Trauer bei den Southern Resident Orcas

Über zwei Wochen lang haben Menschen auf der ganzen Welt die Trauer des 20-jährigen Southern Resident Orca-Weibchens Tahlequah (J34) um ihr totes Neugeborenes verfolgt. Die Mutter trug ihr Baby, das am 24. Juni geboren wurde und kurz darauf verstarb, 1600 km weit durch das Meer. Nach siebzehn Tagen hat Tahlequah sich nun von ihrem Kind getrennt. Das in den USA ansässige Centre for Whale Research gab am 11. August bekannt, dass das Baby vermutlich in der Salish Sea zwischen Kanada und den USA auf den Meeresboden gesunken sei. Damit ist die Möglichkeit einer Autopsie unwahrscheinlich, weshalb die Todesursache voraussichtlich weiterhin unklar bleiben wird.

Baby von J35
Baby von J35

Nach der langen Trauerphase wirkt Tahlequah mittlerweile wieder lebhaft und energievoll. Das teilte Ken Balcomb vom Centre for Whale Research der Seattle Times mit, nachdem er sie zusammen mit anderen Orcas ihres Pods gesichtet hatte. Dennoch hat Tahlequas Trauer die existenzielle Bedrohung verdeutlicht, welcher die Southern Resident Orcas ausgesetzt sind.

Ein anderes Weibchen der Population, Scarlet (J50), befindet sich bereits seit längerer Zeit in schlechter Verfassung. Neben einer starken Abmagerung ist sie deutlich zu klein für ihr Alter und leidet vermutlich an einer Infektion. Unterschiedliche Experten arbeiten daher zusammen, um ihre Überlebenschance zu erhöhen. Neben einem wissenschaftlichen Monitoring wird das Orca-Weibchen auch medizinisch behandelt. Es wurden sogar schon Pläne besprochen, Scarlet durch die Fütterung von lebendem Fisch zu behandeln, welchem vorher Medizin verabreicht werden soll.

J50 and J16, Southern Resident orcas
J50 and J16, Southern Resident orcas

Nachdem schlechte Wetterbedingungen die Arbeit des Expertenteams für einige Tage behindert hatten, wird Scarlet mittlerweile wieder intensiv beobachtet. Mithilfe der Verwendung eines Pfeils wurde ihr ein Breitspektrumantibiotikum verabreicht. Die nächsten Schritte sollen nun sein, ihr Fressverhalten genau zu beobachten sowie eine entnommene Atemprobe auszuwerten, um herauszufinden, welcher Erreger möglicherweise zu Scarlets Krankheit beiträgt. Die Behandlung eines freilebenden Orcas ist in dieser Form einmalig und wurde noch nie zuvor durchgeführt. Als junges Weibchen ist Scarlet äußerst wichtig für die gefährdete Population, die mit nur noch 75 Orcas den niedrigsten Stand seit 30 Jahren erreicht hat.