Sechs tote Delfine innerhalb von 14 Monaten

Delfinschützer fordern Konsequenzen

Pressemitteilung der WDCS

München. 27. Juni 2007. Seit dem 18. Mai 2006 sind im Delfinarium des Tiergartens Nürnberg fünf neugeborene Delfinkälber und ein Muttertier gestorben. Die Tiergartenleitung hat bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Erklärung dazu abgegeben, jedoch eine Presseinformation versandt, in der Direktor Enke erläutert warum er oder andere Vertreter deutscher Delfinarien nicht an einem morgen in Berlin stattfindenden Fachgespräch teilnehmen werden. Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau der Delfinlagune begonnen werden. Für die WDCS eine fahrlässige Investition, für die auch der Steuerzahler in Nürnberg bürgen muss.

Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS sieht dringenden Handlungsbedarf bei den politischen Entscheidungsträgern in Bayern als auch im Bund, da der Trend der Delfinhaltung in Deutschland eindeutig zeigt, dass diese nicht „nachhaltig“ betrieben wird und nicht mehr zeitgemäß ist. „Die Entwicklung der Delfinhaltung und tragische Bilanz insbesondere des Tiergarten Nürnbergs in Bezug auf die Delfinhaltung zeigt, dass mittelfristig nach Deutschland neue Delfine eingeführt werden müssen, wenn der Bestand gefangener Delfine aufrecht erhalten werden soll. Das ist inakzeptabel. Was muss noch passieren, bis Konsequenzen gezogen werden und man erkennt, dass man Waltiere in Gefangenschaft nicht art- und tiergemäß halten kann?“ sagt Nicolas Entrup, Geschäftsführer der WDCS.

Nach Angaben der WDCS sind aber nicht nur die hohe Mortalität der gefangenen Tiere und die nicht selbsterhaltende Zucht Ex-Situ (außerhalb des natürlichen Lebensraumes) zwingende Argumente für die Beendigung der Gefangenschaftshaltung von Delfinen. „Insbesondere die verminderte Lebensqualität jedes einzelnen Tieres, die durch die Haltung in monotonen, reizarmen Betonbecken hervorgerufen wird, muss nachdenklich stimmen. Daran wird laut neuerer wissenschaftlicher Stellungnahme auch der Neubau der sogenannten Delfinlagune nichts ändern“ kritisiert Verhaltensbiologie Dr. Karsten Brensing die Delfinhaltung.

Verwundert ist der Geschäftsführer der WDCS auch über die Aussage Dr. Enkes in seiner Presseinformation vom 26.6.2007, dass die WDCS keine Einladung zu einem Sachgespräch wahrgenommen habe. „Wir sind jederzeit zu einer sachlichen Diskussion in der Öffentlichkeit bereit, doch so ein Angebot gab es seitens der Tiergartenleitung noch nicht. Somit unterbreite ich einen solchen Vorschlag an dieser Stelle“ kommentiert Entrup.

In diesem Zusammenhang verweist die WDCS auch auf eine Inkonsistenz seitens des Tiergarten in seiner eigenen Informationspolitik und bringt als Beispiel Angaben zur Nachzucht von Delfinen in Delfinarien:

Der Stellvertretende Zoodirektor Dr. Mägdefrau schreibt im Jahrbuch der Europäischen Zoogesellschaft 2004, dass sich die Delfinpopulation in Europa nicht selbst erhält, da die Jungtiersterblichkeit zu hoch ist. In einem Informationsblatt des Tiergarten Nürnbergs im letzten Jahr wird das Gegenteil behauptet.

Tierarzt Dr. Bernhard Neurohr gibt in einem Interview gegenüber den Nürnberger Nachrichten vom 14.06.2007 an, dass in freier Wildbahn 95 Prozent der Tiere nicht durch kommen. „Diese Aussage entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage, denn es ist methodisch nicht möglich, Delfine im Freiland so lange kontinuierlich zu beobachten, um so eine Aussage treffen zu können. Wenn die Zucht in der freien Natur nicht nachhaltig wäre, dann gäbe es schon seit Millionen von Jahren keine Delfine mehr“, erklärt der Meeresbiologe der WDCS, Dr. Karsten Brensing, und führt weiter aus: „Der Zoo kommt somit seiner Verantwortung als Bildungsträger nicht nach und erweckt den Eindruck, nicht ganz uneigennützig zu handeln.“

Bis heute hat die WDCS trotz mehrmaliger Nachfrage keine Einsicht in das sogenannte Erhaltungszuchtbuch für Große Tümmler in europäischen Zoos und Aquarien erhalten.

Quelle: WDCS