben. Darüberhinaus hat der Nordkaper mit den Auswirkungen von militärischen Übungen, dem Verlust und der Verschmutzung seines Lebensraums durch Chemie und Lärm als auch dem Klimawandel und der Versauerung der Ozeane (= die Abnahme des pH-Wertes des Meerwassers) zu kämpfen.

Kollisionen mit Schiffen und das Verfangen in Fischereigerät sind jedoch die größten Bedrohungen für den Nordkaper. Deshalb konzentriert sich die Arbeit von WDC auf diese Gefahren. Wir betreiben zudem wichtige Forschungsarbeit zu Wasserqualität, dem Einfluss von Lärm und dem Lebensraum der Wale.


Die Maßnahmen:

Lebensraum schützen

Im Jahr 2009 startete WDC eine Petition, um die im Rahmen des Endangered Species Act identifizierten wichtigen Kerngebiete für Nordatlantische Glattwale auf deren gesamtes Verbreitungsgebiet auszudehnen. Außerdem arbeiten wir daran, dass sichergestellt ist, dass zuständige Behörden vor der Genehmigung von Projekten und Aktivitäten im Lebensraum der Glattwale an der Ostküste der USA, die Auswirkung auf die Meeressäuger genau analysieren. 2010 wurde die nationale Fischereibehörde dann erfolgreich dazu gebracht, die Ausweitung der Kerngebiete nach entsprechendem Zeitplan voranzutreiben. Einen ersten Erfolg stellt die deutliche Ausweitung des bestehenden Schutzgebietes auf 100.000 km2 im Januar 2016 dar. Es umfasst aber bei weitem noch nicht den gesamten Lebensraum.

Verfangen in Fischereigerät reduzieren

2008 wurde eine bundesweite Regelung entwickelt und in Kraft gesetzt, die Änderungen an Fischereigeräten an der Ostküste der USA vorschreibt. Als von der Regierung einberufenes Mitglied im Ausschuss zur Reduzierung der Tötungen von Großwalen haben wir hart für die 2014 in Kraft tretende Regelung gearbeitet, die die Nutzung von Reusen-Bodenleinen sowie die Reduzierung der in der Hummer-Fischerei eingesetzten Bodenleinen vorschreibt. 

Schiffskollisionen verringern

2009 wurde, ebenfalls auf Initiative von WDC, die Route des internationalen Segelrennens “Volvo Ocean Race” verändert, um Kollisionen der Boote mit Atlantischen Nordkapern zu verhindern. Die ursprüngliche Strecke führte durch das Stellwagen Bank Meeresschutzgebiet im Golf von Maine. 

2013 wurde die WDC-Kampagne ACT RIGHT NOW ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Gefahren, denen Nordatlantische Glattwale (und auch andere Meeressäuger) ausgesetzt sind, in der Bevölkerung zu erweitern. Hauptaugenmerk der Kampagne liegt auf der sogenannten „Ship Strike Rule“. Diese Regelung schreibt Schiffen ab 20 Metern Länge vor, in für die bedrohten Meeressäuger als wichtige Lebensräume ausgewiesenen Gebieten ihre Geschwindigkeit zu drosseln. Über 70.000 Unterschriften konnten gesammelt werden, um gegen das automatische Auslaufen dieser Regelung Ende 2013 zu protestieren. Mit Erfolg: im Oktober 2015 konnte erreicht werden, dass die „Ship Strike Rule“ bestehen bleibt. 

Bildung

WDC ist Teil des Bildungskomitees des Nordkaper Konsortiums. In Zusammenarbeit mit unserem Partner, dem Walfang-Museum in New Bedford, haben wir die Vorlesungsreihe „Der Mensch und die Wale“ entwickelt, um der Bevölkerung die Notlage der Nordatlantischen Glattwale näher zu bringen.

"Whale Sense" und “See a Spout” sind von WDC und der nationalen Fischereibehörde der USA entwickelte Programme, die kommerziellen Walbeobachtungsunternehmen (Whale Sense) und Freizeitkapitänen (See a Spout) vor allem die Vorschrift näher bringt, dass zu den gefährdeten Nordkapern ein Abstand von mindestens 500 yard (ca. 450 m) eingehalten werden muss.

Pro Jahr erfahren mehr als 1.500 Schüler durch das WDC-Bildungsprogramm mehr über Nordkaper und die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind. „Delilah“, eine lebensgroße begehbare Nachbildung eines weiblichen Nordkapers ist oft bei den Schulbesuchen dabei. Sie repräsentiert die Geschichte eines Nordkaper-Weibchens, das 1992 durch eine Schiffskollision ums Leben kam. Ihr Nachwuchs, von den Forschern „Calvin“ genannt, überlebte als Waise und später auch schwere Verletzungen durch das Verfangen in Fischereigerät, bevor sie selbst Mutter wurde. Diese Geschichte vermittelt Hoffnung für das Überleben der letzten Nordatlantischen Glattwale.