Fütterung von Delfinen – Ein verfehltes Bildungskonzept

- Ein Kommentar von Dr. Karsten Brensing, Verhaltensbiologe und Conservation Manager der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS -

Ungeachtet der allgemeinen Kritik an der Haltung von Delfinen in Gefangenschaft und der diesbezüglich intensiv geführten Diskussion über den Ausbau der Delfinanlage im Tiergarten Nürnberg, muss sich der bayrische Umweltminister, Dr. Söder, nun die Kritik gefallen lassen, öffentlich wirksame Aktionen zu bevorzugen, die jeglichen Prinzipien tier- und artenschutzrelevanter Gesetzesbestimmungen entgegenstehen.

Gerade Bayerns Umweltminister sollte nach dem fatalen Management in der Frage des sogenannten Problembären Bruno, welches letztendlich in der Tötung des Tiers resultierte, sensibler mit der Problematik „Fütterung von Wildtieren“ umgehen. Die Fütterung von wildlebenden Delfinen ist nicht nur vielerorts streng verboten, sondern stellt ein grundlegendes Problem dar, das zu Verhaltensänderungen bei den Tieren führt, die letztendlich für diese zur Gefahr werden. Negative Beeinflussung des Jagdverhaltens und dadurch gesteigerte Jungtiersterblichkeit, Verlieren der Scheu vor Booten und zunehmendes Verletzungsrisiko sind nur zwei von mehreren Folgen dieser unüberlegten und gesetzeswidrigen Tätigkeit. Leider erlernen Menschen dieses Fehlverhalten in Sendungen wie Flipper und in Zoos und Delfinarien.

Zum Glück sind solche Praktiken durch zahlreiches Gesetzgebungen vor allem im internationalen Bereich verboten, doch sollte dies nicht nur auf dem Papier stehen, sondern vor allem von einem Umweltminister beachtet werden. Diese Unkenntnis und Ignoranz gegenüber den einfachsten umweltpolitischen Grundsätzen sind für einen Umweltminister ein Armutszeugnis, gleichzeitig aber auch Beleg dafür, dass Delfinhaltung dem Besucher ein Bild von Delfinen vermittelt, welches mit jenem der freilebenden Artgenossen wenig zu tun hat.

Ich selbst habe als Verhaltensbiologe lange Zeit an Delfinen in Florida geforscht und kenne die Auswirkungen des Fütterns von Wildtieren nur zu gut. Dort habe ich auch zahlreiche Tiere mit schwerwiegenden Verletzungen gesehen, welche oftmals aus der verlorenen Scheu vor den Menschen resultierten.

Wenn so die Erfüllung des Bildungsauftrages eines Zoos aussieht, kann ich dies nur so bewerten: Setzen, sechs.