Interview: Was wurde aus Orca MORGAN?


Orca MORGAN im Delfinarium Harderwijk. Foto: Ingrid N. Visser

Vor über einem Jahr, im Juni 2010, wurde ein gestrandetes junges Orca-Weibchen allein vor der niederländischen Küste gefunden und zur Pflege in das Delfinarium in Harderwijk gebracht, wo sie an Gewicht zulegen und ihren Gesundheitszustand verbessern konnte. Seitdem arbeitet die WDCS gemeinsam mit anderen Organisationen hart dafür, Morgan eine Chance auf die Rückkehr in ihren natürlichen Lebensraum zu geben.

Was hat sich seit einem Jahr getan? Wie sieht die aktuelle Situation von Morgan aus? Wir bitten die WDCS-Expertin Cathy Williamson um ein Update.

1. Wie geht es Morgan jetzt?

Die Orca-Experten Ingrid Visser und Terry Hardie haben Morgan vor Kurzem besucht und fanden sie in einem guten Gesundheitszustand vor. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie psychisch leidet auf Grund ihrer Gefangenschaft in einem kleinen Betonbecken.

2. Ist es wahr, dass Morgan nicht freigelassen, sondern in den Loro Parque nach Teneriffa gebracht werden soll?

Wir wissen, dass das Delfinarium Harderwijk eine Genehmigung angefragt hat, um Morgan in den Loro Parque zu bringen. Wir arbeiten hart daran, die Niederländischen Behörden davon zu überzeugen, diese Genehmigung nicht zu gewähren und Morgan stattdessen für die Umsetzung des mehrstufigen Wiederauswilderungsplan der Free Morgan Group freizugeben.

3. Was wird mit Morgan passieren, wenn sie in den Loro Parque umgezogen ist?

Ein Transfer in den Loro Parque könnte jede Hoffnung, Morgan jemals in Freiheit entlassen zu können, zunichte machen. Sie würde Teil der Orca-Show im Loro Parque werden und den Rest ihres Lebens als Showclown verbringen. Zuvor müsste sie sich jedoch noch an die neue Umgebung und ihre neuen Beckennachbarn gewöhnen – das kann viel Stress für diese Tiere bedeuten. Darüber hinaus bereiten der WDCS besonders die Umstände im Loro Parque, in dem ein Orca-Trainer 2009 auf tragische Weise getötet wurde, Sorgen. Dieser aktuelle Artikel im Outside Magazine gibt einige unserer Bedenken sehr gut wieder.

4. Was tut die WDCS, um Morgan zu helfen?

Die WDCS ist Teil der Free Morgan Group http://www.freemorgan.nl und hat die niederländischen Behörden dazu aufgefordert, eine fortdauernde Gefangenschaftshaltung von Morgan nicht zu unterstützen, sondern ihr die Chance auf ein besseres Leben einzuräumen, mit der Möglichkeit, in die freie Wildbahn zurückzukehren.

5. Was genau ist die Free Morgan Group und was kann sie tun, um Morgan zu helfen?

Die Free Morgan Group ist eine informelle Koalition internationaler Orca-Experten, die zusammenarbeiten, um Morgans missliche Lage zu verbessern. Die Koalition hat einen mehrstufigen Auswilderungsplan für Morgan vorgelegt, der u.a. vorsieht, sie von ihrem Becken in eine natürlichere Umgebung innerhalb eines abgesperrten Meeresareals zu bringen, während weitere Pläne entwickelt werden, wie sie in ihre ursprünglichen Gewässer zurückgebracht werden kann.
Über Morgans Familie wissen wir fast nichts, obwohl ihre DNA-Analyse darauf hindeutet, dass sie zu einer Gruppe norwegischer Orcas gehört, die Hering jagen.

Während Morgan wieder zu Kräften kommt und erneut lernt, wie man jagt und sich als wilder Orca verhält, können wir uns weiter bemühen, einen Ort ausfindig zu machen, der für ihre Freilassung geeignet ist und der hoffentlich ihre Chancen erhöht, dass sie auf eine passende Orca-Gruppe trifft, von der sie akzeptiert wird.

6. Man bekommt langsam den Eindruck, dass bis heute nicht viel getan wurde, um ihr zu helfen. Warum ist Morgan noch immer in Gefangenschaft – ein Jahr, nachdem sie gefunden wurde?

Obwohl das Delfinarium in Harderwijk dafür gesorgt hat, dass Morgan sich erholt und wieder an Gewicht zugelegt hat seit sie gerettet wurde, glaubt es nicht daran, dass Morgan das Zeug dazu hat, in die freie Wildbahn zurückzukehren. Das ist eine sehr unglückliche Position, die dazu führte, dass Morgan in Gefangenschaft ermattet und einer ungewissen Zukunft entgegensieht.

7. Wie schätzt du aktuell Morgans  Überlebenschancen in freier Wildbahn ein?

Es ist wichtig, dass wir im Hinterkopf behalten, dass der Free Morgan Plan ein mehrstufiger Plan ist. Wir sind keine Verfechter einer sofortigen Freilassung. Eine solche Freilassung wäre immer davon abhängig, wie Morgan in der natürlicheren Umgebung in einem abgesperrten Meeresareal zurechtkommt und ob sie für sich selbst jagen kann. Sie würde nicht freigelassen, bevor sie nicht gezeigt hat, dass sie für sich selbst sorgen kann und, idealerweise, mit anderen wildlebenden Orcas interagiert.  Selbst nach ihrer Freilassung  würde sie weiterhin überwacht werden. Auf jeder Stufe des Auswilderungsplans steht Morgans Gesundheit und Wohlbefinden  an allererster Stelle.

8. Besteht die Chance, dass Morgan ihre Familie jemals wiederfindet?

Das hoffen wir. Es ist aber ebenso möglich, dass das, was wir als angemessene Orcagruppe bezeichnen, genug wäre für Morgan, um ein vollwertiges soziales Leben in der Wildnis zu führen.

9. Das heißt es gibt für Morgan zwei Möglichkeiten: ein Leben in einem Betonbecken, in dem sie gefüttert und medizinisch versorgt wird oder die Chance, auf sich gestellt in Freiheit zu überleben, möglicherweise als Mitglied einer Orca-Gruppe . Wer entscheidet über Morgans Zukunft?

Es sollte wirklich Morgans eigene Entscheidung sein. Als sie in Gefangenschaft verbracht wurde, geschah dies mit der Intention, sie wieder auszuwildern, sobald sich ihr Gesundheitszustand verbessert hat. Sie sollte nun die Chance erhalten, ein vollwertiges Leben in freier Wildbahn zu verbringen – und nicht eingesperrt in einem Betonbecken als Attraktion für die Besucher.

10. Und nun als letzte, aber wichtige Frage: Cathy, wie können wir helfen?

Die WDCS hat einen E-Protest eingerichtet, um die niederländischen Behörden davon zu überzeugen, den Free Morgan Auswilderungsplan zu unterstützen anstatt zu erlauben, dass sie weiter in Gefangenschaft verbleibt. Bitte helfen Sie und geben Sie Morgan ihre Stimme hier.

Lesen Sie hier einen aktuellen Artikel von Cathy Williamson im Parliament Magazine >>